„Haben Jugend als Fundament"

Jens Rose spricht im Interview über die Zukunft des KSV Hessen

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Ein Kopf des KSV Hessen für die Zukunft: Vorstandsmitglied Jens Rose will weiterhin auf die Jugend und regionale Spieler setzen.

Kassel. Im Interview spricht Vorstandsmitglied Jens Rose über die kurzfristigen Folgen der Gläubigerversammlung, die Ausrichtung des Klubs, den Etat und Neuzugänge.

Herr Rose, ist Ihnen am Dienstagmorgen ein Stein vom Herzen gefallen? 

Jens Rose:   Ja. Diese Entscheidung war zu erwarten. Aber es gibt immer Eventualitäten. Ein anderes Ergebnis hätte zur Folge gehabt, dass der Verein abgewickelt worden wäre. Dann wäre Schluss gewesen. So bin ich dankbar, dass alle Gläubiger ihre persönlichen Interessen zurückgestellt haben - für den Fortbestand des Vereins.

Welche kurzfristigen Folgen hat diese Entscheidung? 

Rose:  Für die Mannschaft entsteht jetzt eine Aufbruchsstimmung. Sie weiß: Wir können in der Regionalliga bleiben, wenn wir es sportlich schaffen. Das Team hat nun neue Zuversicht. Das Urteil muss erst rechtskräftig werden. Dann haben wir unsere wirtschaftlichen Ziele erreicht - es fehlt nur noch das sportliche. Das wäre dann ein kleines Wunder von Kassel.

Der Verein ist bald schuldenfrei, kann neu anfangen. Ändert das die Ausrichtung? 

Rose:  Nein. Wir werden weiterhin auf die Jugend und regionale Spieler setzen. Anders können wir auch gar nicht mithalten. Es ist wirtschaftlich schwer, von unten nach oben zu kommen. Das ist fast eine geschlossene Gesellschaft. Und wir haben viele gute Jugendspieler.

Das heißt, es gibt keine Einsparungen im Nachwuchs- und Frauenbereich? 

Rose:  Nein. Egal, wo die sportliche Reise in der kommenden Saison hinführt: In diesem Bereich wird es keinerlei Einschränkungen geben.

Wie sieht es nun finanziell für den Rest der Saison aus?

Rose:  85 Prozent des Etats sind gedeckt. Die restlichen 15 Prozent bekommen wir auch noch zusammen. Wir haben schon Rückmeldungen von Sponsoren bekommen, die nach dem Abschluss der Insolvenz bereit sind, Geld zu investieren. Auf das Wort dieser Leute kann man sich verlassen.

Und wie sieht es mit einem Hauptsponsor aus? 

Rose: Allgemein wissen mögliche Sponsoren nun: Wir gehen jetzt in die Zukunft und müssen uns nicht mehr mit der Vergangenheit des Vereins beschäftigen. Es gibt zwei unterschiedlche Konzepte. Wahrscheinlicher ist kein großer Hauptsponsor, sondern eine großflächige, mittelständig regionalorientierte Förderung für den Verein.

Eine der wichtigsten Aufgaben wird sein, Mitgliedern und Fans zu beweisen, dass man in fünf Jahren nicht wieder am gleichen Punkt steht. Wie geht das? 

Rose:  Wir haben in den letzten sieben Monaten alles gemeinsam gemacht, um das zu erreichen, was wir jetzt geschafft haben. Wir werden auch in Zukunft Fan-Aktionen brauchen. Und wir wollen mit den Mitgliedern besprechen, was passiert, sollten wir in die Hessenliga absteigen. Wir wollen näher mit Fans und Mitgliedern zusammenarbeiten. Andererseits haben wir jetzt eine Jugend als Fundament. Die gab es beim letzten Aufstieg nicht, weil dieser Bereich nicht so schnell mitwachsen konnte. Wir müssen Talente an uns binden. Wenn wir jemanden ausbilden, müssen wir eine Ablöse bekommen. Das hilft uns direkt. Es bleibt aber schwierig, in der Regionalliga wirtschaftlich zu überleben.

Ist es für den Verein möglich, in der Winterpause Spieler zu verpflichten. Und: Wären große Namen mit dem Konzept des Vereins überhaupt vereinbar? 

Rose: Priorität hat bei uns die Position des Innenverteidigers. Da könnten wir noch einen Spieler benötigen. In diesem Transferfenster entscheidet sich vieles erst ganz zum Schluss. Wenn jemand keine Angebote von Teams aus höheren Klassen bekommt, ist er eher kompromissbereit. Wenn es möglich ist, dann machen wir etwas. Klar ist aber auch: Wenn ein Spieler mit einem größeren Namen nach Kassel kommt, muss er schon einen Nagel im Kopf haben. Bei uns gibt’s nichts groß zu verdienen, außer du spielst 100 Jahre in der ersten Mannschaft.

80 Prozent des Teams bestehen aus regionalen Spielern. Du brauchst aber auch zwei oder drei, die ein Signal in der richtigen Situation setzen. Da hilft ein Spieler, der diese Situationen schon oft erlebt hat. Wir werden alles versuchen, sonst kann man nichts erreichen.

Wie sind die sportlichen Aussichten für den KSV? 

Rose:  Der Dalai Lama hat mal gesagt: „Falls du glaubst, dass du zu klein bist, um etwas zu bewirken, dann versuche mal zu schlafen, wenn eine Mücke im Raum ist.“ So müssen wir jetzt an die Sache gehen. Und auch ein Abstieg wäre nichtr das Ende.

Zur Person:

Jens Rose (56), der in Kassel geboren wurde, war von 2002 bis 2013 mit einer Unterbrechung Vorsitzender des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel. Zuvor gehörte er vier Jahre dem Aufsichtsrat an. Der Unternehmer führt in dritter Generation den in Kassel ansässigen Familienbetrieb Gleisbau Rose. Rose ist geschieden, lebt aber in einer Beziehung und hat zwei Kinder.

Bettermann zurück im Vorstand

Daniel Bettermann ist zurück im Vorstand des KSV Hessen. Bereits im Mai 2016 war der 37-Jährige in dieses Gremium berufen worden, trat bei der Mitgliederversammlung im vergangenen Jahr dann aber nicht erneut zur Wahl an. Bettermann soll sich in Zukunft um das Thema Marketing kümmern. Vorstandsmitglied Jens Rose kündigte zudem an, dass noch ein fünftes Mitglied hinzukommen soll. Dieses soll den Fokus auf den Bereich Wirtschaft legen. Am 2. Februar findet ab 17.30 Uhr in Eppos Clubhaus eine außerordentliche Mitgliederversammlung statt. Dabei soll die Rechtsfähigkeit des Vereins wiederhergestellt werden.

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