2010 erlitt er Schädelbasisbruch im Training

Ex-KSVer Dominik Suslik macht Mut nach schwerem Unfall: „Jeder kann eine Krise nutzen“

Szene aus dem Jahr 2007: KSV-Spieler Dominik Suslik im Kopfballduell mit Jochen Höfler vom FSV Frankfurt. Drei Jahre später ändert sich das Leben des gebürtigen Göttingers dramatisch – nach einem Schädelbasisbruch im Training.
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Szene aus dem Jahr 2007: KSV-Spieler Dominik Suslik im Kopfballduell mit Jochen Höfler vom FSV Frankfurt. Drei Jahre später ändert sich das Leben des gebürtigen Göttingers dramatisch – nach einem Schädelbasisbruch im Training.

Der damals 25-Jährige Dominik Suslik liegt 2010 zwei Tage auf der Intensivstation, wäre fast ums Leben gekommen. Mehr als zehn Jahre später ist er Leiter Gesundheit, Medizin und Athletik bei Hannover 96.

Es war der 19. April 2010. Und es war einer der schlimmsten Unfälle im nordhessischen Fußball. Während des Trainings beim Fußball-Regionalligisten KSV Hessen stößt der gebürtige Göttinger Dominik Suslik mit Manuel Pforr zusammen und erleidet einen Schädelbasisbruch.

Jüngst gewann er den deutschen Präventionspreis der Berufsgenossenschaft. Darüber und über seinen Unfall haben wir mit ihm gesprochen. Dominik Suslik über...

...die Situation vor dem Unfall:

Wir hinkten den Aufstiegsansprüchen in diesem Jahr beim KSV Hessen hinterher und hatten am Freitag bei Bayern Alzenau 1:2 verloren. Es war also eine gewisse Unruhe im Klub – auch, weil am Dienstag darauf das Hessenpokal-Halbfinale anstand und es um die lukrative Qualifikation für den DFB-Pokal ging.

Trainer Mirko Dickhaut fragte mich dann, ob ich mir nochmal die Schuhe anziehen würde, obwohl ich meine Karriere schon beendet hatte und bereits Co- und Fitnesstrainer war. Vor dem Abschlusstraining hat Jens Rose noch eine Brandrede gehalten und dabei eine Tasse zerschlagen, die einen unserer Innenverteidiger am Knie traf. Die Stimmung vor dem Abschlusstraining war also entsprechend aufgeheizt.

...den Unfall:

Es passierte beim Spiel über den halben Platz. Der Ball war nach dem Aufkommen fünf Sekunden in der Luft, und ich wollte ihn nur zum Torwart zurückköpfen. Es war eigentlich eine völlig harmlose Situation.

Dann hat mich Manuel Pforr wie ein D-Zug vom Elfmeterpunkt kommend umgerammt. Dabei wurde mir die gesamte linke Gesichtshälfte zertrümmert, und ich war kurzzeitig weg. Der Vorhang ging kurz zu.

...die Zeit nach dem Unfall:

Man hat dann im Krankenhaus festgestellt, dass ich Luft im Gehirn habe – eine lebensgefährliche Situation. Ich wurde in zwei Tagen zweimal operiert und mir wurden Platten ins Gesicht gesetzt.

Im Juni bin ich schon wieder als Co-Trainer eingestiegen und gleich mit ins Trainingslager nach Tadschikistan geflogen. Im Nachhinein betrachtet war das recht schnell recht viel.

...die Auswirkungen auf den weiteren Berufsweg:

In Kassel wurde ich vom Spieler zum Trainer und dann zum Rückenschmerztherapeuten. Neben dem KSV Hessen bin ich bei Rehamed Wilhelmshöhe eingestiegen und habe gemeinsam mit Sascha Seifert besonders Schmerzpatienten betreut, die mehr wollten als nur Schmerzfreiheit.

So wurde ich auch zum Reha- und Athletiktrainer der MT Melsungen. Mein erster Spieler damals war Michael Allendorf, den ich aus einer Verletzung zurück zum Team und mehr Leistungsfähigkeit begleitet habe. Danach folgte der Wechsel als Co- und Fitnesstrainer zur zweiten Mannschaft von Hannover 96. In Hannover wurde ich dann auch zum Athletiktrainer des Handball-Bundesligisten TSV Hannover Burgdorf. Dort habe ich fünf Jahre Kai Häfner und Timo Kastening begleitet.

...die Mission nach dem Unfall:

Aus dem eigenen körperlichen Tiefschlag und den damit verbundenen Langzeitfolgen ist über die folgenden zehn Jahre im Leistungssport zunehmend die Passion gewachsen, mich mehr und mehr dem Thema Verletzungs- und Gesundheitsprävention zu widmen.

Durch meine Augenfehlposition und die vielen Narben wurde mir mehr und mehr bewusst, welch großen Einfluss kleine Störfelder im Körper auf das allgemeine Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit haben. Nicht nur orthopädisch, sondern vor allem auch vegetativ, im Hinblick auf Emotionen, Verdauung, Schlaf und Regeneration.

...den Gewinn des deutschen Präventionspreises Sport in der Kategorie Nachhaltigkeit:

Bereits 2014 fing ich mit einem Entwickler-Team an, die Software „Athletics Connect“ für interdisziplinäres Trainings- und Gesundheitsmanagement zu bauen. Seit 2017 haben wir die Software dann gemeinsam mit der Berufsgenossenschaft zum „Prevention Management Tool“, dem deutschen Standard zur Belastungs- und Beanspruchungssteuerung und Verletzungsprävention in den Teamsportarten Fußball, Handball, Basketball und Eishockey, weiterentwickelt.

In zehn Jahren habe ich mich zu einem der führenden Experten für interdisziplinäres Gesundheitsmanagement und nachhaltiges Gesundheitscoaching und -training weiterentwickelt.

...die Botschaft von Dominik Suslik:

Jeder Mensch kann eine Krise nutzen, seinen persönlichen Antrieb erkennen und daraus eine Vision entwickeln. Von Kindheitsverletzungen, Autounfällen bis hin zu Sportunfällen – der menschliche Organismus braucht Sicherheit, um sein volles Potential auszuschöpfen. Jede Verletzung und jedes Trauma bilden ein Störfeld, dass es gezielt zu rehabilitieren gilt.

In Zusammenarbeit mit dem Arzt Dr Gerrit Keferstein und seinem Institut für Regenerationsmedizin machen wir die deutsche Bevölkerung derzeit stark für die aktive Stärkung des Immunsystems. In Kontakt mit Krankheitserregern und Viren wie dem Coronavirus kommen wir so oder so. Die Frage ist nicht, wie gut wir uns davor verstecken können und wann der in weiten Teilen unerforschte Impfstoff verfügbar ist, sondern wie gut mein Körper auf das Aufeinandertreffen mit Viren vorbereitet ist. Sprich, wie stark ist mein Immunsystem?

Zur Person

Dominik Suslik (36) wurde in Göttingen geboren und ist in Hann. Münden aufgewachsen. Der studierte Sportwissenschaftler spielte von 2004 bis 2008 beim KSV Hessen und war einst sogar mal beim FC Bayern im Gespräch. Zwischen 2011 und 2019 arbeitete Suslik als Athletiktrainer für die Handball-Bundesligisten MT Melsungen und Hannover-Burgdorf.

Seit 2013 ist er Leiter Gesundheit/Medizin/Athletik bei Zweitligist Hannover 96, zudem seit 2019 Fitness- und Rehatrainer bei den U-Nationalteams des Deutschen Fußball-Bundes. Suslik ist verheiratet und hat eine Tochter. Die Familie lebt in Göttingen.

Von Torsten Kohlhaase

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