Lichte und das besondere Los

Hannovers Co-Trainer kehrt für ein Spiel in seine Heimat zurück

Blick zurück: Jan-Moritz Lichte (Mitte) bestreitet mit dem KSV Baunatal im November 2002 das Derby gegen den KSV Hessen. Links: Kassels Nico Radler. Rechts: Baunatals Peter Wefringhaus. Das Spiel im Parkstadion endete 2:0 für Baunatal. Foto: Fischer/nh

Kassel. Natürlich ist diese Partie für ihn etwas Besonderes. „Die Spiele gegen die Hessen waren meine Derbys“, sagt Jan-Moritz Lichte vor seiner Rückkehr mit dem Bundesligisten Hannover 96 nach Kassel.

In Nordhessen ist er geboren, im Trikot des KSV Baunatal hat er sich Anfang des vergangenen Jahrzehnts manch emotionales Duell mit den Löwen geliefert. „Deshalb freut mich das Los.“

Ansonsten sieht Lichte dieser Partie eher geschäftsmäßig entgegen – mit dem Blick eines Co-Trainers, der er seit April in Hannover ist. Ihn interessiert nicht die Vergangenheit der Löwen, sondern das Jetzt: „Wie stellen sie sich auf? Wer spielt wo?“ Lichte hat den KSV beobachtet und sagt: „Man sieht der Mannschaft an, dass der Trainer eine Idee hat.“

Die überschaubare gehobene Fußballwelt macht es möglich, dass es für Lichte am Sonntag nicht nur ein Wiedersehen mit dem KSV Hessen gibt, sondern auch mit dessen Trainer Matthias Mink. Ihn kennt er aus Zeiten, in denen er bei Bayer Leverkusen Co unter Sami Hyypiä war und Mink für die Bayer-Reserve arbeitete. Vor gut eineinhalb Jahren war das. Seitdem ist viel passiert. Bei Mink, bei Bayer, bei Lichte.

Wir berichten vom Pokalspiel des KSV gegen Hannover im Tickerund auf Kassel Live.

Anpfiff ist am Sonntag um 18.30 Uhr.

Nach dem Aus in Leverkusen im Frühjahr 2014 zog sich der 35-Jährige erst einmal zurück nach Paderborn – in jene Stadt, in der er mit seiner Lebensgefährtin und den beiden Kindern immer noch lebt und die er als Anker bezeichnet. Er hätte kurze Zeit später mit Sami Hyypiä in die zweite Liga nach England gehen können. Aber das Gesamtpaket überzeugte ihn letztlich nicht.

Er blieb in Deutschland – und tauchte Ende der vergangenen Saison plötzlich in der Bundesliga wieder auf. An einem Montagmorgen rief ihn Michael Frontzeck an und fragte ihn, ob er sich vorstellen könne, sein Co-Trainer in Hannover zu werden. Frontzeck verhandelte da gerade mit den 96-Verantwortlichen. Am Abend fuhr Lichte nach Hannover, am Dienstagmorgen stand er auf dem Trainingsplatz – gemeinsam mit Frontzeck, zu dem er zuvor immer mal wieder Kontakt hatte und der denselben Berater hat wie er.

Blick zurück: Jan-Moritz Lichte (Mitte) bestreitet mit dem KSV Baunatal im November 2002 das Derby gegen den KSV Hessen. Links: Kassels Nico Radler. Rechts: Baunatals Peter Wefringhaus. Das Spiel im Parkstadion endete 2:0 für Baunatal. Foto: Fischer/nh

In Hannover gelang dem Duo, den freien Fall eines Bundesligisten zu stoppen und ihn vor dem Abstieg zu bewahren. Lichte beschreibt die fünf Wochen bis zum Klassenerhalt als nervenaufreibend: „Im Nachhinein kommt einem die Zeit viel länger vor, als sie tatsächlich war.“ Er nahm sich bei seiner Familie immer wieder eine Auszeit vom Abstiegsstress.

Jetzt geht es mit Hannover weiter – auch das war lange Zeit nicht klar. Lichte bezeichnet seine Tätigkeit als spannende Aufgabe in einem etwas anderen Umfeld als in Leverkusen: mit einem starken Präsidenten, langer Tradition und größerer Fanszene. Aber: „Die Arbeit bleibt fast gleich.“ Er ist der Mann im Hintergrund. Ein Fingerzeig für die Zukunft ist das aber nicht. Lichte will nicht ausschließend, irgendwann einmal auch Cheftrainer zu werden.

Zukunftsmusik. Erst einmal steht mit Hannover die Partie in Kassel an. Den Kontakt in seine Heimat hält er über seinen besten Freund und seine Eltern, Vater Bernd hat früher auch mal beim KSV Hessen gespielt. Auch für ihn wird es eine besondere Partie sein.

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