Bälle, Bagger, Bobo Mayer

Sebastian Schmeer im Interview vor seinem letzten Spiel für die Löwen: „Der KSV hat mich geprägt“

Frederic Brill (links) und Basti Schmeer.
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Zwei Gesichter des KSV Hessen: Frederic Brill (links) und Basti Schmeer.

Achteinhalb Jahre KSV Hessen Kassel gehen für Sebastian Schmeer morgen zu Ende. Sebastian, den bei den Löwen eigentlich alle nur Basti nennen.

Kassel – Der Stürmer wird seine Karriere nicht beenden, aber zumindest in der Fußball-Regionalliga die Schuhe an den Nagel hängen. Vor dem letzten Spiel der Saison morgen beim FC Gießen haben wir mit dem 34-Jährigen über seinen Abschied gesprochen. Warum ein Grund dafür ein Bagger ist, hat Schmeer uns verraten. Und auch, warum er gern neben Bobo Mayer gesessen hat.

Basti Schmeer, wir hätten Sie gern noch etwas länger im KSV-Trikot gesehen.

Ich glaube, der ganze Verein hätte das gern gehabt.

Warum gehen Sie dann?

Ich habe ja schon in den vergangenen Jahren immer mit dem Gedanken gespielt. Der Beruf lässt es einfach nicht mehr zu. Ich kann nicht so professionell leben, wie ich es müsste. Um halb drei, drei mitten am Tag am Trainingsplatz sein. Die langen Reisen am Wochenende. Da sind wir ja fast wie Profis. Das schaffe ich einfach nicht mehr.

Sie schaffen es nicht mehr, weil Sie gern Bagger fahren, könnte man sagen.

(lacht) Ja, so in etwa. Ich habe mich selbstständig gemacht mit einer Baufirma, habe vier Angestellte. Wir sind viel unterwegs. Das ist schwer vereinbar.

Auch wir haben Sie schon im Blaumann zum Trainingsplatz kommen sehen. Ziemlich verstaubt. Ein wenig wie Bob der Baumeister. Wie ist es dazu gekommen?

Die Idee kam, als ich von Wehen Wiesbaden zu Schwalmstadt gewechselt bin. Heinrich Gringel hat mich zurückgeholt, und ich habe bei ihm in der Firma gearbeitet. Mir hat das Spaß gemacht. Damit hat es angefangen.

Sitzen Sie denn wirklich auch selbst mal auf dem Bagger?

Ich habe schon viel mit der Organisation zu tun. Aber wenn Not am Mann ist, dann arbeite ich mit.

Kommen wir mal zum Fußball. Wo hat alles angefangen?

Vor 30 Jahren in der Nähe von Frielendorf. Ich habe in der Jugend-Bundesliga für Baunatal gespielt. Schwalmstadt, Wiesbaden, Baunatal, Fulda und der KSV. Das waren die Stationen im Seniorenbereich.

Wobei Fulda ja nicht ganz freiwillig war.

Ne, das waren nur vier Monate und eine absolute Ausnahme. Ich hatte einen Mittelfußbruch, der Trainer wollte mich loswerden. Matthias Mink hat aber auch nicht zu meiner Art gepasst. Er hat nicht zum Verein gepasst.

Was ist denn die Art „Basti Schmeer“?

Alles ein bisschen lockerer angehen. Lockerer, als einer, der in der Bundesliga spielt oder in den Profifußball möchte. Basti Schmeer hat Anlagen für mehr, aber nicht die Einstellung dafür.

Das klingt selbstkritisch.

Ja.

Bereuen Sie etwas?

Nein.

Haben Sie sich auch deshalb 2012 für den KSV entschieden und nicht für Schalke? Sie waren damals ja zum Probetraining in Gelsenkirchen.

Ich war drei Tage da, das stimmt. Damals war ich 24 Jahre alt und habe schnell gemerkt, dass ich nicht in so ein Umfeld passe.

Der KSV war also die beste Lösung für Sie? Ambitionierter Fußball mit ein paar Freiheiten?

Kann man so sagen. Die Wege sind kurz für mich. Ich lebe hier mit meiner Freundin. Es war die optimale Wahl.

Ist es auch dieser Klub, der Ihnen am meisten am Herz liegt?

Der KSV hat mich geprägt. Er ist zu meinem Heimatverein geworden. Dragan Sicaja (Trainer von Eintracht Stadtallendorf, Anm.d. Red.) hat mehrmals angerufen und versucht, mich loszueisen. Irgendwann hat er dann gesagt: ‘Du bist ja verheiratet mit diesem Verein.’

Der KSV ist dabei ja nicht gerade der leichteste Weg.

Der Verein ist schwierig und interessant. Jedes Jahr gibt es etwas Neues. Es ist immer abwechslungsreich. Vielleicht bin ich auch deswegen einfach hier hängengeblieben. Die Insolvenz war hart, hat uns aber auch zusammengeschweißt. Tobi Cramer war damals die optimale Lösung für die Zeit.

Wer war denn Ihr Lieblingstrainer in den ganzen Jahren?

Wahrscheinlich Uwe Wolf. Für die Spieler an sich war das die beste Zeit. Alle wären für ihn durchs Feuer gegangen. Nach außen hat er sich ganz anders gegeben.

Blicken wir auf Höhepunkte: Was bleibt hängen?

Die Meistersaison 2012 und 2013. Der Hessenpokalsieg 2015. Und das Tor des Monats 2016. Das waren schon die größten Highlights.

Und Tiefpunkte?

Die Geschichte mit Matthias Mink nach meiner Verletzung sicherlich. Und natürlich der Abstieg 2018. Das war schon bitter. Aber die Höhepunkte überwiegen.

Gibt es Ziele, die Sie gern noch erreicht hätten?

Ich hätte Thorsten Schönewolf gern in Sachen Spiele für den KSV eingeholt. Er hat 254 gemacht. Bei mir werden es wohl nur 248.

Was auch daran liegt, dass diese Saison für Sie nicht wirklich nach Plan verlaufen ist. Trauern sie einer richtigen Abschiedssaison ohne Corona nach?

Klar ist das bitter, kein Spiel in einem volleren Stadion mehr gemacht haben zu können. Aber so ist es nun mal. Da kannst du nichts machen. Die Gesundheit geht vor.

Werden Sie denn irgendwann in anderer Funktion zum KSV zurückkommen?

Ich werde mich an den Verein binden. Auf jeden Fall. Das wird so sein, auch wenn ich jetzt mal ein oder zwei Jahre weg bin. Cheftrainer ist allerdings nicht mein Ding.

Eine letzte Sache. Neben wem haben Sie am liebsten gesessen?

Bobo Mayer war schon immer unterhaltsam. Mit ihm war es immer lustig. Das war eine Granate. Ein echter Typ. (Frank Ziemke und Maximilian Bülau)

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