Über die Unsicherheiten wegen Corona

KSV-Hessen-Vorstand Jens Rose im Interview: „Die Angst wird bleiben“

Jens Rose umarmt Alban Meha. Links: Adrian Bravo Sanchez. Rechts: Marco Dawid.
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Nah dran an den Spielern: KSV-Vorstandsmitglied Jens Rose umarmt Alban Meha in einer Zeit, in der noch nicht an Corona gedacht wurde. Links: Adrian Bravo Sanchez. Rechts: Marco Dawid.

Alles wartet auf eine Entscheidung: Wird in der Regionalliga Südwest auch während des Lockdowns weiter Fußball gespielt? Oder wird die Saison unterbrochen – wie es auch in den unteren Klassen bereits geschehen ist?

Kassel – Lukas Iksal vom KSV Hessen Kassel sagte zuletzt, die Spieler fühlten sich an die Zeit erinnert, als nicht klar war, ob die Löwen aufsteigen würden. Wieder einmal herrscht Unsicherheit für die Kasseler Fußballer – mit dem Unterschied, dass es nun alle Klubs betrifft. Wir haben mit KSV-Vorstandsmitglied Jens Rose über die aktuelle Situation gesprochen.

Herr Rose, wie steht der KSV zu einer Fortsetzung der Saison?

Wir wollen weiter spielen. Es wird auch in einem Monat nicht einfacher. Es gibt gegen diese Krankheit einfach kein Konzept.

Gibt es Alternativen?

Klar ist: Sollten wir die Saison nun unterbrechen, wird es immer schwieriger, 42 Spieler auszutragen. Dann würde es nur noch Englische Wochen geben. Aber: Gedankenspiele, nur eine einfache Runde anzusetzen, funktionieren nicht. Nicht für uns und einige andere Klubs. Damit kannst du die Saison nicht finanzieren.

Thema Finanzen: Wie steht der KSV da?

Natürlich wird es schwerer, am Ende dieser Saison eine Schwarze Null auf der Abrechnung stehen zu haben. Aber wir haben aus den vergangenen drei Jahren genug Rücklagen gebildet, dass es nicht existenzbedrohend wird. Statt weniger Sponsoreneinnahmen zu verzeichnen, haben wir das Kapital in dieser Hinsicht erhöht. Da haben fast alle mitgezogen.

Lohnen sich Heimspiele mit weniger als 1000 Zuschauern wie zuletzt gegen Mainz II?

Nein. Alles unter 1000 Zuschauern ergibt wirtschaftlich keinen Sinn. Bei den anderen Heimspielen mit mehr Zuschauern ist zwar etwas hängen geblieben – aber wenig. Die Kosten sind derzeit einfach viel höher wegen der Auflagen.

Hat der KSV Bürgschaften von Bund oder Land in Anspruch genommen?

Nein, das lohnt sich für uns nicht, weil wir diese in Hessen zurückzahlen müssen. Und Schulden wollen wir keine machen.

Ist Kurzarbeit wieder ein Thema?

Momentan nicht. Wir wissen ja noch gar nicht, wie es jetzt weitergeht. Man muss aber auch sagen: Wenn das Gehalt wegfällt, kann der eine oder andere Spieler von uns die Miete nicht mehr zahlen.

Wie ist Ihre Einschätzung zur nahen Zukunft?

Es kommt jeden Tag etwas Neues. Allein das: Wenn wir ein Profiverein sind, dann dürfen wir trainieren und spielen. Sonst nicht. Auf diese Entscheidung warten wir jetzt. Doch in der Regionalliga Südwest gibt es viele Einflüsse aus den verschiedenen Bundesländern. Da ist es schwierig, einen Konsens zu finden.

Wird diese Pandemie die Wahrnehmung des Fußballs verändern?

Ich glaube, dass Corona die gesamtgesellschaftliche Einstellung zum Sport verändern wird. Die Angst wird ein Stück weit bleiben. Keiner wird mehr Jahre auf ein Ticket für ein Spiel des THW Kiel, von Borussia Dortmund oder von den Bayern warten. Der Fußball-Tourismus wird nachlassen.

Was wiederum auch ein Vorteil für den Sport vor Ort sein könnte.

Das kann sein. Wir sehen auf jeden Fall gerade: Ohne Zuschauer geht uns ein wichtiger Teil verloren. Über Kampf und Provokation Fehler zu erzwingen, das funktioniert so kaum. Da können einige Mannschaften gegen uns spielen wie sie es im Training tun – sie werden von außen nicht unter Druck gesetzt. (Frank Ziemke und Maximilian Bülau)

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