Auswärtsspiel für die Löwen

Ausbleibende Gehälter beim kommenden Gegner des KSV Hessen: Gießens Herbst bleibt unruhig

Turgay Schmidt.
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Gießens Notvorstand: Turgay Schmidt.

Der FC Gießen erlebt wie schon in den Jahren zuvor einen turbulenten Spätherbst. Erneut treten Zahlungsschwierigkeiten für die Gehälter der ersten Mannschaft früh in der Saison ein – auch unter Notvorstand Turgay Schmidt.

Gießen – Bis zum Heimspiel gegen den KSV Hessen Kassel heute (14 Uhr) wartete das Fußball-Regionalliga-Team auf sein Oktober-Gehalt – Mitarbeiter sowie Akteure der zweiten Mannschaft haben sich an verspätete oder gar nicht erfolgte Zahlungen bereits gewöhnt.

„Du bist irgendwann ausgelaugt“, sagt ein Betreuer. Während sich Notvorstand Turgay Schmidt, der schon über ein Jahr allein an der Vereinsspitze wirkt, zu Beginn immer wieder öffentlichkeitswirksam in Szene setzte, richtet sich die Kritik zunehmend an ihn. Unisono wird von Betreuern, Trainern und Spielern von „menschenunwürdigem Verhalten“ gesprochen – der FC Gießen hat sich unter Schmidt zu einer tickenden Zeitbombe entwickelt. Die atmosphärischen Störungen übertragen sich auch auf den Zuschauerschnitt: Während vor der Pandemie und Schmidt im Schnitt über 1700 Besucher ins Waldstadion kommen, sind es nun noch 500 – ein Verlust von über 300 Prozent.

Aus der Regionalliga-Mannschaft selbst sagt Niclas Mohr: „Die Lage geht nicht spurlos an uns vorbei, aber wir versuchen, das auszublenden und uns auf das Sportliche zu konzentrieren. Das ist ja auch das Einzige, was wir beeinflussen können. Mitleid hilft uns nicht weiter.“

Noch hält das Konstrukt, die Mannschaft rafft sich zusammen, siegte zuletzt mit 2:1 bei der TSG Hoffenheim II und sprang damit vom letzten auf den vorletzten Tabellenplatz. „Das hat gezeigt, dass die Mannschaft absolut will. Ich wünsche mir, dass wir den Fokus beibehalten und uns weiterhin auf das Sportliche konzentrieren“, sagt Trainer Daniyel Cimen. „Wir haben bis zur Winterpause noch fünf wichtige Partien vor uns.“

Dabei will der FC seine positive Bilanz gegen den KSV Hessen Kassel ausbauen: Gegen die Nordhessen verlor der FC in vier bisherigen Partien noch nie, gewann zweimal, sammelte zweimal einen Punkt. Das soll sich heute fortsetzen. „Ich wünsche mir Ruhe im Verein, denn das ist der wichtigste Baustein. Darüberhinaus wünsche ich mir einen Sieg, denn der wäre unheimlich wichtig für uns“, sagt Cimen vor dem Hessenderby.

Während die Gesamtlage des Vereins angespannt bleibt, hat sich die Personalsituation des Vorletzten entspannt. Mit Kristian Gaudermann kehrt ein einsatzfreudiger Außenverteidiger zurück, ein Fragezeichen steht noch hinter Leonidas Tiliudis (Achillessehne). Somit fehlen sicher nur noch die Mittelfeldspieler Benedict dos Santos (Aufbautraining) und Nejmeddin Daghfous (bis zur Winterpause, Darmentzündung) beim FC Gießen. Und natürlich das Gehalt. (Sven Nordmann)

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