Der Rückstand auf Alzenau schrumpft 

Ein 0:0 gegen Gießen – und die Hoffnung des KSV Hessen wächst

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Voller Einsatz im Spitzenspiel: Brian Schwechel (links) vom KSV Hessen und Alban Lekaj vom FC Gießen. 

Zugegeben, das klingt ein wenig kitschig. Aber nach 90 spannenden Minuten ohne Tore, in denen sich der Himmel verdunkelt hatte und Platzregen auf das Auestadion prasselte, stand ein Regenbogen am Himmel.

Beinahe mit dem Schlusspfiff entstand das farbenfrohe Gebilde über den Köpfen der 2200 Zuschauer, die sich das Topspiel der Fußball-Hessenliga zwischen dem KSV Hessen und dem FC Gießen angeschaut hatten. Es erstreckte sich von der Osttribüne über die Nordkurve, in der die Fans zeitweise in der kleinen überdachten Ecke dicht an dicht standen.

Sie hatten keine Tore zu sehen bekommen, auch nur wenig Chancen, aber zwei Mannschaften, die beide gezeigt hatten, warum sie oben in der Tabelle stehen. „Ich habe mit Tobi schon während des Spiels gesprochen und wir haben beide gesagt, dass das Regionalliga-Niveau ist“, sagte Gießens Trainer Daniyel Cimen während der Pressekonferenz. Mit Tobi meinte er KSV-Coach Cramer. Verlieren wollte Cimens Team ganz sicher nicht, auch wenn es sich das bei elf Punkten Vorsprung auf Rang zwei eher hätte erlauben können.

Gießen war die etwas gefälligere Mannschaft. Hin und wieder blitzte auf, warum sie immer wieder herausgehoben wird. Es wird gesagt, dass der Tabellenführer in einer eigenen Liga spielt. Finanziell ist das so. Die Offensive um Cem Kara, Damjan Marceta und Timo Cecen kombinierte aber selten, wie sie es sonst gewohnt ist. Manchmal ging es schnell. Zu schnell. Pech im Abschluss hielt die Löwen aber im Spiel.

Das allein würde der Leistung des KSV aber nicht gerecht werden. Denn taktisch kann der Auftritt der Kasseler nicht genug gelobt werden. Cramer drückte es so aus: „Wir haben ab Dienstag besprochen, wie wir die neuralgischen Zonen der Gießener bearbeiten können. Ich muss meiner Mannschaft ein Kompliment machen, wie sie das umgesetzt hat.“ Er hätte auch sagen können: Es war klasse, wie sich heute jeder zerrissen hat, gelaufen ist, gekämpft hat. Denn so kam der spielstarke Tabellenführer nie wirklich ins Spiel.

Es entwickelte sich eine Partie ohne viele Torraumszenen. Und im zweiten Abschnitt hatten die Löwen Gießen dann ein wenig entnervt und mehr vom Spiel. „Es war ein gerechtes Unentschieden. Wir haben uns vorgenommen, zu gewinnen. Mit ein bisschen Glück hätten wir das fast auch noch geschafft“, sagte Kapitän Fredric Brill.

Das stimmt: Der spät eingewechselte Jon Mogge hatte mit der letzten Aktion des Spiels die Möglichkeit, den entscheidenden Treffer zu machen. Doch bei einem der vielen KSV-Konter traf er den Ball nach einer Flanke nicht richtig. So blieb es beim 0:0, mit dem beide Trainer „gut leben können“. Das – da waren sich Cimen und Cramer auch einig – vom Niveau eben auch eine Liga höher hätte stattfinden können.

Als die Pressekonferenz vorbei war, da führte Fulda 3:0 gegen Alzenau – das Spiel hatte eine Stunde später angefangen. Es war abzusehen, dass der Rückstand auf Platz zwei durch das 0:0 wieder einen Zähler geschrumpft war. Die Hoffnung, trotz des Punkteabzugs wegen fehlender Schiedsrichter noch Platz zwei zu erreichen, wächst. Der Regenbogen war in diesem Moment verschwunden. Das war dann selbst dem Himmel zu kitschig.

Hintergrund: Alzenau wackelt

Bayern Alzenau, Zweiter der Fußball-Hessenliga, hat auch das zweite Spiel nach der Winterpause nicht gewonnen. Nachdem es zum Auftakt ein 2:2 bei Türkgücü Friedberg gegeben hatte, verlor das Team aus Nordbayern nun 0:3 gegen die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz. Damit verkürzte der KSV Hessen mit dem Punktgewinn gegen Gießen den Rückstand auf den Zweiten auf vier Punkte. Ohne den Abzug wegen fehlender Schiedsrichter wären die Löwen nun schon an Alzenau vorbeigezogen. In der kommenden Woche tritt Alzenau am Samstag ab 15 Uhr zuhause gegen den SC Waldgirmes (7.) an. In zwei Wochen kommt es dann zum Duell mit dem KSV im Auestadion. Im Schatten hat sich auch das Team aus Fulda wieder in Schlagdistanz gespielt. Von den vergangenen elf Partien gewann der ambitionierte Klub acht und liegt bei einem Spiel mehr nur noch vier Punkte hinter den Löwen. Der KSV tritt am 3. Mai in Fulda an. Brisant wird es am letzten Spieltag. Am 25. Mai spielt Alzenau in Gießen – erst dann könnte sich alles entscheiden. 

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