Löwen und Kickers trennen sich torlos

KSV Hessen gegen Offenbach: Ein irgendwie ganz besonderes 0:0

Jascha Döringer (links) vom KSV Hessen Kassel zieht an Offenbachs Davud Tuma vorbei
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Einen Schritt schneller: Jascha Döringer (links) vom KSV Hessen Kassel zieht an Offenbachs Davud Tuma vorbei.

Und auf einmal war es wieder ein Derby. Kein Spiel vor leeren Rängen, bei dem jeder Ruf, jede Anweisung zu hören ist. Der KSV Hessen traf auf die Kickers Offenbach.

Kassel – Das Duell zwischen den hessischen Rivalen in der Fußball-Regionalliga Südwest, zwischen dem KSV Hessen Kassel und Kickers Offenbach, hat am Dienstagabend im Auestadion seinen Charakter, seine Eigenheiten, seinen Reiz wiedergefunden. Weil 3102 Fans dabei sein durften. Die sahen ein kämpferisches und leidenschaftliches 0:0 (den Ticker zum Nachlesen gibt es hier).

Die Löwen wollten ja auch die dürftigen Auftritte aus dem Vorjahr vergessen machen. Dieses 1:5 in Offenbach. Und das 0:4 in Kassel. In diesen beiden Partien fehlten Überzeugung, Zweikampfhärte, ein wenig der Wille. Am Dienstagabend fehlte nichts davon. Der KSV begann mit Volldampf – und war zunächst überlegen. Chancen sprangen dabei aber nicht heraus. Die erste Annäherung gab es in der 18. Minute durch einen Distanzschuss von Aram Kahraman, der rechts vorbeiging. Die Löwen waren um einen geordneten Spielaufbau bemüht, liefen nicht unbedacht nach vorn, spielten lieber noch einmal zurück. Sehr diszipliniert war das, was die Elf von Trainer Tobias Damm zeigte.

Die Offenbacher – von rund 150 Fans begleitet – wirkten sogar ein wenig überrascht von der kompromisslosen Herangehensweise der Gastgeber. Wenn es mal in Richtung Strafraum von Nicolas Gröteke ging, dann waren es zumeist Flanken, die von der linken Seite hereinsegelten und deren Ziel der lange Angreifer Dejan Bozic sein sollte. Der Neuzugang aus Meppen verpasste in der 3. Minute nur knapp. Ein Kopfball von Lucas Hermes ging übers Tor (13.). Viel mehr hatte der OFC erst einmal aber nicht zu bieten.

In der 23. Minute hätten die Löwen dann in Führung gehen können, sogar müssen. Das Problem: Der Rückpass von OFC-Keeper Stephan Flauder, der zu kurz geriet, landete auf dem Fuß von Frederic Brill. Und der KSV-Kapitän steht eben nicht so häufig allein vorm Torwart, sein Abschluss – drüber.

Die Löwen, sie frustrierten den Gegner. Weil sie häufig einen Schritt schneller waren und immer nah dran. Aufregung gab es vor der Pause zwar nicht mehr im Strafraum, dafür an der Außenlinie. Jascha Döringer tunnelte Osarenren Okungbowa – der hatte bereits früh Gelb gesehen und packte zu. Die Folge: Gelb-Rot. Döringer schien sein erstes Derby im KSV-Trikot ohnehin zu gefallen. Der 24-Jährige ackerte und war vorn zudem gefährlich.

Ungeschönt: Das 0:0 zur Pause war für die Offenbacher schmeichelhaft.

Die Gäste stellten nach der Halbzeit in Unterzahl auf Dreierkette um. Und klar, sie zogen sich zurück, überließen dem KSV größtenteils das Spiel, lauerten auf Konter. Und sie hatten die erste gute Möglichkeit durch einen Kopfball von Sebastian Zieleniecki, den Gröteke zur Ecke lenkte (61.). Dann kam Nael Najjar, der auf der linken Seite durchgebrochen war, aufs kurze Eck schoss – aber Flauder fuhr blitzschnell das Bein aus (63.). Durchatmen, nachdem Gröteke einen langen Ball unterschätzte, ihn gerade noch so vor Bozic ins Aus drosch (66.).

Die Gäste schielten zwar noch auf einen eigenen Treffer, hatten aber ganz klar das Augenmerk darauf gelegt, erst einmal kein Tor zu kassieren. Die Chancen wurden weniger, die Zweikämpfe mehr. Beide Teams wurden vorsichtiger. Klar, das nächste Tor würde dieses Derby, dieses erste vor Fans nach so langer Zeit, wohl entscheiden. Es fiel aber keins mehr.

Neben dem zweiten Punkt innerhalb von vier Tagen gegen ein Spitzenteam können die Löwen aus dieser Partie aber noch folgende Erkenntnis mitnehmen: Eine solche Kulisse wie an diesem Abend im Auestadion kann beflügeln. Es war irgendwie ein ganz besonderes 0:0. (Maximilian Bülau)

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