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Eigentlich sollte die Nummer nicht mehr vergeben werden: Die „10“ ist zurück beim KSV Hessen

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Von: Maximilian Bülau

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Sercan Sararer (links) und Thorsten Bauer.
Symbolische Übergabe beim Neujahrsempfang: Thorsten Bauer (rechts) und Neuzugang Sercan Sararer mit dem Trikot mit der Nummer 10. © Kurt Heldmann

Offiziell war es nie. Doch seit Thorsten Bauer seine Karriere beim KSV Hessen Kassel beendet hat, trug nie wieder jemand die Nummer 10 beim heutigen Fußball-Regionalligisten.

Kassel – 2011 hörte der Kasseler Fußballgott auf. Als Rekordtorschütze des Klubs mit 161 Treffern. Inoffiziell galt seitdem: Die Nummer 10 ist für Spieler der Löwen tabu. Sie wird nicht mehr vergeben. Zu Ehren der Leistungen, die Bauer für den Klub vollbracht hat.

Der 45-Jährige ist einer, den man so nur selten in Vereinen findet. Sportlich hat er überzeugt. Zudem stammt er aus Kassel. Er war und ist beliebt bei den Fans. Ein Sympathieträger. Bauer vereinte die Eigenschaften, die es braucht, um ein Publikumsliebling zu sein. Jemand wie er kann der so wichtige verbindende Kleber eines Vereins sein. All das waren Gründe, warum die Verantwortlichen damals sagten: Ab jetzt wird die Nummer 10 nicht mehr vergeben.

Bis jetzt. Doch ab dem Start in die Restrunde in diesem Jahr – und sicher auch schon bei dem einen oder anderen Testspiel vorher – wird die 10 wieder auf dem Platz zu sehen sein, wenn der KSV Hessen spielt. Neuzugang Sercan Sararer erhält diese prestigeträchtige Nummer. Für den 33-Jährigen war das wohl eine Wechselbedingung.

Für Bauer ist das kein Problem. „Jens Rose hat mich gefragt. Und ja, das ist für mich völlig in Ordnung, dass die Nummer wieder vergeben wird. Es gab ja auch nie die offizielle Ansage, dass das nicht mehr getan wird. Das war nicht für immer in Stein gemeißelt“, sagt Bauer. Und er fügt an: „Für mich bleibt das immer meine Nummer. Jetzt gibt es neue Spieler, und ich kann den Verein verstehen.“

Der 45-Jährige hat Sararer bereits kennengelernt und findet: „Er ist sehr sympathisch. Es war sehr positiv, wie er darauf reagiert hat, als ich gesagt habe, dass es völlig okay ist, wenn er die Nummer 10 bekommt. Er hat sich mit der Bedeutung, die diese Nummer hier beim KSV hat, auseinandergesetzt.“

Im Verein machen sich einige nun dennoch durchaus Gedanken, wie diese Nachricht von den Fans aufgenommen wird. Klar ist: Diese inoffizielle Regelung für jemanden aufzuweichen, der noch keine einzige Partie für die Löwen bestritten hat, ist auch riskant. Wichtig wäre zunächst natürlich, dass Sararer seinen dreieinhalb Jahre gültigen Vertrag auch erfüllt und den Klub nicht vorzeitig verlässt. Auch Bauer sagt: „Es wäre schön, wenn er ein bisschen bleibt.“ Dem Druck, dass seine Leistungen ab sofort von Fanseite noch genauer begutachtet werden, kann er sich zudem sicher sein. Bauer sagt jedenfalls: „Ich hoffe, dass die Fans diese Entscheidung verstehen.“ Für ihn sei es immer eine Ehre gewesen, dass seine Nummer nicht mehr vergeben wurde. „Das ist in der heutigen Zeit im Fußball nicht mehr normal. Alles ist schneller geworden. Es gibt kaum noch Legenden und Konstanten in den Vereinen“, erklärt er.

Tatsächlich ist es so, dass es in einem Fußball-Klub durchaus schwierig ist, Nummern wie die 7, 8, 9, 11 oder eben die 10 nicht mehr zu vergeben. Sie haben besondere Bedeutung. Nicht für den Verein an sich, sondern im Fußball allgemein. Sie zu bekommen, spricht häufig für Wertschätzung. Dass Sararer nun die 10 von Thorsten Bauer bekommt, spricht für sehr viel Wertschätzung. Diese Vorschusslorbeeren sollte er bestenfalls bestätigen. (Maximilian Bülau)

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