Trotz Personalnot

Chapeau, Löwen! KSV Hessen siegt nach 0:2 noch 3:2 gegen Großaspach

Spieler des KSV Hessen Kassel.
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Der Jubel kennt keine Grenzen: Die Spieler des KSV Hessen freuen sich über Ingmar Merles Tor zum 3:2 gegen Großaspach.

Diese Löwen sind besonders! Man stelle sich vor, eine Mannschaft, der neun Spieler fehlen – davon sechs Stammkräfte – tritt auswärts in einem der wichtigsten Spiele der vergangenen Wochen an.

Kassel/Großaspach – Diese Mannschaft liegt nach sechs Minuten 0:1, nach zehn 0:2 zurück. Wer hätte in diesem Moment noch einen Cent darauf gesetzt, dass dieses Team, der KSV Hessen Kassel, am Ende nicht als Verlierer den Platz verlassen wird?

Tobias Damm, Trainer des Fußball-Regionalligisten, hätte das sicher getan. Nicht nur einen Cent hätte er gesetzt. „Wir diskutieren nie über Mentalität und Einstellung. Wenn ich das Trikot des KSV anziehe, dann muss das gegeben sein. Und so lange wir hier Trainer sind, Sebastian Busch und ich, wird sich das nicht ändern“, sagt der 37-Jährige. Dass Mentalität und Einstellung dieser Mannschaft stimmen, zeigte diese Partie bei der SG Sonnenhof Großaspach wieder einmal. Nach sechs Minuten hatte Sebastian Schieck die Gastgeber in Führung gebracht. Nach zehn Minuten hatte Marvin Cuni nachgelegt. Am Ende gewannen die Löwen dieses Spiel aber 3:2 (2:2.).

„Schon nach sechs Minuten war unser Plan über den Haufen geworfen. Wir wollten so lange wie möglich die Null halten“, sagt Damm. Lange war dieser Plan nicht möglich. Doch der Trainer sagt auch: „Das erste Tor war gut gespielt, kein Fehler von uns. Das zweite ist so ein Ping-Pong-Ding.“ Auf jeden Fall zogen die Gastgeber, der Drittligaabsteiger, der erneut große Abstiegstendezen aufweist, keine Sicherheit aus dieser frühen Führung. „Wir haben einfach weitergemacht, waren sehr aktiv, haben viel geredet“, sagt Damm. Und das zahlte sich aus. In der 20. Minute verwertete Lukas Iksal eine Hereingabe von Nael Najjar zum Anschlusstreffer. Kurz vor dem Halbzeitpfiff bediente Sebastian Schmeer Iksal mustergültig. Doppelpack des 26-Jährigen. 2:2.

„Was mich an diesen Toren am meisten freut, ist, dass wir das umgesetzt haben, was wir immer trainieren und wollen. Wir haben die Wege in die Tiefe gemacht, die Pässe kamen gut. Das waren keine Glückstore“, sagt der Trainer. Kein Glückstor war dann auch das 3:2. Denn Glück ist es nicht, wenn Ingmar Merle einen vom Torhüter abgewehrten Ball volley nimmt und ihn aus 20 Metern wunderschön ins Tor wuchtet (55.). Schon jetzt werden in den Sozialen Medien die Rufe nach dem Tor des Monats laut. Eine Auszeichnung, die Merle ja gerade erst gewonnen hat. Warum nicht gleich noch mal? Chancen hat er sicherlich. Das sieht auch Damm so: „Mit Sicherheit ist er da in der Verlosung. Darüber wird diskutiert werden“, sagt er.

Für Damm war dieser Treffer von Merle die Belohnung. „Ich habe in der Halbzeit gesagt, dass wir das Spiel drehen. Wir haben Mut, Fleiß und Willen gezeigt. Das war wieder ein gutes Beispiel dafür, dass mit vielen Tugenden auch viel geht“, sagt er.

Viele Tugenden werden die Löwen in dieser Woche auch noch benötigen. Denn bereits morgen steht die nächste Partie gegen den TSV Steinbach im Hessenpokal an, am Samstag ist dann Offenbach zu Gast im Auestadion. Das verlegte Pokalspiel kommt momentan zur Unzeit, angesichts der Personalprobleme. „Klar, das ist kein guter Zeitpunkt. Aber wir werden nichts abschenken, auch wenn die Liga natürlich wichtiger ist“, sagt Damm.

Vielleicht gibt es auch morgen den einen oder anderen, der keinen Cent auf ein Weiterkommen der Löwen setzen würde. Doch in Großaspach haben sie wieder einmal gezeigt, wozu sie in scheinbar aussichtslosen Situationen im Stande sind. Chapeau! (Maximilian Bülau und Steffen Grün)

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