Samstag ab 14 Uhr im Auestadion gegen Walldorf

Der Kleber: Jascha Döringer vom KSV Hessen ist ein besonderer Typ

Jascha Döringer.
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Dynamisch: Jascha Döringer (Mitte) in der Partie gegen Koblenz.

Ob das spielfreie Wochenende von Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel für Jascha Döringer zur richtigen Zeit kam, ist eine Frage der Perspektive: Einerseits musste er so länger über seine beiden Elfmeter-Fehlschüsse in der vergangenen Woche gegen die Reserve der TSG Hoffenheim nachdenken.

Kassel – Andererseits hatte er so ein wenig Zeit, um sich abzulenken. Er selbst sagt: „Direkt nach dem Spiel hatte ich das natürlich noch im Kopf. Das ist eine besondere Situation und erlebt man nicht so oft. Aber jetzt denke ich nicht mehr darüber nach.“ Beim Stand von 0:2 war Döringer in Abwesenheit der etatmäßigen Schützen zum Punkt gegangen, hatte verschossen – der Strafstoß wurde allerdings wiederholt, Döringer scheiterte ein zweites Mal. Keine einfache Situation für den Neuzugang, der immer noch auf seinen ersten Treffer im Trikot der Löwen wartet. Und der laut Trainer Tobias Damm auch ein Spieler ist, der über vieles nachdenkt. Ein Kopfmensch.

Döringer weiß, dass Tore nicht alles sind. Aber er weiß auch, dass sie von ihm in gewisser Weise erwartet werden. „Ein Offensivspieler wird auch an Statistiken gemessen. Deswegen wäre ein Treffer für mich persönlich eine schöne Sache.“ Morgen hat er beim Heimspiel gegen Astoria Walldorf im Auestadion (14 Uhr) die nächste Möglichkeit für sein Debüt als KSV-Torschütze.

Trainer Damm sieht seinen Neuzugang schon jetzt als wichtig an – auch fürs Gefüge der Mannschaft. „Er versteht sich mit jedem, ist sehr hilfsbereit. Er setzt sich mit vielem auseinander und das, was er macht, macht er zu 100 Prozent. Das mag ich“, sagt er. Manchmal wolle Döringer noch zu viel. Er dürfe sich nicht so häufig einen Kopf über alles machen.

KSV-Teammanager Steffen Friedrich sagte schon vor einigen Wochen: „Jascha ist für mich Kleber.“ Friedrich meinte damit: Döringer ist ein Typ, der eine Mannschaft durch seine Art zusammenhält. Wir haben uns bei seinen Teamkollegen umgehört, was sie über den Neuzugang denken.

Frederic Brill: „Er hat einen guten Humor“

KSV-Kapitän Frederic Brill hat ein sehr gutes Verhältnis zu Neuzugang Jascha Döringer. Er sagt: „Jascha ist ein besonderer Typ. Der Begriff Typ trifft definitiv nicht auf jeden zu, und das ist bei ihm auf keinen Fall negativ gemeint. Er ist komplett offen, geht auf jeden zu – ganz egal, ob derjenige zehn Jahre im Verein ist oder neu wie er.“

Mit der Stadt habe sich Döringer sofort versucht zu identifizieren, sagt Brill. „Er erkundet viel – immer zu Fuß oder mit der Bahn. Er ist nicht der gewöhnliche Fußballspieler“, führt der KSV-Kapitän aus. Und er hat ein Beispiel: „Jascha liest Bücher. Vor dem Training, im Bus. In der Kabine ist Handyverbot, aber im Bus schauen natürlich viele drauf. Jascha nicht. Wir haben so eine Lymph-Hose zur Regeneration der Beine. Wenn er im Physioraum liegt, dann hat er immer ein Buch in der Hand.“

Für die Mannschaft sei der 24-Jährige schon jetzt sehr wichtig, sagt Brill. „Er hat einen guten Humor, teilweise ein bisschen sarkastisch. Er hat was zwischen den Ohren. Bei uns wird immer wert auf das Mannschaftsgebilde gelegt. Er passt ins Profil. Er arbeitet hart, läuft viel und gibt alles fürs Team. Und wenn er nicht spielt, dann geht er auf andere zu und lobt sie“, erklärt Brill.

Der erste Gang nach der Partie in Hoffenheim, die der Kapitän gesperrt verpasste, sei zu Döringer gewesen. „Wer Verantwortung übernimmt, darf auch Fehler machen. Ich habe ihm gesagt: Zwei, drei Tage tut das jetzt weh, dann geht es weiter. Der Druck bei ihm ist einfach groß, weil er sein erstes Saisontor schießen möchte. Aber er muss nicht unbedingt die Tore schießen. Er hat andere Qualitäten“, sagt Brill.

Brian Schwechel: „Er ist besonders“

Brian Schwechel ist Kabinen-Sitznachbar von Jascha Döringer. Er meint: „Groß aufbauen, brauchen wir ihn nicht. Er hat Verantwortung übernommen – und dann kann man auch mal verschießen. Das Beste, was er jetzt machen kann, ist Samstag einfach ein gutes Spiel abzuliefern.“ Schwechel glaubt, dass Döringer schon gut in der Mannschaft angekommen ist. „Seine Leistungen sind nach und nach besser geworden“, sagt er.

Warum er wichtig fürs Team ist? „Er ist ein lustiger Typ. Jeder, der mit ihm redet, kann danach mit ihm lachen. Er ist besonders“, sagt Schwechel. Döringer verbreite gute Laune und komme bei allen gut an. Und manchmal steckt er andere auch an, sagt Schwechel. „Er liest viel. Und seitdem er das bei uns macht, haben andere auch schon damit angefangen“, erzählt der 23-Jährige.

Hendrik Starostzik: „Er ist nicht mainstream“

KSV-Innenverteidiger Hendrik Starostzik bildet hin und wieder eine Fahrgemeinschaft mit Jascha Döringer. Beide kamen im Sommer neu zum KSV. Er sagt über seinen Teamkollegen: „Jascha ist ein intelligenter Mensch, der über den Tellerrand hinausschaut. Er ist lebendig, viel unterwegs, offen und knüpft gern Kontakte.“ Starostzik glaubt nicht, dass Döringer lange an den Fehlschüssen zu knabbern hat. „Er ist klar im Kopf. Was hilft, ist: Im Training und in den kommenden Spielen Gas geben“, sagt er.

Der 30-Jährige beschreibt Döringer als besonderen Typen. „Das macht ihn auf dem Platz aus, er macht besondere Sachen. Er ist nicht mainstream.“ Döringer gebe die Würze in ein ohnehin schon brutal gefestigtes Team, so Starostzik. So etwas habe ich selten erlebt. Dieses Wir-Gefühl ist etwas Besonderes“, erklärt er. (Maximilian Bülau)

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