Mit dem Verein will er dieses Jahr noch Meister werden

Ex-KSV-Stürmer Sylvano Comvalius: Auf Bali ist er jetzt Superstar

Erst beim KSV, jetzt auf Bali: In der Saison 2015/2016 lief Sylvano Comvalius für den KSV Hessen Kassel auf (großes Bild). Anschließend ging er in die Ukraine, jetzt spielt er bei Bali United. Nach einem Fünferpack feierte ihn die Presse dort als Superman (kleines Bild mit Fan). Fotos:  Hedler/privat/nh

Kassel. Auf Bali trifft Sylvano Comvalius wie am Fließband. Der ehemalige Stürmer des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel erzielte für Bali United 25 Tore in 23 Spielen, er wird als Superman gefeiert.

Wir erreichen ihn, als er gerade vom Abendessen nach Hause kommt. Ein Blick auf die Uhr in Deutschland - 15.30 Uhr. Doch auf Bali ist es sechs Stunden später. Eigentlich waren wir schon einen Tag früher mit dem 30-Jährigen verabredet. Sein Verein hatte ein Auswärtsspiel, danach wollte er sich melden. Später die Nachricht: „Sorry. Ich war nicht in der Stimmung, um zu sprechen.“ Deswegen die Frage: Hatte die fehlende Lust an einem Gespräch mit dem Ausgang des Spiels zu tun hatte? „Ja.“ Verloren? „Nein, wir haben 0:0 gespielt, aber bei einem Sieg wären wir Tabellenführer gewesen.“

Comvalius spricht gut Deutsch. Ab und zu baut er englische Begriffe ein, wenn ihm ein Wort fehlt. Er ist locker, fröhlich, fühlt sich wohl. Das verwundert nicht. Nachdem der Niederländer den KSV 2016 verließ, war er acht Monate in der ersten ukrainischen Liga bei PFK Stal aktiv. Dann zog es ihn auf die Insel. Anfangs wollte er so schnell wie möglich zurück in Richtung Heimat. Mittlerweile ist er angekommen. Sportlich läuft es.

25 Tore erzielte der 1,92 Meter große Mittelstürmer in 23 Spielen - beim 6:1-Sieg gegen Mitra Kukur sogar fünf in einem Spiel. Rekord in der indonesischen Liga. Die heimische Presse feierte ihn danach als „Super Sylvano“ (kleines Bild oben). „Für die Leute hier war ich danach Superman“, sagt Comvalius. Wir haben mit ihm über die Vergangenheit in Deutschland, die Gegenwart im Urlaubsparadies und die Zukunft gesprochen.

Über seine Zeit in Kassel: Wenn der Niederländer über sein Jahr in Nordhessen spricht, dann schwingt viel Verbitterung mit. „Es war die falsche Entscheidung, nach Kassel zu gehen. Ich hätte damals in Dresden bleiben sollen“, sagt er. Die Gehaltsstruktur innerhalb der Mannschaft habe mit seiner Verpflichtung nicht mehr gestimmt. „Normalerweise weiß jeder in der Mannschaft, was der andere verdient. Ich durfte nie ein Wort sagen.“

Dann sei der Druck enorm gewesen, alle hätten nur noch auf das Gehalt und nicht auf die Leistung geschaut. Nach fünf Spielen habe er sich verletzt. Er habe als absoluter Strafraumstürmer auch nicht in das System gepasst. Trotzdem habe er viel gelernt in dieser Zeit.

Über seinen Wechsel nach Bali: Im März 2017 wechselte Comvalius zu Bali United. Damals war der Österreicher Hans-Peter Schaller Trainer des Teams. „Er hat nach Spielern aus der zweiten und dritten deutschen Liga geschaut und kannte mich aus Dresden. So ist der Kontakt zustande gekommen“, sagt Comvalius.

Die Entscheidung bereut er nicht. „Bali ist ein Urlaubsparadies. Es läuft hier wie im Traum. Wenn wir zu Auswärtsspielen fahren, dann warten die Gästefans auf uns und wollen Autogramme haben“, erzählt der 30-Jährige.

Zu Heimspielen kämen zwischen 18.000 und 25 000 Zuschauer. Bei Partien in Jakarta seien es 50.000 bis 100.000, sagt Comvalius. „Das ist verrückt. Wahnsinn.“ Weil es tagsüber zu heiß ist, trainiert das Team schon morgens um 7.30 Uhr - anderthalb Stunden. „Dann habe ich den ganzen Tag frei, kann an den Strand gehen. Ich habe aber auch eine schöne Villa mit Schwimmbad“, sagt Comvalius, der gern betont, dass Fußballer in Asien viel Geld verdienen können.

Über seine Zukunft: Comvalius ist glücklich, seine Frau ist nachgezogen. Sie erwarten ihr zweites Kind. Derzeit steht er in Verhandlungen. Im Raum stehe ein Fünfjahresvertrag, er habe auch Angebote aus Hongkong und China. Es gibt aber einen Grund, um auf Bali zu bleiben. „Ich soll für die indonesische Nationalmannschaft spielen und bekomme bald den Pass“, sagt er. Ein erstes Gespräch mit Nationaltrainer Alfred Riedl (Österreich) gab es schon.

Mit Bali United will er dieses Jahr noch Meister werden. Und auch einen Rekord hat Comvalius im Visier: „34 Tore sind die meisten, die je ein Spieler in der indonesischen Liga in einer Saison erzielt hat. Es sind noch elf Spiele.“ Sollte kein Problem sein für den Superman von Bali.

Zur Person:

Sylvano Comvalius (30) wurde in Amsterdam geboren. Der Stürmer ist während seiner Karriere viel rumgekommen. Nach Stationen in seiner Heimat wechselte er 2008 zum maltesischen Verein Flamrun Spartans. Von Malta ging es weiter nach Schottland, Katar, Kasachstan und China. 2013 landete er schließlich bei Eintracht Trier. Ein Jahr später holte ihn Dynamo Dresden, dann ging er zum KSV Hessen. Mittlerweile ist er bei Bali United in Indonesien. Comvalius ist verheiratet, das zweite Kind kommt im Dezember.

Linksverkehr und Inselstaat

Bali ist eine Insel im Indischen Ozean, die zu Indonesien gehört. Die Hauptstadt ist Denpasar. Auf Bali leben rund 4,2 Millionen Menschen. Über 90 Prozent der Balinesen sind Hinduisten. Auf Bali herrscht Linksverkehr, die Insel ist bekannt für ihre schönen Strände. Den Verein Bali United gibt es erst seit 2015. Er entstand aus dem Vorgängerklub Putra Samarinda. Im aktuellen Kader stehen zwei Niederländer, ein Argentinier und ein Südkoreaner - der Rest des Teams besteht aus Indonesiern. Indonesien selbst ist der weltgrößte Inselstaat. Mit 255 Millionen Einwohnern ist Indonesien zudem der viertbevölkerungsreichste Staat der Welt. Das ganze Land verteilt sich auf 17 508 Inseln und gehört zum Großteil zu Asien. Nur der Landesteil auf der Insel Neuguinea zählt zu Australien.

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