Beim KSV Hessen geht es nun auch um den Job von Tobias Cramer

Es geht um seinen Job: Trainer Tobias Cramer. Foto: Hedler

Kassel. Eines kann man Tobias Cramer nicht absprechen: Er steht zu dem, was er tut. Und er hängt daran. Seinen Job als Trainer des KSV Hessen Kassel bezeichnet der 43-Jährige stets als Geschenk.

„Ich mache diesen Job mit Leidenschaft und Liebe. Ich stehe zum KSV und zu unserem Weg“, sagt er am Montag, zwei Tage nach der deprimierenden 1:4-Pleite bei Schott Mainz.

Cramer war tief getroffen am Samstag nach dem enttäuschenden Auftritt seiner Mannschaft. „So kann man sich einfach nicht präsentieren“, sagt er. Und dass sein Gefühl nach der Vorbereitung ein ganz anderes gewesen sei, ihn aber getrogen habe. Nach dem Abpfiff war er fast fluchtartig in die Kabine verschwunden. Später trat er deutlich vor der Mannschaft im privaten Pkw die Heimreise an. Und natürlich weiß Cramer, dass es nun auch um ihn geht. Um seinen Job: „Natürlich geht es nach so einer Negativserie auch um die Trainerfrage. Der Vorstand wird eine Entscheidung fällen müssen.“

Fakt ist: Nach dem desaströsen Auftritt beim direkten Tabellennachbarn steht der KSV mit dem Rücken zur Wand. Fest steht wohl auch, dass es innerhalb der Vereinsgremien Strömungen gibt, die den Trainer in Frage stellen. Was umgekehrt wahrscheinlich auch eine Abkehr vom eingeschlagenen Weg der Regionalisierung und der Arbeit mit jungen Spielern bedeuten könnte. Dem Weg, für den Cramer stets gestanden hat.

In Mainz hatte Cramer im Abstiegskampf vor allem auf Routine gesetzt – und wurde maßlos enttäuscht. Was er und rund 100 Fans der Löwen sahen, waren vor allem jede Menge Baustellen:

BAUSTELLE SYSTEM

Wettkampf ist eben doch etwas anderes als Testspielphase. Mit der neuen Dreierkette wollte Cramer die Defensive stärken. Der erste Härtetest aber ging komplett daneben. Die Löwen wirkten nicht nur beim frühen Doppelschlag komplett überrumpelt. Die Abstimmung zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen stimmte überhaupt nicht. Die riesigen Lücken, die da klafften, nutzte Mainz zu einem Konter nach dem anderen. Cramer sagt: „Das ist keine Frage des Systems gewesen. Da hat einfach fußballerisch nichts funktioniert. Das Einmaleins fehlte komplett.“

BAUSTELLE SELBSTVERTRAUEN

Eigentlich sollten Winterpause und Vorbereitung eine Art Neuanfang sein. Die Negativserie abhaken, noch einmal von vorn beginnen und um die Chance kämpfen. Dafür wurde gearbeitet. Dafür wurde am neuen System gefeilt. Und dann? Der Start mit einem Rückschlag, wie er härter nicht sein konnte. Cramer stellt ernüchtert fest: „Ich bin weiter überzeugt, dass diese Mannschaft fußballerisch Regionalliga-tauglich ist. Mental reicht es aber nicht. Unter Druck funktioniert sie nicht.“

BAUSTELLE FÜHRUNGSSPIELER

„Ich habe eine Männermannschaft aufgestellt“, sagt Cramer. Soll heißen: Im Abstiegskampf wollte er auf Erfahrung setzen. Doch gerade von den Routiniers war nichts zu sehen. Neben dem starken Torhüter Niklas Hartmann schien nur Sascha Korb der Aufgabe gewachsen. Andere wie Sergej Schmik, Sebastian Schmeer und Sebastian Szimayer tauchten komplett ab. Kein Wunder also, dass Cramer feststellt: „Wahrscheinlich hat der Trainer Fehler gemacht. Die falsche Aufstellung gewählt. Aber nach diesem Auftritt sollte sich jeder selbst hinterfragen.“

KSV Hessen Kassel verliert gegen TSV Schott Mainz 1:4 - die Bilder

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.