Samstag Neuauflage in Kassel

Ein dunkler Tag im Februar : Als der KSV Hessen 1:4 bei Schott Mainz verlor

Tobias Cramer
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Große Enttäuschung: der damalige Trainer des KSV Hessen, Tobias Cramer, am 10. Februar 2018 in Mainz.

Licht und Schatten umgeben den KSV Hessen Kassel im Februar 2018. Die Insolvenz ist gerade abgewendet, der Abzug von neun Punkten in der Fußball-Regionalliga schmerzt aber.

Kassel – Nach 21 von 36 Partien haben die Löwen eigentlich 19 Zähler geholt. In der Tabelle stehen nur zehn. Wegen des Insolvenz-Lasters. Elf Punkte beträgt der Rückstand auf den ersten Nicht-Abstiegsplatz vor der Partie gegen Schott Mainz. Der Rückrunden-Auftakt. Der durchaus Hoffnung bringt. Es sind noch genug Partien. Und die Vorbereitung des KSV verlief vielversprechend. Trainer Tobias Cramer möchte in Mainz die neu einstudierte Grundordnung spielen lassen. 3-5-2. Beim letzten Test gegen Wacker Nordhausen hat das sehr gut funktioniert.

Dann kommt dieser 10. Februar 2018. Gegner Schott Mainz hat ohne Punktabzug nur 16 Zähler geholt, ist Vorletzter. In der Hinrunde haben die Löwen im Auestadion 4:1 gewonnen. Es trafen Ingmar Merle, Sebastian Szimayer und Sebastian Schmeer, das 1:0 resultierte aus einem Eigentor.

Doch nach 90 Minuten Fußball auf der Bezirkssportanlage Mainz Mombach ist jegliche Hoffnung verflogen. Es herrscht Frust. Enttäuschung. Cramer ist sauer. Auf die Spieler und sich selbst. 1:4 hat der KSV verloren. Die erarbeitete Euphorie – auf einmal weg. Die HNA titelt am Montag „So geht es in die Hessenliga“.

Tobias Cramer ist mittlerweile Trainer der Sportfreunde Siegen, hat zum Auftakt in der Oberliga Westfalen gerade ein 1:0 im Derby gegen TuS Erndtebrück eingefahren. Der 46-Jährige, der heute Geburtstag hat, erinnert sich: „Damals sind mehrere Aspekte zusammengekommen. Ich habe vorher nicht gewusst, wie groß der Kunstrasenplatz in Mainz ist und auf 3-5-2 umgestellt.“ Cramer tat das auch wegen des Personals. In Szimayer und Schmeer hatte er zwei Stürmer in guter Form. Beide hatten auch im Hinspiel getroffen. Und einer auf der Bank? Fast verschenkt.

Doch in Mainz geht der Versuch nach hinten los. „Das war eine Fehleinschätzung. Mit der Dreierabwehr bist du auf einem großen Platz enormen Gefahren ausgesetzt. Dazu haben wir mit Cedric Mimbala einen neuen Innenverteidiger integriert, der sich mit der Dreierkette auch nicht richtig wohlgefühlt hat, erzählt Cramer. So viel Selbstkritik äußert er.

Aber auch die Spieler tragen an diesem 10. Februar 2018 ihren Teil zu der Pleite bei. „Mainz hat sich damals eine Sondergenehmigung eingeholt, um auf diesem Kunstrasenplatz zu spielen. Er war alt, in keinem guten Zustand“, sagt der ehemalige KSV-Trainer. „Der Platz, die Infrastruktur – die Spieler waren irgendwie motivationslos. Das waren alles kleine Mosaikstückchen, die da zusammengekommen sind“, berichtet Cramer.

Für den 46-Jährigen war dieser Rückschlag im Abstiegskampf nicht leicht zu verkraften. „Emotional hatte ich zwei, drei Tage da ordentlich dran zu knabbern. Das war eine ganz, ganz herbe Niederlage. Einer der Tiefpunkte meine Trainerkarriere“, sagt der Willinger. Es konnte eigentlich nur noch aufwärtsgehen. Und es ging aufwärts. Der KSV verlor von den folgenden 14 Partien nur noch zwei, in Freiburg und am vorletzten Spieltag in Koblenz, fuhr acht Siege ein. Und ohne diese bittere Niederlage in Koblenz hätten die Löwen damals aus einer aussichtslosen Situation heraus noch den Klassenerhalt in der Regionalliga geschafft.

„Das war schon damals eine Qualität dieser Mannschaft. Wir haben uns zusammengesetzt und sind stärker wiedergekommen. Dieses Team hatte eine enorme Mentalität“, sagt Cramer.

Am Samstag treffen die Löwen nun zum dritten Mal in der Regionalliga auf Schott Mainz. Im Auestadion. Würde Tobias Cramer dem aktuellen Trainer Tobias Damm von einem 3-5-2 abraten? „Tobi ist Fachmann genug. Dem muss ich nichts sagen. Aber Mainz hat in Stadtallendorf ein 0:2 gedreht. Das beweist Mentalität und Fitness“, sagt Cramer.

KSV Hessen gegen Schott Mainz – zum Glück sind die Tage im September ja eigentlich noch nicht so dunkel wie im Februar. (Maximilian Bülau)

So sah der HNA-Titel am 12. Februar 2018 aus: Der KSV Hessen nach der Niederlage bei Schott Mainz.

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