Eine Ursachenforschung

Warum die Fans des KSV Hessen protestieren: Der Wunsch nach Normalität

Fans des KSV Hessen Kassel.
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Ein Bild, das vor der Corona-Pandemie entstanden ist: Fans des KSV Hessen Kassel zeigen eine Choreografie vor dem Anpfiff des Hessenligaspiels gegen Neu-Isenburg am 23. Februar 2019.

Zwei Dinge kamen am vergangenen Samstag im Auestadion zusammen. Zum einen zeigte der Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel gegen Astoria Walldorf eines der schlechtesten Spiele seit langer Zeit.

Kassel – Zum anderen kam diese Stille dazu, die jeden Fehlpass, jede misslungene Aktion gefühlt doppelt so schwer wiegen ließ. Die aktive Fanszene der Löwen war draußen geblieben. 45 Minuten lang. Aus Protest gegen die Polizei.

Dennis Pfeiffer vom Fanprojekt Fullestadt erklärt die Hintergründe. Er sagt: „Dass es momentan noch Corona-Auflagen gibt, kritisiert keiner. Aber der Block 30 ist für diese Fans ein sakraler Ort. Deswegen heißt dieser Zusammenschluss ja auch selbst Block 30. Unter den Auflagen kann die aktive Fanszene, können die Ultras aber keinen Support nach ihrem eigenen Anspruch anbieten. Geschlossen zusammenstehen, war und ist nicht komplett möglich.“ Das ist die Ausgangssituation. Wer zuletzt regelmäßig im Auestadion war, dem fiel auf, dass die sonst in Block 30 in der Nordkurve beheimateten Anhänger auf die benachbarte Osttribüne in Block 29 auswichen. Auf Fahnen und Choreografien verzichteten sie.

Es gab eine Ausnahme: Beim Heimspiel gegen Koblenz am 25. September waren sie nicht auf der Ost- sondern auf der Nordtribüne zu finden – dem freistehenden Abschnitt zwischen Haupttribüne und Nordkurve. „Da standen die Fans früher. Sie möchten die Mannschaft nicht im Stich lassen und haben sich überlegt, dass sie derzeit eher Oldschool-Support machen – ohne Fahnen und Choreos, mehr anfeuern“, erklärt Pfeiffer.

Der Verein habe nichts dagegen, sagt der KSV-Fanbeauftragte Gregory Dauber. Einzige Auflage sei gewesen, dass die Anhänger selbst Ordner organisieren, der Aufwand für den Klub sei zu groß. „Die Belange der Fans nehmen eine wichtige Rolle ein. Der KSV muss aber vielen Interessengruppen nachkommen und ist Zwängen unterlegen. Es werden nie alle zufrieden sein, der Ärger sammelt sich häufig bei den Mitarbeitern der Geschäftsstelle. Wir sind darauf bedacht, Kompromisse zu finden“, sagt Dauber.

Laut Pfeiffer wurde das Ordner-Personal gegen Koblenz aus der Fanszene gestellt, alles habe ohne Probleme funktioniert. „Ohnehin ist das letzte Mal eigentlich vor fünf Jahren gegen Offenbach etwas Gravierendes vorgefallen“, sagt er. Die Polizei äußerte dennoch Sicherheitsbedenken. „Ich gehe davon aus, dass es darum geht, dass diese Tribüne nicht umzäunt ist, der Weg auf den Platz und Richtung Gästekurve einfacher wäre“, sagt Pfeiffer. Außer gegen Offenbach war diese zuletzt aber fast immer leer. Auch eine Sicherheitsprüfung der Ordner durch das Landeskriminalamt stand im Raum. Diese ist nichts Besonderes. Der Zeitpunkt stieß allerdings sauer auf.

Die LKA-Prüfung führte dazu, dass die aktiven Fans gegen Walldorf wieder auf die Osttribüne zurückkehrten – allerdings erst in der zweiten Hälfte. In der ersten Halbzeit blieben sie draußen, auf Bannern war das Unverständnis für die Auflagen zu lesen. „Ihnen geht es auch um die zuletzt stärkere Präsenz der Polizei auf dem Stadionvorplatz, personalisierte Tickets spielen ebenfalls mit rein“, erklärt Pfeiffer. Das Heimspiel gegen Homburg wurde zuletzt als Sicherheitsspiel ausgewiesen – obwohl nur rund 20 Gästefans kamen und zwischen den Klubs eine Fanfreundschaft besteht.

In der vergangenen Woche soll es ein Treffen der Anhänger mit Verantwortlichen des Vereins gegeben haben, um Lösungen zu finden. „Die Fanszene möchte der Mannschaft nicht schaden“, sagt Pfeiffer. „Der Wunsch ist, dass sie zurück in die Kurve können. Ich glaube aber, dass das erst passieren wird, wenn die Pandemie beendet ist.“

Dauber ist ähnlicher Meinung: „Der Wunsch nach Normalität ist bei allen da. Die Wege dorthin werden aber anders gedacht.“ Wo die Fans am 23. Oktober gegen Schott Mainz stehen werden? Geklärt ist das nicht. Doch sicher ist: Dass sie nicht erneut draußen bleiben, wäre wichtig. Die Partie gegen Walldorf hat gezeigt, dass fehlende Stimmung der Mannschaft nicht guttut. (Maximilian Bülau)

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