Schöne Spiele: KSV siegt 4:3 in Darmstadt

Ein Traum von einem Freistoß

Ein Schlitzohr: Slawomir Chalaskiewicz traf aus 45 Metern. Foto: Richard Kasiewicz

Keine Spiele nirgendwo. Was kann da schöner sein, als zurückzublicken? Auf schöne Spiele im Fußball, aber auch in Handball oder Eishockey. Unsere Autoren werden das in den kommenden Wochen tun, einige auch in persönlichen Erinnerungen.

Es war ja nicht so, dass dieses Spiel nicht eh schon genug geboten hatte. Dreimal lagen sie zurück, die Kasseler Löwen. Dreimal schlugen sie zurück in der Partie beim hessischen Rivalen Darmstadt 98. Dann läuft die 86. Minute an diesem 20. März 2004 im Spitzenspiel der Fußball-Oberliga. Der KSV Hessen Kassel war Tabellenzweiter, die Gastgeber Spitzenreiter. Sechs Punkte liegen die Löwen zurück an diesem 24. Spieltag. Es geht darum, die Chance auf den Regionalliga-Aufstieg zu wahren.

Und jetzt gibt es diesen Freistoß. Irgendwo im Niemandsland kurz hinter der Mittellinie. Am Ball steht Slawomir Chalaskiewicz, 40 Jahre alt, Publikumsliebling. Weil er so trickreich ist. So gewitzt. Alle nennen ihn nur Chala. Und Chala läuft nun an. Wohin wird er den Ball treten? Doch nicht etwa ...

Doch! Er tritt ihn Richtung Tor. Weil Chala, dieses Schlitzohr, sieht, dass Darmstadts Schlussmann Gräber weit vor seinem Gehäuse steht. Ich sitze zusammen mit dem damaligen Leiter der Sportredaktion, Rolf Wiesemann, auf einer Holzbank. Um uns herum nur Darmstädter. Die folgenden Sekunden erleben wir in Zeitlupe. Eine gefühlte Ewigkeit. Wir sehen die Flugkurve des Balles. Wir spüren, wie das Stadion den Atem anhält. Wie sich die Ahnung breit macht, dass es passieren wird. Er senkt sich. Gräber bemüht sich verzweifelt um Rettung. Doch es ist zu spät. Der Ball landet im Tor. 4:3 für den KSV!

Fast Tausend Löwen-Anhänger unter den 7600 Zuschauern brüllen sich die Seele aus dem Leib. Dies ist die Krönung eines Krimis, in dem zuvor Nico Radler, Chalaskiewicz und Thorsten Bauer dreimal für ihre Mannschaft ausgeglichen hatten. Mit vielen dieser Fans saß ich zuvor im Sonderzug, der sich am frühen Morgen in Kassel aufgemacht hatte. Günter Kratz, der kürzlich verstorbene Löwen-Fan, sagte den Satz: „Wie schön dieser Tag wird, das wissen wir um viertel vor fünf.“

Er wurde unvergesslich- Dank eines Traums von einem Freistoß. Die Saison endete dann wie so oft: Der KSV verpasste den Aufstieg als Zweiter.

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