Wolfershausen statt USA 

Erst einmal nur Fußball im Garten: Jan-Erik Leinhos ist ungewollt in der Heimat 

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Im eigenen Garten in Wolfershausen: Jan-Erik Leinhos (links) und sein Bruder Tom. 

Kassel/Wolfershausen – Vor einem halben Jahr spielte Jan-Erik Leinhos in den USA um die College-Meisterschaft.

Der 23-Jährige kam mit der Marshall University aus Huntington in West Virginia bis unter die besten zehn Teams der Vereinigten Staaten. Bald sollte die Vorbereitung auf die neue Saison beginnen. Im Sommer wollte der Wolfershäuser (Schwalm-Eder-Kreis) noch mit einem anderen Team die fußballfreie Collegezeit überbrücken und anschließend den landesweiten Titel mit der Thundering Herd (donnernden Herde) in Angriff nehmen. Nun ist unsicher, wie es weitergeht.

Schuld ist natürlich Corona. Leinhos spielt in den USA nicht nur Fußball, er studiert auch Marketing. Seit mehr als einem Monat ist er aber erst einmal wieder in der Heimat, in Wolfershausen bei seinen Eltern. „Erst stand nicht ganz fest, wie es mit dem Fußball weitergeht. Als aber klar war, dass zunächst nichts stattfinden wird, bin ich nach Deutschland geflogen“, sagt er. Das Studium lief seitdem online. Seine letzte Klausur für dieses Semester hat er bereits geschrieben.

„Das war wie ein Fernstudium und hat gut geklappt“, sagt der 23-Jährige, der am 14. Mai Geburtstag hatte. „Nur die Zeitumstellung war manchmal ein bisschen anstrengend. Wenn eine Vorlesung um 16 Uhr begonnen hat, dann war es hier 22 Uhr, und sie ging bis Mitternacht.“ Das nächste Semester beginnt im August. Bis dahin sollte eigentlich Fußball im Mittelpunkt stehen.

Bereits im vergangenen Jahr schnürte Leinhos in den Sommermonaten die Schuhe für einen Verein aus Michigan – auch als Vorbereitung auf die kommende Collegesaison. Das fällt 2020 aus, auch wenn er zwei Angebote hatte. Fußball findet bei ihm derzeit nur im Garten statt, wenn er und Bruder Tom den Ball hochhalten. Platz dafür ist zum Glück genug.

Aber auch sonst muss sich der Leinhos fithalten. „Wir haben einen kompletten Plan von unseren Trainern bekommen mit Szenarien, je nachdem, wann man wieder zurückkommt. Ich bin da mit Läufen, Krafttraining und Videomaterial ganz gut aufgestellt“, sagt der ehemalige Spieler des KSV Hessen.

Seine Eltern seien froh, ihren Sohn mal wieder etwas länger bei sich zu haben. Freunde kann er aber trotz der Rückkehr nach Deutschland kaum sehen – wegen der Corona-Auflagen. „Ich halte mich da an die Regeln und bleibe zuhause“, sagt er. Die Zeit vertreibt sich der 23-Jährige eher mit einer Fahrradtour als an der Konsole. „Ich bin bei Videospielen und auch in Fifa eine komplette Niete“, sagt Leinhos schmunzelnd. Auch wenn er zuletzt noch viel für die Uni zu tun hatte, hofft er, dass bald etwas Normalität zurückkehrt.

Von den teilweise verheerenden Bedingungen in den USA hat Leinhos nicht allzu viel mitbekommen. „Die Infektionswelle ist dort ein bisschen später gestartet als in Deutschland. Die Einschränkungen waren aber dieselben. Es gibt Maskenpflicht, man muss Abstand halten und Bars waren schnell geschlossen“, erzählt er. „Aber ich lebe dort auch nicht in einer riesengroßen Stadt.“ Von daher ist die Umstellung auf Wolfershausen vielleicht ja auch nicht riesengroß.

Von Maximilian Bülau

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