Vor der Winterpause

Einzelkritik des KSV: Becker und Damm gehen voran

So wertvoll wie lange nicht: Tobias Damm ist endlich wieder richtig fit. Fotos: Fischer

Kassel. Winterpause in der Fußball-Regionalliga. Nach 20 Spielen rangiert der KSV Hessen Kassel auf Platz neun – mehr Mittelfeld geht nicht.

Die Löwen überzeugten gegen gute Gegner und enttäuschten gegen Kellerkinder – die Schwankungen machen deutlich, dass sich die Mannschaft immer noch in einer Findungsphase befindet. Wer dabei welche Rolle spielte, lesen Sie in unserer Einzelkritik.

DER DRITTE FRÜHLING 

Tobias Damm (31 Jahre/20 Einsätze/4 Tore): Niemandem gönnt man das wohl mehr als ihm: Lange Zeit wurde Damm vom Pfeifferschen Drüsenfieber zurückgeworfen. Nun ist der neben Enrico Gaede dienstälteste Löwe wieder fit – und marschiert voran. Der 31-jährige Offensivspieler ist sich auch in der Defensive für keinen Weg zu schade. So wertvoll war er lange nicht.

DIE LEISTUNGSTRÄGER

Er geht voran: Kapitän Tobias Becker.

Tobias Becker (28/19/6): Ist seit dieser Saison Kapitän und macht das, was ein Spielführer leisten muss: Er geht voran. Als defensiver Mittelfeldspieler Dreh- und Angelpunkt des KSV-Spiels – und ganz nebenbei auch noch gewissenhafter Torschütze. Keine Frage: Becker hat seine Position und seine Aufgabe gefunden.

Stefan Müller (26/7/0): Der Innenverteidiger war lange verletzt. Seit er mit von der Partie ist, hat die Abwehr wieder einen Stabilisator. Bei seinen sieben Einsätzen kassierte der KSV gerade einmal vier Gegentreffer. Das spricht auch für den souveränen Müller.

Sergej Evljuskin  (26/19/0): Der defensive Mittelfeldspieler sorgte neben Becker für die Stabilität im Spiel. Er glänzte nicht nur mit jeder Menge Übersicht und vereitelte etliche gefährliche Situationen, sondern bereitete auch sechs Tore vor. Ein Spitzenwert.

DIE HOFFNUNGSTRÄGER

Tim-Philipp Brandner  (23/16/0): Der ehemalige Baunataler gehört zu den positiven Überraschungen. Dass der Außenverteidiger so viele Spielanteile erhält, damit war nicht unbedingt zu rechnen. Spielte meist unbekümmert – manchmal wie beim 0:1 in Offenbach zu unbekümmert. Alles in allem aber: Daumen hoch!

Steffen Friedrich  (20/17/0): Mit seinen gerade 20 Jahren gehört der Innenverteidiger mit einem guten Stellungsspiel zu den großen Hoffnungen. Friedrich fiel durch faires Spiel auf, kassierte nur eine Gelbe Karte. Aber auch er muss noch dazulernen.

Sergej Schmik (25/14/2): Defensiv wie offensiv bot der schnelle Außenverteidiger meist eine ansprechende Leistung. Wegen einer Innenbandverletzung musste er allerdings fünf Spiele pausieren.

Sqipon Bektashi (24/11/3): Kam kurz vor Ende der Wechselfrist aus Mannheim – und sorgte auf Anhieb für Belebung im Angriff. In seinem ersten Spiel gegen Elversberg wurde er eingewechselt und schoss das Siegtor. Mehr Traumeinstand ist kaum möglich. Der Stürmer neigt aber auch zum leichten Faller. Gegen Zweibrücken sah er deshalb – wenn auch sehr umstritten – Gelb-Rot. Insgesamt aber mehr Licht als Schatten.

Mike Feigenspan (19/11/0): Gemessen an seinem Alter ist er schon sehr weit. Der Ex-Vellmarer präsentiert sich sehr engagiert, nur Kaltschnäuzigkeit muss er sich noch zulegen. So wartet er trotz guter Chancen auf sein erstes Tor.

Ingmar Merle  (24/15/0): Eine lange Verletzung hatte ihn weit zurückgeworfen. Nun ist der Rückstand aufgeholt. Etwas überraschend hat „Inge“ einen Stammplatz auf der rechten Abwehrseite gefunden, macht das ordentlich, hat aber Luft nach oben.

DIE UNBESTÄNDIGEN 

Kevin Rauhut (24/20/0): Auf der Linie ist der neue Torhüter reaktionsschnell und meist sicher. Stark verbesserungswürdig dagegen seine Spieleröffnung.

Tino Schulze (22/14/0): Der linke Verteidiger begann ordentlich, ließ aber mehr und mehr nach. Stand nur sechsmal in der Startelf und wurde achtmal eingewechselt. Wirkte manchmal überfordert und verlor seinen Platz schnell an Tim-Philipp Brandner.

Benjamin Girth (22/20/8): Er hat die meisten Tore erzielt für die Löwen, und doch bleibt der Eindruck: Es könnte deutlich mehr sein. Erfolgreich war der Stürmer nur in fünf von 20 Spielen. Ansonsten fehlt es oft an Durchschlagskraft. Immerhin: Girth ist da, wenn es gefährlich wird.

Sebastian Schmeer  (27/20/2): Ob auf der linken oder rechten Seite im offensiven Mittelfeld, so richtig ist der Knoten immer noch nicht geplatzt. Zeigt teilweise überragende Ansätze, taucht dann aber wieder ab und verzettelt sich in Dribblings.

Nico Perrey (20/7/0): Unglücklicher Auftakt mit einer Verletzung in der Vorbereitung. Auch die ersten Einsätze in der Innenverteidigung waren nicht zufriedenstellend. Verlor seinen Platz und kehrte als Sechser zurück. Auf dieser Position deutlich stärker.

DIE ENTTÄUSCHTEN 

Henrik Giese (25/17/0): Zählt zu den Verlierern. Verlor erst seinen Stammplatz als Innenverteidiger, war dann mitunter nicht mal mehr im Kader. Zu unbeständig waren seine Leistungen.

Enrico Gaede (32/12/0): Der KSV-Oldie spielt bisher eine untergeordnete Rolle. Zu stark ist die Konkurrenz durch Becker und Evljuskin.

Dennis Lemke (25/17/1): Was hat der Stürmer für eine starke Vorbereitung gespielt. In der Saison klappte dann bis auf den Siegtreffer zum 2:1 gegen Worms kaum noch etwas. Kam über die Reservistenrolle nicht mehr hinaus.

Yeon-Woong Jung(22/3/0): In den Koreaner wurden große Erwartungen gesetzt. Hat aber irgendwie den Anschluss verpasst.

DER GLÜCKSFALL

Knapp ein Jahr nun ist Matthias Mink Trainer des KSV Hessen Kassel. Was der 47-Jährige geleistet hat, lässt sich eher beschreiben als an der Tabelle ablesen. Wobei: Mink hat die Löwen in der vergangenen Saison nach einer katastrophalen Vorrunde sehr schnell stabilisiert, vor dem Abstieg bewahrt und steht jetzt mit einem neu formierten Team im Mittelfeld – das kann sich auch sehen lassen.

Trainer Matthias Mink

Trotzdem: Die Hauptleistung des Schwarzwälders besteht darin, dass er die Art von Trainer verkörpert, die der KSV braucht. Mink ist ein akribischer Arbeiter, wie auch sein Vorvorgänger Uwe Wolf einer war. Anders als Wolf ist Mink aber einer, der auf die Leute zugeht – und sie nicht abschreckt mit einer mitunter aufbrausenden Art. Für Mink ist die vierte Liga keine Strafe, sondern eine Berufung. Er versteht sich als Entwickler, als Fußballlehrer, der seine Spieler stets ein bisschen besser machen will. So gesehen ist er ein Glücksfall für den Verein. Es sollte sich lohnen, ihm Zeit zu geben.

Von Frank Ziemke, Florian Hagemann und Torsten Kohlhaase

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