„Das Spray hilft den Schiris“

Regionalligisten sind für die Linie aus der Dose

Die Linie ist die Grenze: Das Freistoßspray verhindert, dass die Mauer mogelt. Foto. dpa

Kassel. Heimische Regionalligisten sprechen sich für die Nutzung von Freistoß-Spray aus.

Kassel. 17. Oktober, 2014, 18.37 Uhr: Beim Zweitliga-Spiel zwischen dem VfL Bochum und Darmstadt 98 hat gerade der Darmstädter Michael Gregoritsch seinen Gegenspieler regelwidrig vom Ball getrennt. Robert Hartmann aus Wangen im Allgäu entscheidet auf Freistoß für den VfL und sorgt im nächsten Augenblick für eine Premiere im deutschen Profifußball. Nachdem der Schiri die Darmstädter Mauer rund neun Meter vom Tatort wegdirigiert hat, zückt er eine Spraydose und markiert die Stelle, an der sich die Spieler aufgestellt haben. Die Fußballer, die sich daran gewöhnt hatten, in solchen Situationen ein bisschen zu mogeln, müssen hinter der Linie bleiben, wenn sie keine Gelbe Karte riskieren wollen.

Einen Tag später wird die Neuerung auch in der ersten Liga eingeführt, und fast alle sind begeistert. Die Zuschauer finden es lustig, die Schiedsrichter werden nicht mehr betrogen, und die Freistoßschützen fühlen sich nicht mehr gestört. Das Spray hat sich bewährt und wird nun auch im Amateurbereich eingeführt, denn nach dem Ende der Winterpause wird in der bayerischen Regionalliga gesprayt.

Falls die Bayern gute Erfahrungen sammeln, werden auch die Spieler des KSV Hessen und des KSV Baunatal in der Regionalliga Südwest die Freistöße ihrer Gegner hinter der weißen Linie erwarten. Wir wollten herausfinden, was Löwen und Baunataler denken und haben uns in beiden Lagern umgehört.

Tobias Klöppner, die eine Hälfte des Baunataler Trainerduos Klöppner/Nebe sieht die Sache pragmatisch. „Wenn es einen Freistoß für uns gibt, bin ich für das Spray, aber wenn wir eine Mauer bilden müssen, bin ich dagegen“, sagt Klöppner, der es als Torwart zu schätzen wusste, wenn die Mauer ein wenig gemogelt hat.

Klöppners Kasseler Kollege Matthias Mink denkt eher an die Unparteiischen und sagt: „Das Spray hilft den Schiris, die der Mauer auch mal den Rücken zudrehen können, wenn sie vorher gesprayt haben.“ Mink ist grundsätzlich für die Linie aus der Dose und würde sie sogar bei einem Freistoß gegen den KSV Hessen akzeptieren.

Niklas Hartmann ist der Torwart des KSV Baunatal und findet eigentlich, dass das populäre Spiel nicht durch zuviele Neuerungen verändert werden sollte. „Das Spray würde ich noch akzeptieren, aber dann sollten wir mal eine Reformpause einlegen“, meint Hartmann.

Tobias Becker schießt beim KSV Hessen die Freistöße und meint, dass der Schütze durch das Spray einen leichten Vorteil hat. „Der Abstand wird eingehalten, was wichtig ist, weil man im Training immer gegen eine rund neun Meter entfernte Mauer antritt. Bewegen sich die gegnerischen Spieler ein paar Zentimeter nach vorn, dann kann das schon entscheidend sein“, sagt Becker, der hinzufügt: „Gut, dass der Schiedsrichter auch die anderen Spieler im Blick haben kann.“

Von Gerd Brehm

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