Frederic Brill vom KSV hat „keine Lust mehr auf Wischiwaschi“

Kassel. Für einen Löwen ist die Partie zwischen dem KSV Hessen Kassel und Mannheim heute ein Wiedersehen mit seinen ehemaligen Teamkollegen.

Frederic Brill kam im Sommer vom SV Waldhof, jetzt ist er eine prägende Figur im KSV-Spiel. Im Interview äußert er sich über beide Klubs.

Frederic Brill, wollen wir mit einer Quizfrage beginnen? 

Brill: Gern.

Von wem stammt das Zitat: „Frederic Brill war mein absoluter Lieblingsspieler“? 

Brill: Ist das Zitat in Bezug auf Waldhof gefallen?

So ist es. 

Brill: Dann wird es wohl mein ehemaliger Trainer Kenan Kocak gesagt haben.

Bingo. 

Brill: Wir hatten wirklich ein gutes Verhältnis, auch wenn ich in Mannheim schwer in Tritt gekommen bin. Ich war erst sechs Wochen verletzt, und dann hat es ein bisschen gebraucht, um herauszufinden, was der Trainer genau von mir verlangt. Anschließend hat aber alles gut funktioniert.

Aber warum sind Sie dann nach einer Saison schon wieder weg aus Mannheim und haben sich dem KSV angeschlossen? 

Brill: Die Situation in Mannheim war Ende der vergangenen Saison unübersichtlich, was auch mit der bevorstehenden Ausgliederung der Fußballabteilung vom Gesamtverein zu tun hatte. Es war alles in der Schwebe. Da ich Sicherheit haben wollte, kam das Angebot vom KSV Hessen gerade recht.

Wer oder was hat Sie vom KSV überzeugt? 

Steht vor einem besonderen Spiel: Frederic Brill vom KSV Hessen Kassel.

Brill: Trainer Matthias Mink hat mir die Begebenheiten in Kassel gezeigt, und ich kann es nur immer wieder sagen: Die sind für einen Regionalligisten überragend und sehr professionell. Außerdem habe ich hier das bekommen, was ich wollte: einen Vertrag, der länger geht als ein Jahr. Auf Wischiwaschi hatte ich keine Lust mehr.

Sie spielen hier auch eine etwas andere Position. 

Brill: Das stimmt. In Mannheim war ich der klassische Sechser, hier agiere ich noch ein bisschen defensiver.

Wenn der KSV im Angriff ist, rücken Sie in eine Dreier-Abwehrkette, wenn der Gegner nach vorn kommt, sind Sie der Mann vor der Vierer-Abwehrkette. Sie machen also ständig eine Gegenbewegung zum eigentlichen Spielgeschehen. Kommt man da nicht durcheinander? 

Brill: Man muss gedanklich schon sehr wach sein, den Kopf eingeschaltet lassen und das Geschehen ein wenig voraussehen können. Aber die Position liegt mir, zumal ich immer mehr den Drang in mir hatte, das eigene Tor abzusichern, als selbst ein Tor zu schießen.

Nun treffen Sie mit Ihrem neuen auf Ihren alten Klub. Ist das Spiel etwas Besonderes für Sie? 

Brill: Klar, ich habe mich in Mannheim sehr mit dem Verein, dem Umfeld und den Jungs dort identifiziert. Wir sind zusammen in die Schlacht gezogen und haben unser letztes Hemd für Waldhof gegeben. Es freut mich, jetzt viele von ihnen wiederzutreffen, auch wenn ich mit dem Herzen nun bei meinem neuen Verein bin.

In der Stadionzeitschrift des KSV geben Sie das Carl-Benz-Stadion in Mannheim als Arena an, in der Sie am liebsten fernab des Auestadions spielen. Ihr Herz scheint also zumindest auch noch ein bisschen an Mannheim zu hängen, oder? 

Brill: Ich habe dort gern gespielt, keine Frage. Davon ab lässt sich die Situation in Mannheim mit der beim KSV ganz gut vergleichen. Wenn es gut läuft, kommen gleich 2000 bis 3000 Zuschauer mehr, die Fans identifizieren sich mit dem Klub, der für sie ihr Leben ist.

Nun begegnen sich beide Klubs als Spitzenteams. Was überrascht Sie denn mehr: dass Waldhof so gut ist oder dass der KSV auch mit oben dabei ist? 

Brill: Beides überrascht mich nicht wirklich. Waldhof hatte schon in der vergangenen Saison eine gute, entwicklungsfähige Truppe. Und bei uns hat sich in der Vorbereitung bereits angedeutet, dass wir im oberen Drittel mitspielen können, wenn wir genügend Selbstvertrauen haben.

Kann der KSV also auf Dauer mit den Spitzenklubs mithalten? Beim 0:1 gegen Elversberg ist das Team an Grenzen gestoßen. 

Ex-Bundesligaspieler in Mannheim: Michael Fink. Foto: dpa

Brill: Gegen Elversberg haben wir zwei grundverschiedene Halbzeiten gesehen. In der ersten Halbzeit waren wir überlegen. Wenn wir da unsere Chancen nutzen, würden wir jetzt über etwas anderes sprechen. Klar ist, dass wir in der zweiten Halbzeit nicht mehr nachlegen konnten, was vielleicht auch den englischen Wochen zuvor geschuldet war. Trotzdem sage ich: Wir haben bisher in jedem unserer Spiele die bessere Mentalität gezeigt.

Also treffen Sie Waldhof Mannheim auf Augenhöhe? 

Brill: Auf jeden Fall.

Wie sind bei Waldhof die Transfers der ehemaligen Bundesligaspieler Hanno Balitsch und Michael Fink zu bewerten? 

Brill: Die beiden Verpflichtungen haben die Öffentlichkeit ruhiggestellt. Dazu muss man wissen: In Mannheim hängt alles am Waldhof, da wird es schnell unruhig.

Lässt sich bei all dem heraushören, dass es eine Wunschvorstellung gibt: Der KSV wird am Ende Erster, Waldhof Zweiter - und beide steigen auf? 

Brill: Ich würde es zur Not auch umgekehrt nehmen.

Frederic Brill (23) kommt aus dem saarländischen Lebach. In der Jugend spielte er für den 1. FC Saarbrücken. Mit 18 Jahren wechselte er zu der U 19 nach Mainz. Von dort ging es zur Reserve des FSV Frankfurt, zu Fortuna Köln und zu Waldhof Mannheim, wo der Mittelfeldspieler in der vergangenen Saison aktiv war. Im Sommer kam Brill zu den Löwen. Bisher absolvierte er jedes Spiel von Anfang an. Er studiert Sportmanagement und ist in festen Händen.

Rubriklistenbild: © Foto: Hedler

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