Am 13. Dezember 1997 bestritt der KSV-Nachfolgeklub im Auestadion sein letztes Spiel

Der Tag, als der FC Hessen starb

So berichtete die HNA im Dezember 1997 vom letzten Spiel des FC Hessen.  

Kassel. Heute ist es 20 Jahre her. Am 13. Dezember 1997 bestritt der FC Hessen Kassel sein letztes Fußballspiel. Nach nicht einmal vier Jahren gingen auch für den Nachfolgeklub des Pleite gegangenen KSV Hessen die Lichter aus.

Vor der Winterpause, nach dem 2:2 gegen die Amateure des Karlsruher SC, stieg der FC Hessen aus wirtschaftlichen Gründen aus dem Spielbetrieb aus. Wir blicken zurück: auf einen Tag mit vielen Emotionen sowie ein Team, das bis zuletzt alles gab.

Der Abschied

Mit dem letzten Auftritt des FC Hessen im Auestadion verbindet Mario Deppe „ein ganz komisches Gefühl“. Der damalige Kapitän sagt: „Wir waren irgendwo zwischen Hoffen und Bangen.“ Kurz vor der Partie kamen Gerüchte auf, der Verein könnte doch noch gerettet werden. Doch diese bestätigten sich nicht. Der FCH-Vorsitzende Horst Flöck fehlte bei der Begegnung gegen den KSC II. „Wir haben viele Gespräche geführt und alles versucht, den Hebel noch umzulegen“, erinnert sich Flöck. Der heute 79-Jährige erzählt, dass ihn noch heute Menschen in Kassel sehr wehmütig auf diese Zeit ansprechen.

Das Spiel

0:2 lagen die Kasseler bereits zurück. „Vom Charakter her war das eine gute Truppe“, stellt Deppe rückblickend fest. Obwohl die Spieler seit zwei Monaten vom Klub kein Gehalt mehr bekommen hatten, hängten sie sich vor 800 Zuschauern an einem tristen Herbsttag noch einmal voll rein. Deppe erzählt: „Wir wollten uns nicht mit einer Niederlage verabschieden. Die Mannschaft hatte ein großes Herz.“ Zunächst gelang Frank Höhle (62.) der Anschlusstreffer. Vier Minuten vor Ende fiel der Ausgleich – Matthias Weise traf nach Vorarbeit von Jörg Odensaß und René Dörfel. „Es gab einen Flachpass auf den kurzen Pfosten, und dann habe ich den Ball reingemacht“, erinnert sich Weise.

Das Bild des Tages

Von diesem Tag blieb vor allem ein Bild im Gedächtnis: wie Mittelfeldmotor Matthias Weise, der letzte Torschütze des FC Hessen, auf dem Feld steht und von einem Fan getröstet wird. „Es war sehr bitter, denn diese Mannschaft damals – die wollte unbedingt“, sagt der mittlerweile 48-Jährige, „es war ein Tag, den du so nicht noch mal erleben möchtest.“

Der Publikumsliebling

„Uschiiii“, riefen die Kasseler, wenn Flügelspieler Marc Rosch am Ball war. „Ich hatte die Haare damals etwas länger. So ist das gekommen“, erinnert sich der 48-Jährige, heute Schulleiter der Grundschule Königstor, lachend. Die Erinnerung an sein letztes Spiel im Auestadion? „Das macht mich immer noch traurig, wenn ich daran denke. Ich sehe die Bilder mit Freunden und Wegbegleitern auf dem Rasen. Irgendwann musste ich Sat 1 ein Interview geben,“ sagt Rosch, der gerne weiter Regionalliga gespielt hätte im Auestadion. Bitter findet er, „dass der KSV heute wieder am Abgrund steht.“

Der letzte Trainer

Fünf Trainer hatte der FC Hessen in der Zeit zwischen 1993 und 1997: Franz Brungs, Holger Brück, Jürgen Gede, Hans-Werner Moors und Horst Schmidt. Schmidt, zuvor Assistenzcoach, hatte Moors erst im Herbst abgelöst. „Das Team hat sich als echte Einheit präsentiert, ich konnte bis zum letzten Tag auf jeden Spieler bauem“, so Schmidt. „Für mich hat sich deshalb nicht die Frage gestellt, ob ich weitermache.“

Der Zusammenhalt

Deppe war zwar der Kapitän, aber mehrere Spieler zeigten in der schwierigen Situation Führungsqualitäten. Neben Torwart Alexander Ogrinc und Marco Mason gingen zwei ehemalige Bundesligaprofis voran: Armin Eck und René Dörfel. Anfang 1997 waren sie zusammen mit Peter Quallo und Stefan Studtrucker per Leihgeschäft von Arminia Bielefeld verpflichtet worden. „Für dieses Projekt haben wir damals in Fußball-Deutschland viel Bewunderung erfahren“, berichtet Flöck, „und alle Jungs passten super in unser Team.“ Der damalige Vorsitzende stand noch Jahre später in Kontakt zu Eck und Co. Während Quallo und Studtrucker einige Monate später wieder aus Kassel verschwunden waren, blieben Eck und Dörfel – und erlebten einen traurigen Nachmittag im Auestadion.

Die Aufstellung vom letzten Spiel des FC Hessen: Alexander Ogrinc - Mario Deppe - Thorsten Schönewolf (46. Jörg Müller) - Jens Keim - (61. Dragan Grbavac), René Dörfel, Marco Mason, Frank Höhle, Matthias Weise, Daniel Bücker, Marc Rosch - Mario Bergner (78. Jörg Odensaß)

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