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Der KSV Hessen und die verpassten Aufstiege: Die Bundesliga blieb nur ein Traum

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Stefan Panierschky (rechts) und Trainer Jörg Berger.
Eine Szene mit Folgen. Beim Spiel in Nürnberg sieht KSV-Spieler Stefan Panierschky nach einem Foul an Dieter Eckstein die Rote Karte. Trainer Jörg Berger (links) führt den Verteidiger vom Platz. © Lothar Koch

Als der Ball kurz nach Spielbeginn hoch in den Strafraum von Hannover 96 segelte, sah alles ganz normal aus. Der kopfballstarke Walter Horch schraubte sich hoch in die Luft, um kurz darauf mit einem Schmerzensschrei auf dem Rasen zu landen.

Dass dieser Moment der gerissenen Bänder im verdrehten Knie des Liberos den Anfang vom Ende der Aufstiegsträume des KSV Hessen Kassel bedeutete, das ahnte noch keiner der 23 000 Zuschauer im Auestadion. Warum auch?

Souverän hatten die Löwen seit Februar 1985 die Tabelle der 2. Bundesliga angeführt. Jetzt benötigte die Elf von Trainer Jörg Berger aus den letzten beiden Spielen zwei Punkte zum Aufstieg ins Oberhaus, der zweimal hintereinander knapp verpassten worden war. Das Vertrauen in die eigene Stärke war groß. Zu recht. Denn kurz nachdem Horch verletzt vom Feld gehumpelt war, erzielte Helmut Hampl den Führungstreffer (14.). Und als der 34-jährige Torjäger mit einem Foulelfmeter auf 2:0 erhöhte (28.), stand das Tor zur Bundesliga weit offen.

Doch die Hannoveraner wurden zur Spaßbremse. Gegen die durch den Horch-Ausfall verunsicherte Abwehr erzielten Schaub (31.) und Giesel (45.) bis zur Pause den Ausgleich. Als endgültigen Spielverderber machte Coach Berger aber 96-Schlussmann Ralf Raps aus: „Der hat uns mit seiner überragenden Leistung um den Sieg gebracht, als wir zum Schluss Alles oder Nichts gespielt haben.“

Um im Schlussspurt nicht noch gänzlich unter die Räder zu kommen, musste man im Löwen-Lager nicht den Rechenschieber bemühen. Ein Pünktchen beim Verfolger Nürnberg abgreifen. Endlich aufsteigen. Also, bange machen gilt nicht. Auch wenn 56 000 Zuschauer im Nürnberger Stadion nur eines wollten: den Sieg ihrer Elf! In dieser aufgeladenen Atmosphäre wurde erneut ein Kasseler zur tragischen Figur. Diesmal der 21-jährige Stefan Panierschky. Nach einem Allerweltsfoul schon mit Gelb bedacht, beging der junge Abwehrspieler kurz vor dem Pausenpfiff einen folgenschweren Fehler. Er grätschte dem schnellen Eckstein kurz vor der Eckfahne den Ball ab, worauf sich der Stürmer theatralisch zu Boden warf. Schiedsrichter Hontheim zückte die Rote Karte. „Es ist grausam, wenn ein Schiedsrichter eine solch wichtige Partie mit einer fragwürdigen Entscheidung beeinflusst“, sagte Berger. Deutlicher fiel das Urteil des KSV-Spielausschussvorsitzendem Horst Flöck aus: „Wir sind verschaukelt worden!“

Aus für Panierschky. Aus auch für den KSV Hessen! Das kam nach genau einer Stunde, in der der über sich hinauswachsende Torwart Hans Wulf die Franken fast zur Verzweiflung gebracht hatte. Jeden Ball, den die Nürnberger auf das Kasseler Tor schossen und köpften, faustete, erhechtete und ergriff der KSV-Zerberus. Bis zur 60. Minute, da war ihm die Sicht verdeckt, und Eckstein, gerade der, fand mit seinem Schuss die Lücke.

0:1 – und nur noch zu zehnt! Trainer Berger setzte alles auf eine Karte: Angriff! Und der führte beinahe noch zum Ausgleich. Aber Michael Deuerling blieb im Konter, beim Versuch einen Haken zu schlagen, am FC-Schlussmann Heider hängen. Den in der Mitte heranstürmenden Hampl hatte er übersehen. Das abschließende 0:2 durch Brunner (90.) interessierte nur noch Statistiker.

Enttäuschung, Wut und Trauer im Lager der wieder einmal knapp – zum dritten Mal in Folge, gescheiterten Löwen. (Rolf Wiesemann)

Die KSV-Elf in Nürnberg: Wulf - Greizer (72. Kirchberg) - Paniersky, Münn - Kahlhofen, Eplinius (83. van de Veldt), Freudenstein, Cestonaro, Bakalorz - Deuerling, Hampl

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