Sehr reizvoller Gegner

KSV Hessen im DFB-Pokal: Grünes Licht für Los Hannover

Kassel. Hannover 96 also – das ist der Gegner des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals. Das ergab die Ziehung am Mittwochabend im Sportschau-Club der ARD. Ein gutes Los? Ein schlechtes Los?

Wir nehmen es unter die Lupe – und prüfen zu diesem Zweck verschiedene Aspekte.

ATTRAKTIVITÄT DES GEGNERS

Hannover 96 entkam in der vergangenen Saison nur knapp dem Abstieg in die zweite Bundesliga. Nach einer Negativserie in der Rückrunde schaffte erst der neue Trainer Michael Frontzeck die Wende. Trotz eines enttäuschenden 13. Tabellenplatzes zählt Hannover seit Jahren zur zweiten Kategorie des deutschen Fußballs – hinter den absoluten Topklubs wie Bayern, Dortmund, Gladbach, Leverkusen, Schalke und Wolfsburg. Immerhin ist Hannover nunmehr seit 2002 wieder ununterbrochen erstklassig.

STARAUFKOMMEN

Hannover kommt mit einem Weltmeister: Torhüter Ron-Robert Zieler. Ansonsten spielen dort nicht die ganz großen Namen, nachdem Lars Stindl die Niedersachsen in Richtung Mönchengladbach verlassen hat. Aber vielleicht spendiert 96-Boss Martin Kind noch den einen oder anderen Star. Im vergangenen Jahr bewiesen die Niedersachsen kein so gutes Näschen: Stürmer und Königstransfer Joselu enttäuschte.

MACHBARKEIT

Hans-Jochem Weikert, der Vorstandsvorsitzende des KSV Hessen, erklärte nach der Auslosung zufrieden, die Aufgabe sei machbar. Nur war nicht ganz klar, ob er das mit einem Augenzwinkern meinte. Hannover ist natürlich klarer Favorit. Aber: Ganz unmöglich erscheint ein Pokalcoup nicht, zumal die Löwen am zweiten August-Wochenende, an dem das Spiel ausgetragen wird, schon mehr Spielpraxis in der neuen Saison gesammelt haben werden als 96. Nur zur Erinnerung und Aufmunterung: Im vergangenen Jahr erwischte es fünf Erstligisten in Runde eins – mit Augsburg auch einen Klub, der bei einem Viertligisten unterlag: beim 1. FC Magdeburg

REGIONALITÄT

Den regionalen Charakter der Partie betonten nach der Auslosung sowohl Hans-Jochem Weikert als auch KSV-Trainer Matthias Mink. Hannover ist 170 Kilometer entfernt von Kassel, mit dem ICE in 55 Minuten zu erreichen – und in jeder Beziehung von Kassel aus der nächste Bundesligist. Gerade in Südniedersachsen haben die 96er viele Fans. Das bedeutet: Hannover wird zahlreiche Anhänger mitbringen ins Auestadion.

BEZIEHUNGEN

Die Region spielt auch personell eine Rolle bei den Niedersachsen. Ganz aktuell in Form des in Baunatal aufgewachsenen Jan-Moritz Lichte, der als Co-Trainer mit Frontzeck kam – und nach dem Klassenerhalt nun ebenfalls bleibt. Auch der frühere KSV-Spieler Dominik Suslik ist bei 96 aktiv, als Athletiktrainer im Jugendbereich. Und nicht zuletzt sind zwei frühere Spieler, die beide Klubs verbinden: Dieter Hecking und Lothar Sippel.

HISTORIE

Es gibt Wunden, die nie verheilen. Die tiefste Wunde, die sich der KSV je zugezogen hat, hängt eng mit Hannover 96 zusammen. In der Saison 1984/85 zogen die Niedersachsen am letzten Zweitliga-Spieltag noch an den Löwen vorbei und stiegen in die Bundesliga auf. Während der KSV 0:2 beim ebenfalls aufsteigenden 1. FC Nürnberg verlor, besiegten die 96er Hertha BSC 2:0. Am Spieltag vorher waren beide Teams im Auestadion aufeinandergetroffen. Nach der schnellen Führung mit zwei Toren von Helmut Hampl war der Aufstieg zum Greifen nah. Doch Hannover glich noch vor der Pause aus. 21 Jahre zuvor war der KSV als Favorit in die Bundesliga-Aufstiegsrunde gegangen, hatte aber die Rechnung ohne Hannover 96 gemacht. Am ersten Spieltag gab es im Auestadion ein 1:2, und das Rückspiel in Hannover ging 1:3 verloren. Jetzt gilt also doppelt: Späte Revanche ist immer noch besser als gar keine Revanche.

FAZIT

Nach den Traumlosen aus der Kategorie Bayern und Dortmund ist Hannover mit das Beste, was dem KSV Hessen passieren konnte.

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