Regionalligist wäre lieber ein Hesse, ist aber ein Bayer

Das Heim-Problem von Bayern Alzenau: Eine kleine, eingequetschte Kirchenmaus

Alzenau
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Nah an der Grenze zu Hessen: Dort liegt Alzenau.

Wenn die Stadt Alzenau nur ein paar Kilometer weiter nördlich liegen würden, dann wäre die Fußball-Welt für das Regionalliga-Team in Ordnung.

Kassel –Weil das aber nun mal nicht so ist, sich Alzenau im bayerischen Rhein-Main-Gebiet befindet, herrscht dort großer Frust. Was ist denn da los?

Aufgrund des bayerischen Infektionsschutzgesetzes durfte der Verein keine Pflichtspiele gegen Mannschaften aus anderen Bundesländern austragen. Zumindest nicht in Alzenau. Die Folge: Das Heimrecht für den Saisonauftakt gegen Koblenz wurde getauscht, Alzenau trat nun auswärts an – und gewann 2:0. Immerhin. Doch ein Ende der Heimmisere war da noch nicht absehbar.

Für den Hintergrund: Weil Alzenau teilweise nur einen Kilometer von der hessischen Grenze entfernt liegt, gehört der Klub schon seit mehr als 30 Jahren fußballerisch zu Hessen. „Wir fühlen uns als Hessen. Die Innenstadt von Frankfurt ist von uns aus nur 25 Kilometer entfernt“, sagt Alzenaus Vorstandsmitglied Andreas Trageser.

Alzenau ist aber nun mal bayerisch. Was beim Namen des Klubs „Bayern Alzenau“ und auch im Logo kaum zu übersehen ist. Und das sorgte für Frust. Auf den Antrag einer Sondergenehmigung gab es von der Staatskanzlei zunächst keine Rückmeldung. Also wurde auch schon für das zweite Heimspiel gegen Walldorf das Heimrecht getauscht. „Die ganze Situation ist paradox. Unsere Politiker, was soll ich dazu sagen?“, stöhnt der sichtlich genervte Trageser, der in der vergangenen Woche sechs Anfragen für TV-Interviews bekam. Immerhin ist Alzenau der einzige Klub deutschlandweit, der nicht zuhause spielen darf. Eine vergleichbare Situation gibt es sonst nicht.

„Wenn ich sauer werde, kostet das nur Nerven“, sagt Trageser. „Wir müssen das verkraften und dürfen nicht rumheulen.“ Besonders brisant war die Situation natürlich bei der aktuellen Coronalage. Denn finanziell sind die Vereine ohnehin angespannt. Wenn dann Spieler-, Trainer- und Reisekosten anfallen, auf der anderen Seite aber keine Einnahmen stehen, wird es brenzlig. Trageser beschreibt die Lage von Bayern Alzenau als „kleine, eingequetschte Kirchenmaus“. Eine Formulierung, die er in den vergangenen Tagen bereits des Öfteren nutzte. Gefangen zwischen den Vorgaben des Hessischen Fußball-Verbandes und den Entscheidungen der bayerischen Politik.

Am Dienstag gab es nun erst einmal Entwarnung. Ab dem 19. September darf Alzenau auch zuhause spielen – vor maximal 400 Zuschauern. Ein weiteres Ärgernis für Trageser, wenn man einen Blick nach Hessen rüberwirft und sieht, dass dort Spiele vor 1000 Zuschauern und mehr ausgetragen werden. Die Spieler seien froh gewesen, dass sie überhaupt spielen dürfen, sagt er.

Gegen den KSV Hessen spielt Bayern Alzenau erst am vorletzten Spieltag vor der Winterpause, am 12. Dezember. Diese Partie findet – so sie denn wettertechnisch noch ausgetragen werden kann – ohnehin in Kassel statt. Die Löwen haben mit der kleinen Kirchenmaus auf dem Platz dann sicher weniger Mitleid. Denn es gibt auch eine Geschichte, bei der am Ende der Frust auf KSV-Seite groß war. Letzter Spieltag 2019. Alzenau. Gießen. Ein 0:2. Dann ein 2:2. Nun sind beide in der Regionalliga. (Maximilian Bülau)

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