Fußball-Hessenliga

FC Gießen - ein Riese erwacht und empfängt den KSV Hessen zum Topspiel

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Ein Ex-Profi als Stratege: Der frühere Frankfurter Michael Fink, hier rechts 2008 mit Martin Fenin, überzeugt im Mittelfeld des FC Gießen. Archivfoto: Michael Sohn/ap

Es ist der erste echte Knüller in der Fußball-Hessenliga: Der KSV Hessen Kassel 16 Punkte gastiert am heutigen Samstag um 15 Uhr im Waldstadion beim FC Gießen (18 Punkte).

Wir beleuchten die Lage beim gastgebenden Tabellenführer.

Das lief bisher gut: Nahezu alles. Mit sechs Siegen aus sechs Partien lief der Start perfekt. Inklusive der beiden Hessenpokal-Spiele traf der FC Gießen bisher im Schnitt 4,5 mal pro Partie. Die Neuzugänge haben voll eingeschlagen, herauszuheben sind Cem Kara (FSV Frankfurt), Michael Fink (Hanau) und Kevin Nennhuber (Waldhof Mannheim). Fink und Nennhuber stabilisieren die Defensive, Ex-Profi Fink (36) überzeugte in Waldgirmes sogar mit drei Vorlagen. Kara kommt bereits auf sechs Treffer, ist mit Fernschüssen gefährlich. Trainer Daniyel Cimen ist daher zufrieden: „Seit Wochen bringt das Team Top-Leistungen.“

Zudem wird das neue Konstrukt FC Gießen gut angenommen. Im Schnitt kamen zu den bisherigen drei Heimspielen 1922 zahlende Zuschauer. • Das ist verbesserungswürdig: Am ehesten ist im defensiven Umschaltspiel noch eine Steigerung nötig. Gegen die schnellen Fuldaer lag der FC nach vielen ungenutzten Großchancen zunächst unglücklich zurück. Die Chancenverwertung bei 4,5 Treffern pro Spiel zu monieren, ist allenfalls ein Luxusproblem. „Das ist Meckern auf hohem Niveau“, weiß Trainer Daniyel Cimen. „Wir haben in jedem Spiel Phasen, in denen der Gegner einige Torchancen hat. Da wünsche ich mir, dass wir besser gegen den Ball arbeiten. Teilweise sind wir zu passiv.“

So wird die Partie heute angegangen: Die stärkste Offensive (Gießen, 21 Tore) trifft auf die beste Defensive (Kassel, zwei Gegentore). Also bringt Cimen den Löwen viel Respekt entgegen: „Man merkt, dass Kassel reif und geduldig spielt. Gerade gegen den Ball arbeitet der KSV extrem gut.“ Für den (neuen) Fall, dass Gießen nur wenige Torchancen haben sollte, sei Geduld nötig. Unter Cimen hat der FCG noch nie ein Heimspiel verloren. Mit einem Sieg könnte er auf fünf Punkte davonziehen, der etwaige Punktabzug der Kasseler wegen fehlender Schiedsrichter käme hinzu. „Wir wissen, dass es ein wichtiges Spiel ist“, sagt Cimen. „Es wird eine Partie mit viel Erfahrung und einer hoffentlich wieder großen Zuschauerkulisse. Das ist das, was wir uns für die Zukunft häufig wünschen. Da können wir sehen, ob wir schon bereit dafür sind.“

Die Stimmung: Ist gut, wie die Zuschauerresonanz zeigt. Während die Fans in Fulda mit der Zusammenlegung zweier Vereine noch fremdeln, verlief der Schulterschluss in Gießen harmonisch. Sinnbildlich sagte mit Sven Scheer ein Vereinsverantwortlicher aus der heimischen Kreisoberliga: „Auf solch ein Projekt hat Gießen doch jahrelang gewartet. Ich denke, das ist die letzte Chance für die Stadt.“ FC-Geschäftsführer Jörg Fischer meint: „Ich habe das Gefühl, dass der Fußballkreis Gießen zusammenrückt. Im Waldstadion haben wir einen schlafenden Riesen geweckt.“ Die Region hofft auf Regionalliga-Fußball in der Unistadt, es herrscht Aufbruchstimmung.

Was sich im Umfeld tut: Das in die Jahre gekommene Waldstadion wurde mit viel ehrenamtlicher Arbeit und 645 Sitzschalen auf Vordermann gebracht. Spätestens Ende des Jahres soll ein Erbpachtvertrag unterschrieben werden. Der FC Gießen ist dann Besitzer des Stadions und plant beim Aufstieg in die Regionalliga weitere Maßnahmen wie ein Multifunktionsgebäude mit Spielertunnel. „Wir planen langfristig“, sagt Investor Jörg Fischer: „Ich bin ja nicht wie Kai aus der Kiste gekommen, sondern seit 1995 als Funktionär eng mit dieser Region verwurzelt.“ Die Jugend wurde neu aufgestellt, A-, B- und C-Junioren sollen rasch die Hessenliga erreichen. Für die Senioren gilt der Regionalliga-Aufstieg in dieser Saison als großes Ziel: „Die dritte Liga ist momentan ganz weit weg, aber ein Traum von mir“, sagt Bauunternehmer Fischer – und sucht weitere zahlungskräftige Sponsoren.

Einen Liveticker vom Spiel gibt es ab 15 Uhr auf www.hna.de.

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