China kauft sich ein

DFB-Plan: Spielt der KSV bald gegen Chinas U-20-Olympia-Team?

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Sie könnten bald in Deutschland auflaufen: chinesische Fußballer, die in internationalen Turnieren spielen. Das Bild zeigt Spieler der chinesischen Nationalmannschaft beim Singen der Nationalhymne vor dem WM-Qualifikationspiel der Asiengruppe A für den FIFA World Cup Russia 2018 zwischen Südkorea und China im Sangam Stadion in Seoul, Südkorea. Südkorea gewann dass Spiel mit 3:2.

Kassel. Wok-Gerichte, Böller-Verkauf und Kung-Fu-Kurse beim KSV Hessen Kassel - so könnte demnächst das Rahmenprogramm in der Fußball-Regionalliga aussehen.

Aktualisiert um 18.50 Uhr. Ab der kommenden Saison soll die chinesische Olympia-Auswahl als 20. Mannschaft außer Konkurrenz in der Südwest-Staffel spielen, um so die Kooperation zwischen dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und China mit Leben zu füllen.

„Ich sehe den Plan vom Grundsatz her sehr positiv. Solche Farbtupfer sind doch sehr interessant und bereichernd“, sagte DFB-Vize Hans-Dieter Drewitz in seiner Eigenschaft als Präsident des Südwestdeutschen Fußball-Verbandes (SWFV). „Zudem ist das Ganze für den Spielbetrieb interessant - und aufgrund der finanziellen Zuwendungen, die es geben soll, für die Vereine attraktiv.“

Zwischen 15.000 und 20.000 Euro soll jeder Klub dafür erhalten, dass er an seinem eigentlich spielfreien Tag in der Hin- und Rückrunde (also zweimal pro Saison) zu Hause gegen das chinesische Team antritt. Ob es tatsächlich dazu kommt, soll bei der Managertagung der Regionalliga am 11. Juli entschieden werden. Dort wird der Spielplan für die am 28. Juli beginnende Spielzeit festgelegt. Alle Klubs wurden über die Anfrage der Chinesen, die ihre Mannschaft auf diese Art für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio vorbereiten wollen, bereits informiert.

„Das ist sicherlich ein Blick über den Tellerrand. Im Nachgang muss man dann betrachten und analysieren, ob das gut oder schlecht ist“, sagt KSV-Trainer Tobias Cramer. „Es ist aber schön, dass wir das wir das miterleben dürfen.“ Marc-Nicolai Pfeifer, kaufmännischer Leiter der Stuttgarter Kickers, sagt: „Wir finden es sowohl sportlich interessant, als auch wirtschaftlich unter dem Stichwort neue Märkte.“

Der Ausgangspunkt des Plans liegt im November 2016. Damals hatten der DFB, die Deutsche Fußball Liga (DFL) und Vertreter der deutschen und der chinesischen Regierung eine weitreichende Vereinbarung zur Zusammenarbeit im Fußball für fünf Jahre unterzeichnet. Vor zwei Wochen fand in Frankfurt dann der erste deutsche-chinesische Fußball-Gipfel statt. Schon zuvor hatten der DFB und die DFL ihre Vermarktungs-Offensive im Reich der Mitte angeschoben. Zum Höhepunkt soll eine Länderspiel-Reise des Weltmeisters nach China werden.

Im Gegenzug wollen die Chinesen vom deutschen Fußball-Sachverstand profitieren. Beim zurückliegenden Gipfeltreffen wurden der asiatischen Delegation Einblicke in die Strukturen und Aufgaben der DFL gewährt, zudem wurde über das Engagement des DFB in China (Ausbildung von Trainern und Talenten) gesprochen. (mhb/sid)

Das sagt der Sprecher der Regionalliga Südwest, Felix Wiedemann

„Vereine wollen es“

Dass die Diskussion um die Teilnahme des chinesischen U20-Nationalteams an der Fußball-Regionalliga Südwest zur kommenden Saison solche Dimensionen annimmt - Felix Wiedemann, Sprecher der Südwest-Staffel, hätte es nicht gedacht. „Noch ist ja gar nichts fix“, sagt er.

Stichtag für eine Entscheidung sei der 11. Juli, das Datum für die Managertagung der Liga. „Wir sind alle darum bemüht, so früh wie möglich eine Entscheidung zu haben“, sagt Wiedemann. Er ist aber optimistisch, dass die Überlegung so in die Tat umgesetzt wird. „Alle Vereine wollen es, der Deutsche Fußball-Bund will es, die Regionalliga will es und der chinesische Verband will es. In dieser Hinsicht sieht es sehr gut aus.“

„Das Ganze war sehr kurzfristig. Wir haben vor zwei Wochen davon erfahren“, sagt Wiedemann. „Ich finde, es ist eine gute Idee. Das ist ein klassischer Fall von Angebot und Nachfrage. Wenn die Vereine das möchten, dann habe ich nichts dagegen.“

Die Regionalligisten hätten die Möglichkeit, Events rund um ein solches Spiel zu organisieren, sagt der Pressesprecher der Regionalliga Südwest. Auch eine Übertragung im TV sei möglich, aber noch nicht geklärt. Und warum gerade diese Spielklasse? „Ich kann das nicht genau beantworten. Vielleicht, weil wir eine ungerade Zahl an Teams haben. Auch die Unterbringung könnte eine Rolle spielen“, sagt Wiedemann. Auf jeden Fall gelte die Kooperation erst einmal nur für die kommende Spielzeit.

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