Mit Bier und Standardsituationen

Flotho macht es mit Köpfchen: KSV feiert überraschendes 3:1 beim Spitzenreiter

Moritz Flotho
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Er hatte in Mainz allen Grund zur Freude: Moritz Flotho, hier bei einem Spiel im Auestadion, sicherte mit zwei Toren den Sieg beim FSV.

Vielleicht waren es zwei Kisten Bier. Die packten die Fußballer des KSV Hessen Kassel in den Bus, bevor die Reise Richtung Mainz ging am Samstag. Falls es etwas zu feiern gäbe auf der Rückreise.

Mainz – Bisher war das ja noch nicht der Fall. Einen mageren Punkt holte der Regionalligist auswärts in dieser Saison. „Wir haben das mit dem Bier dann erstmal gelassen. Aber diesmal dachten wir, es könne Glück bringen“, erzählte Trainer Tobias Damm.

Brachte es. Bei der Reserve des Bundesligisten FSV Mainz 05 gewann die Reisegruppe der Löwen 3:1 (0:0). Der erste Auswärtssieg – und das ausgerechnet beim Spitzenreiter. Entscheidender als die Belohnung für die Rückreise war aber, dass auch viele Gedankenspiele des Trainers unter der Woche sich im Spiel als richtig erwiesen. Er hatte seine Mannschaft noch einmal auf den Wert von Standardsituationen hingewiesen. Und er hatte am Freitag Moritz Flotho zu sich gerufen, ihm mitgeteilt, dass er in der Startformation stehen würde.

„Moritz hat im Training überzeugt. Er musste das jetzt aber auch einmal im Spiel umsetzen“, sagt Damm. Die Maßnahmen gingen komplett auf. Flotho erzielte zwei Tore. Beide mit dem Kopf. Beide nach Standardsituationen, die jeweils von Nael Najjar getreten wurden. Beim 1:0 in der 69. Minute war es ein Freistoß aus dem rechten Halbfeld, beim entscheidenden 3:1 eine Ecke.

Najjar hatte die Seite gewechselt, weil Rechtsverteidiger Ingmar Merle ebenso wie Angreifer Lukas Iksal erkrankt fehlte. Damm hatte eine Woche nach dem schwachen Auftritt beim 0:2 gegen Walldorf weiteres Personal und die taktische Formation geändert. Serkan Durna und Jascha Döringer blieben auf der Bank, aus einem 4 -2 - 3 -1 wurde eine 4 - 3 - 3, weil Brian Schwechel im Mittelfeld an die Seite von Frederic Brill und Aram Kahraman rückte.

„Wir waren dann direkt da, sehr aufmerksam“, freute sich Damm. Schon vor der Pause zeigte sich der KSV deutlich verbessert, stand defensiv stabiler und setzte auch offensiv erste Akzente. In einem ausgeglichenen Spiel hatten die Mainzer die erste Chance durch Simon Brandstetter, der in der 15. Minute Richtung Tor von Nicolas Gröteke startete, aber knapp vorbeischoss. Für die Gäste war es Jon Mogge, der in der 37. Minute das Gehäuse verfehlte. „Insgesamt waren wie da offensiv noch zu fahrig“, monierte Damm.

Das aber änderte sich nach dem Wechsel. Da wurde es turbulenter. Da fielen die Tore. Und es kam die Zeit, in der es Moritz Flotho mit Köpfchen machte. Vor allem das 1:0 war mustergültig. Damm lobt die Kopfballstärke seines jungen Angreifers ohnehin.

Aber wie Flotho nach Najjars Freistoß hochstieg und den Ball aus rund acht Metern versenkte, das war schon mustergültig. „Ich habe früher auch Volleyball gespielt. Etwas Sprungkraft ist also da“, sagt der 19-Jährige, dem natürlich auch seine Größe hilft. 1,92 Meter misst er. Die Freude über das 1:0 dauerte aber nur fünf Minuten. Dann schlugen die Gastgeber zurück: Lukas Quirin erzielte den schnellen Ausgleich nach einer Ecke.

„Ich habe mir aber nie Sorgen gemacht, dass wir einbrechen könnten“, sagte Damm. Das Gegenteil war auch der Fall. Fast im Gegenzug vergab Mike Feigenspan noch die Riesenchance zur erneuten Führung. Die aber gab es in der Schlussphase. Alexander Mißbach eroberte den Ball, der eingewechselte Durna profitierte von einem Missverständnis in der FSV-Defensive und traf aus 18 Metern. Drei Minuten später machten die Kasseler alles klar. Wieder war Flotho mit dem Kopf da. „Die Ecke war wie der Freistoß perfekt für mich“, lobt er Vorlagengeber Najjar.

Und die Auswärtsfahrt hatte sich gelohnt: den Spitzenreiter gestürzt, den ersten Auswärts-Dreier geholt – und dann noch zwei Kisten Bier für die Rückreise. Einer allerdings trank nicht mit: Doppeltorschütze Flotho. Denn: „Meine Oma wohnt in Frankfurt. Ich bin da geblieben und habe sie besucht. Das war wichtiger.“ (Frank Ziemke)

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