Halbjahresanalyse des KSV Hessen: Zahme Löwen ohne Lufthoheit

+
Andere sind obenauf: So wie hier gegen Saarbrückens Patrick Schmidt beim Siegtor in der Nachspielzeit hatte der KSV Hessen zu oft das Nachsehen. Die Schwäche bei Standards ist einer der Gründe für den Sturz der Löwen ans Tabellenende.

Kassel. Trostlos endete das Jahr 2017 für den Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel mit dem 0:1 im Nachholspiel bei der Reserve des VfB Stuttgart.

Es war die 14. Partie in Folge ohne Sieg für die Löwen. Trotz dieser Negativserie war nicht alles schlecht in der ersten Saisonhälfte. Die Halbjahresanalyse: Das war gut, darauf kann man aufbauen, das war enttäuschend:

• Der Saisonstart: Der Auftakt war sehr viel besser als erwartet. Und das, obwohl er es in sich hatte. Gleich im ersten Saisonspiel gab es einen 2:1-Erfolg im Aue-stadion gegen Waldhof Mannheim - und das nach Rückstand. Etwas, das sich so durch die Anfangsphase der Spielzeit zog. Die Löwen mussten immer erst einmal einen Treffer kassieren, bevor sie aufwachten. Doch nach weiteren Siegen gegen Schott Mainz und Steinbach sowie bei der Reserve von Hoffenheim und zwei Remis gegen Stuttgart II und Ulm war die Stimmung gut. Was danach kam, ist bekannt und gehört nicht in diese Kategorie.

• Die Jugendarbeit: Muss hier erwähnt werden, weil beinahe alle Neuzugänge des KSV aus der eigenen Jugend stammen. Etwas Anderes war ja auch gar nicht möglich. Aber die Jungen haben ihren Job gut gemacht, mit Brian Schwechel hat es einer sogar direkt in die Stammelf geschafft.

• Die Stimmung: Ist, und das ist erstaunlich, immer noch ordentlich. Klar, der Besuch im Auestadion geht zurück angesichts der Misserfolge. Misstöne aber gibt es kaum. Die Anhänger unterstützen die Mannschaft und vor allem Trainer Tobias Cramer. Es ist viel Verständnis da für die Schwere der Aufgabe. Wohl auch deshalb herrscht im Umfeld überwiegend Ruhe.

• Das Finanzielle: Klingt jetzt komisch, aber: In Zeiten der Finanznot ist es positiv, dass die Insolvenzplan angenommen ist. Anfang 2018 wird es die nächste Gläubigerversammlung geben. Danach hofft der KSV, entlastet in die Zukunft schauen zu können.

• Die Verletzungen: In der Schlussphase des Jahres gab es schon einige Ausfälle im Team. Eine Seuchensaion wie im Vorjahr mit zahlreichen langfristigen Ausfällen erlebt der KSV aber nicht.

• Spiele gegen Topteams: Die Minuspunkte zum Start eingerechnet, hat der KSV bislang 19 Punkte geholt. Zehn Zähler - und damit mehr als die Hälfte - wurden gegen Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte gesammelt. Das ist in Ordnung, deutet aber auch einen Schwachpunkt an.

• Die Spiele gegen Abstiegskonkurrenten: Nur neun Punkte gegen Teams, die ebenfalls um den Abstieg kämpfen, das sind einfach zu wenig. Ein großes Problem der Löwen: Gegen die vermeintlich schwächeren Mannschaften haben sie häufiger den Ball, müssen das Spiel gestalten. Das aber klappt zu selten. Gegen die Topteams können die Löwen mehr auf Defensive und Konter setzen. Das liegt ihnen mehr, reicht aber nicht aus.

• Die Negativserie: Gleichzeitig führte diese Schwäche zu einer beängstigenden Negativserie. 14 Spiele ohne Sieg lassen das Umfeld heftig am Verbleib in der Regionalliga zweifeln. Das ist schlecht für die Stimmung und fürs Selbstvertrauen - was der Mannschaft in der Schlussphase des Jahres auch deutlich anzumerken war. Selbstbewusst sieht jedenfalls anders aus.

• Die Chancenverwertung: Ein weiterer Grund für die Situation ist die schlechte Chancenverwertung. Stürmer Sebastian Schmeer hat nicht zur Vorjahresform gefunden. Neuzugang Sebastian Szimayer erzielte zwar sieben Tore erzielt, ließ aber auch oft etwas liegen. So wurden enge Spiele auf Augenhöhe trotzdem meist verloren.

• Die Verteidung der Standards: Je länger die Saison, desto größer dieses Problem. Bestes Beispiel: Das letzte Heimspiel verlor der KSV Hessen gegen Saarbrücken 1:2. Das Siegtor des Spitzenreiters fiel in der Nachspielzeit. Nach einer Ecke. Per Kopf. Die Lufthoheit im eigenen Strafraum, die haben in diesen Situationen zu zahme Löwen längst verloren.

• Der Abstand zum rettenden Ufer: Da sagt die Tabelle alles.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.