Insolvenzplan einstimmig angenommen

Vor Ort bei der Gläubigerversammlung des KSV Hessen: Der Teufel ist machtlos

Kein Zutritt: Der Aushang im Gericht. Foto: Bülau

Kassel. Dieser Dienstagmorgen in Kassel, er ist trist. Grau. Dunkel. Kalt. Und verregnet. Es ist der Dienstagmorgen, an dem sich die Zukunft des KSV Hessen Kassel entscheiden soll.

Im Saal D 105/106 findet seit zehn Uhr die Gläubigerversammlung statt. Wird dem Insolvenzplan zugestimmt, ist der Verein schuldenfrei, hat das finanzielle Überleben gesichert. Geht der Daumen runter, bedeutet das aller Wahrscheinlichkeit nach das Ende des gesamten Klubs.

Es ist einsam vor der Tür. Die Verhandlung ist nicht öffentlich. Drinnen sind Richter, Gläubiger und Vertreter des Vereins - und natürlich die Insolvenzverwalterin des KSV, Jutta Rüdlin. Einzig das rotleuchtende Schild, das signalisiert „Hier darf niemand rein, der nicht beteiligt ist“, erweckt Aufmerksamkeit.

Ein älterer Mann wird von diesem Anblick angezogen, schaut auf den Zettel, der Aufschluss über die Verhandlung gibt. „Oh, hier. Hessen Kassel. Insolvenzgeschichte“, sagt er zu einem Freund. Auf dem Aushang steht oben: „Amtsgericht Kassel - Insolvenzgericht - Abteilung 666. Hoffentlich hat hier nicht der Teufel seine Finger im Spiel.

Insolvenzverwalterin des KSV Hessen: Jutta Rüdlin.

Der Blick aufs Handy am Morgen, zwei Nachrichten: „Moin! Wann ist mit Infos ausm Gericht zu rechnen? Ich hab so schlecht geschlafen. Deswegen.“ Die, die den Löwen nahe stehen, sind nervös. Auch wenn viele vorher gesagt haben, dass es schon werden wird. Es ist zu merken: Hier geht es um etwas. Um Fußball. Eine Herzensangelegenheit. Ein Verein in der Hand seiner Gläubiger. Machtlos.

Zwei Frauen gehen vorbei. Hinter ihnen an den Türen zu Saal D 105/106 regt sich immer noch nichts. Die eine Frau sagt zur anderen: „Eigentlich sind wir hier durch, aber die schnuddeln noch.“ Um den KSV geht es wohl nicht. Weiter heißt es warten.

Eine Uhr am Rand des Saales ist von einem weißen Blatt Papier verdeckt. Darauf steht: „Außer Betrieb“. Kann die Zeit eigentlich außer Betrieb sein? Die Minuten und Sekunden gerade fühlen sich so an. Um 11.03 Uhr dann ein erstes Zeichen, eine Tür öffnet sich, ein Mann verlässt den Saal. Elf Minuten später hat das Warten ein Ende. Als Letzte kommt Insolvenzverwalterin Jutta Rüdlin durch die Tür. Sie lächelt, wirkt zufrieden. Alles gut mit dem KSV? „Ja, der Insolvenzplan wurde einstimmig angenommen.“

In Zahlen bedeutet das: Mehr als 1,2 Millionen Euro werden der Ausschüttung zugrunde gelegt. Der größte Teil dieser Summe stammt aus dem Verkauf des Vereinsheims. Bei einer Quote von fünf Prozent gehen so insgesamt rund 60.000 Euro an 125 Forderungen. Das bedeutet aber auch, dass Gläubiger auf etwa 980.000 Euro verzichten.

Der größte Teil dieser Summe hätte wohl ehemaligen Gremienmitgliedern des Vereins zugestanden. Sie stecken zurück. Der KSV Hessen ist jetzt schuldenfrei. Die Alternative wäre auch eine sehr düstere gewesen: das Aus des Vereins sowie die Kündigung aller Mitarbeiter. Doch der Teufel, er war an diesem Dienstagmorgen im Amtsgericht machtlos.

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