Saglik trifft, Gröteke verletzt

Ausrufezeichen und Erleichterung: Nach schwierigen Wochen siegt der KSV Hessen gegen FSV Frankfurt 2:1

Torhüter Maximilian Zunker (Mitte), Aram Kahraman (rechts). Im Hintergrund Nael Najjar (liegend) und Robin Urban. Links: Adrian Bravo Sanchez. Im Vordergrund: Nils Pichinot.
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Ein Bild, das viel aussagt: Torhüter Maximilian Zunker (Mitte) und Aram Kahraman (rechts) klatschen ab. Im Hintergrund liegt der erschöpfte Nael Najjar und wird von Robin Urban gedehnt. Links: Adrian Bravo Sanchez. Im Vordergrund: Nils Pichinot.

Die Rückkehr brachte auch den Erfolg zurück. Endlich durfte Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel wieder auf Rasen, zwar vor leeren Rängen, aber im Auestadion antreten.

Kassel – Mit dem FSV Frankfurt war ein Spitzenteam zu Gast. Doch nach einer starken Leistung und nur ein bisschen Zittern am Anfang und zum Schluss siegten die Löwen 2:1 (2:0) und beendeten eine Durststrecke mit drei Niederlagen in Folge.

Die Aufstellung

Trainer Tobias Damm hat Mut. Das hat er schon häufiger bewiesen. Zum Beispiel auch mit dem Torwartwechsel im wichtigen Spiel gegen Stadtallendorf, in dem der junge Nicolas Gröteke erstmals in der Liga spielte. Nun wirbelte Damm, der wenige Tage zuvor seinen Vertrag beim KSV um ein Jahr verlängert hatte, seine erste Elf ordentlich durch. Der 20 Jahre alte Serkan Durna stand zum ersten Mal überhaupt in einem Pflichtspiel von Beginn an auf dem Platz. Und auch der ebenfalls 20 Jahre alte Aram Kahraman durfte beginnen. Die beiden jungen Mittelfeldspieler machten ihre Sache richtig gut.

„Kurz vor dem Spiel habe ich erfahren, dass ich in der Startaufstellung stehe. Und dann habe ich einfach versucht, alles zu geben. Allerdings war es vom Wetter her echt eklig. Regen, Schnee, Sturm, Sonne – da kann man sich schon schönere Tage aussuchen, um Fußball zu spielen“, sagte Durna nach der Partie.

Die Taktik

Damm hatte seine Spieler bestens auf den Gegner vorbereitet. Zwar mussten die Löwen bereits nach wenigen Sekunden einmal tief durchatmen, als Andu Yobel Kelati frei vor Gröteke auftauchte und selbst wohl etwas überrascht war, an den Ball zu kommen. Sein Schuss ging vorbei. Doch nach und nach fand der KSV besser ins Spiel, stand defensiv sicher – und setzte nach Ballgewinnen immer wieder Nadelstiche durch Konter. Die führten dann auch zu den Toren. Erst grätschte der Frankfurter Marco Speck eine eigentlich eher verunglückte Hereingabe von Durna unglücklich über seinen Torhüter Daniel Endres ins Netz (19.). „Eigentlich wollte ich Jon Mogge am langen Pfosten anspielen. So hat es allerdings auch ganz gut geklappt“, erklärte Durna und lachte. Dann stürmte Alban Meha über das halbe Feld – verfolgt vom bereits verwarnten Fabian Burdenski, der wohl wusste: Wenn ich ihn jetzt foule, fliege ich vom Feld. Burdenski ließ Meha also laufen, der bediente Mahir Saglik mustergültig. Nach 35 Minuten stand es 2:0.

Die Geste

Nach seinem Treffer deutete Saglik auf Vorbereiter Meha. Wohl, um zu zeigen: Das ist eigentlich sein Tor. Anschließend öffnete und schloss er Daumen und die anderen Finger und deutete nach draußen. Wohl, um zu sagen: Redet nicht so viel. Er selbst sagte hinterher: „Das war nichts Persönliches. Aber es gab viel Unruhe im Verein in den vergangenen Wochen. Hier sind viele verdiente Spieler. Ich wollte damit einfach sagen, dass alle mal die Ruhe bewahren und hinter Verein und Spielern stehen sollen.“

Der Einsatz

Nach der Pause wurde der Druck auf die Löwen größer. Doch die warfen sich weiter in jeden Ball, auch wenn sie das 1:2 durch den eingewechselten Muhamed Alawie in der 57. Minute nicht verhindern konnten. Der Kopfballtreffer nach einer Ecke blieb aber das einzig Zählbare der Gäste, die in der Nachspielzeit noch an der Latte scheiterten. „Ich muss meiner Mannschaft ein riesengroßes Kompliment machen. Wir haben zwar das 3:0 verpasst, aber am Ende verdiente drei Punkte erarbeitet“, sagte Tobias Damm. Und Nael Najjar fügte an: „Derbysiege schmecken einfach besonders gut.“

Rund ums Spiel : Ein Trikotwurf und ein Trikotgeschenk

Auch rund um den Derbysieg des KSV Hessen gegen den FSV Frankfurt gab es einige interessante Geschichten. Hier sind die Auffälligkeiten vom Samstagnachmittag aus dem Auestadion:

Die vergebene Großchance: Am Ende mussten die Löwen noch einmal zittern – und dabei hätte doch kurz vor der Pause schon alles klar sein können. Nach einem Konter hatte Jon Mogge FSV-Keeper Daniel Endres schon umkurvt und aus spitzem Winkel das leere Tor vor sich. Doch der 23-Jährige vergab. Kurz danach war Halbzeit. Mogge war sichtlich gefrustet, zog sein Trikot aus und schmiss es auf den Rasen. Trainer Tobias Damm sammelte es auf und nahm es mit in die Kabine.

Die Auszeichnung: Eine halbe Ewigkeit schon gehört Marco Dawid zum Löwen-Rudel. Dabei ist er gerade mal 26 Jahre alt, also im besten Fußballer-Alter. Umso erstaunlicher ist die Zahl, für die er vor der Partie geehrt wurde: Denn der Flügelflitzer hat nun schon 200 Partien für den KSV absolviert und bekam zu diesem Anlass ein Trikot in einem Rahmen geschenkt. Beim Tragen benötigte er allerdings Hilfe, denn nach seinem Kreuzbandriss aus dem Spiel gegen Stadtallendorf fällt er nicht nur die restliche Saison aus, sondern ist auch noch auf Gehhilfen angewiesen.

Der Torwartwechsel: Gegen Stadtallendorf war auch KSV-Torwart Nicolas Gröteke in die Startelf gerückt und hatte Maximilian Zunker verdrängt. Am Samstag war er nun allerdings vom Pech verfolgt. Bei einem Abschlag kurz vor der Pause war der 19-Jährige mit dem Frankfurter Leonhard von Schrötter zusammengeprallt und musste mit Verdacht auf Gehirnerschütterung zur Halbzeit ausgewechselt werden. Zunker kam für ihn ins Spiel und hielt bis auf das Gegentor in der 57. Minute seinen Kasten sauber. (Torsten Kohlhaase und Maximilian Bülau)

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