Kickers finanziell saniert, sportlich vorn dabei

Gut erholt nach schwerer Zeit: Derby zwischen KSV Hessen und Offenbach am Sonntag 

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Haben derzeit viel zu feiern: die Fans des Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach, hier beim DFB-Pokalspiel gegen Hannover 96 im August 2016, im Sparda-Bank-Hessen-Stadion in Offenbach.

Kassel. Auch wenn es wahrscheinlich keiner der Anhänger auf beiden Seiten hören möchte: So ein bisschen ähnelt die aktuelle Situation des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel der des Rivalen aus dem Süden – den Kickers aus Offenbach – vor einem Jahr.

2016 reichten die Offenbacher einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens ein. Für das abgelaufene Geschäftsjahr wurde ein Minus von 1,1 Millionen Euro gemeldet.

Daraufhin spendeten Fans, Aktionen wurden ins Leben gerufen, mit Gläubigern nachverhandelt, ein Retterspiel gegen Bayern München vereinbart. Dinge, die den KSV-Anhängern mittlerweile bekannt vorkommen. Am Ende konnte Offenbach den Insolvenzantrag zurückziehen. Sportlich blieben aber die Auswirkungen: Die Kickers starteten mit neun Minuspunkten in die Saison, der Etat wurde zurückgeschraubt, Spieler aus unteren Ligen verpflichtet. Auch das kennen die Löwen mittlerweile.

Doch der Umbruch führte nicht zum Abstieg. Die Klasse wurde gehalten – und nach drei Partien in der aktuellen Saison steht das Team von Trainer Oliver Reck punktgleich mit Tabellenführer Saarbrücken auf Rang drei. Finanziell ist der Klub saniert, der Etat wurde aber auf dem Niveau der vergangenen Saison gehalten.

Umbruch in der Offensive

Vor allem in der Offensive gab es in diesem Sommer dann einen Umbruch. Die Stürmer Konstantinos Neofytos und Matthew Taylor wurden abgegeben. Beide waren 2016 nach Offenbach gewechselt, von ihnen wurde viel erwartet, sie kamen gemeinsam aber nur auf sechs Saisontore. Ersetzt werden sie nun durch Florian Troske, der aus Worms kam, und Niklas Hecht-Zirpel (von Absteiger Nöttingen). Hecht-Zirpel glänzte bislang als vielseitiger Offensivspieler mit einer Vorlage und einem Tor in drei Spielen. Troske traf auch einmal, deutete aber bereits an, dass er als Anspielstation und Ballverteiler in der vordersten Reihe wichtig sein wird.

Im Angriff haben sich die Kickers nach dem bisherigen Eindruck verbessert. Mit Varol Akgöz kam ein neuer Angreifer noch gar nicht zum Zug, der in den vergangenen beiden Jahren in der Hessenliga für Rot-Weiss Frankfurt 50 Tore erzielte. Akgöz zeigte aber in der Vorbereitung, dass er durchaus eine Verstärkung sein kann.

In der Abwehr verloren die Offenbacher mit dem Amerikaner Bryan Gaul (nach Elversberg) eine feste Größe. Der Ersatz kommt aus den eigenen Reihen. Stefano Meier fehlte in den vergangenen Jahren immer wieder wegen Problemen mit dem Knie. Nach einer Operation kehrte er erst während der Vorbereitung zurück zur Mannschaft – stand dann aber überraschend im ersten Saisonspiel gegen die Reserve der TSG Hoffenheim in der Startelf. Bislang verpasste Meier nicht eine Minute und macht den Abgang von Gaul weniger schmerzhaft.

Offenbach zeigt sich gut erholt nach einer schweren Zeit. Auch wenn das Team erst am letzten Spieltag der Vorsaison den Klassenerhalt sicherten, ist es nun sportlich wettbewerbsfähig, um oben mitzuspielen. Eine Parallele, gegen die die Anhänger des KSV Hessen wohl nichts hätten.

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