Mario Neunaber wurde beim KSV Hessen Kassel aussortiert und ist nun eine Liga höher Stammspieler

Ex-Löwe plötzlich wieder oben

Vom KSV über Umwegen nach Regensburg: Mario Neunaber. Archivfoto: Fischer/nh

Kassel. Zu den Überraschungen im deutschen Fußball zählt aktuell, dass Jahn Regensburg sich in der Spitzengruppe der dritten Liga aufhält. Derzeit belegt die Mannschaft aus der Oberpfalz Platz drei. Das würde die Relegation bedeuten. Wichtiger Bestandteil dieses Team ist Mario Neunaber – der somit eine Art Überraschung der Überraschung ist.

Neunaber musste vor der Saison den Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel verlassen. Er bekam keinen neuen Vertrag, nachdem die Rückrunde bei den Löwen alles andere als gut gelaufen ist: für den Verein im Allgemeinen, für ihn im Besonderen. Zwischenzeitlich fand sich der Innenverteidiger unter Trainer Mirko Dickhaut sogar auf der Tribüne wieder – neben Publikumsliebling Thorsten Bauer. „Ich habe nie erfahren, warum“, sagt er.

Plötzlich gehörte er zu jenen Kandidaten, die der Fußball ganz gern mal vergisst. Die mal höherklassig gespielt, aber auf einmal keine Perspektive mehr haben. „Da habe ich erfahren, wie verrückt der Sport sein kann.“ Zwei Jahre zuvor spielte er noch in der zweiten Liga beim FC Ingolstadt. Jetzt stand er vor dem Aus – eine Zukunft ohne Fußball. Was ihn beruhigte: der Gedanke, dass er sich mit einem Studium der Sportökonomie in Schmalkalden auf die Zeit nach der Karriere als Fußballer vorbereitet hatte. Trotzdem: Sollte das schon alles sein? Mit 29 Jahren?

Neunaber gab nicht auf. Er hielt sich bei der Vereinigung der Vertragsfußballer fit, die Training für arbeitslose Fußballer anbietet. Zu deren Programm zählen auch Testspiele, in denen sich die Profis ohne Verein präsentieren können – eine Art Schaulaufen der Hoffnungsvollen.

Neunaber überzeugte. Und so abrupt ihn das Geschäft an den Rand gespült hat, so schnell war er wieder mittendrin im Geschehen – als die Saison schon längst lief. Am 30. Juli erfuhr er vom Interesse der Regensburger, die ihn früher auch schon einmal beobachtet hatten. Am 31. Juli einigte er sich mit dem Verein. Am 1. August stieß er zur Mannschaft. Und am 3. August absolvierte er seine erste Partie: das Punktspiel in seiner Heimatstadt Bremen gegen Werders Reserve. Neunaber stand in der Startelf und bereitete beim 4:1-Erfolg ein Tor vor.

Es greift Floskel fünf der Sportsprache: Solche Geschichten schreibt nur der Fußball. „Besser hätte es nicht laufen können“, sagt Neunaber.

„Lebenswerte Stadt“

Seither ist er nicht mehr wegzudenken aus der Elf der Oberpfälzer, die nicht absteigen wollten und nun aufsteigen können. Gut möglich, dass Neunabers Zukunft nicht nur in Regensburg liegt, sondern auch in Liga zwei. Seinen bald auslaufenden Vertrag wird er wohl verlängern. Er und seine Frau Sabine fühlen sich wohl in dieser „lebenswerten Stadt“.

Vergessen ist das bittere Ende in Kassel. „Es bleibt kein Groll“, sagt er. Er ist in Kontakt mit einigen ehemaligen Teamkollegen, zum Abschiedsspiel für Thorsten Bauer am 8. Mai wird er zurückkehren. Er darf dann spielen und muss nicht auf der Tribüne sitzen.

Von Florian Hagemann

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