Ein Überblick über die Lage

KSV Hessen Kassel: Insolvenz noch diese Woche?

Kassel. Am Sonntag trafen sich Gremien des KSV erneut. Es mehren sich die Signale, dass das Ende mit Schrecken näher rückt. Ein Insolvenzantrag noch in dieser Woche ist gut möglich.

Aktualisiert um 11.20 Uhr - Der KSV hat am Dienstagvormittag den Insolvenzantrag beim Amtsgericht Kassel eingereicht. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

Ursprungsartikel:

Warum Insolvenz?

Dass die vielen spannenden und kreativen Hilfsaktionen dem Verein helfen werden, ihn aber nicht retten können, war stets klar. Die entscheidende Suche nach einem Nachfolger für Hauptsponsor VW blieb ebenso erfolglos wie die nach anderen Geldgebern. Auch mit Volkswagen selbst wurden weitere Gespräche geführt – in Baunatal wie in Wolfsburg. Sie scheiterten, obwohl mit Betriebsratschef Carsten Bätzold ein Ex-Löwe gewichtig mitreden kann.

Weit schwerwiegender aber: Dank der Hilfe des früheren KSV-Finanzvorstandes Klaus Schüttler gibt es mittlerweile einen detaillierteren Überblick über die Finanzen. Der hat offenbar einen Schuldenstand erbracht, der sich noch ein Stück über den bereits kolportierten zwei Millionen Euro befindet.

Ist das das Ende für den Fußball?

Nein, das muss nicht sein. Das bestätigte die Geschäftsführung der Regionalliga Südwest gestern erneut gegenüber unserer Zeitung. Egal ob Regelinsolvenz oder Planinsolvenz – sollte der KSV eine Mannschaft finanzieren können, dürfte er in der Regionalliga antreten. „Natürlich gilt auch in diesem Fall der Abzug von neun Punkten“, sagt Felix Wiedemann, der zudem erklärt: „Auch auf andere Mannschaften des Vereins hat das keine Auswirkungen.“ 

Heißt im Klartext: Auch die Reserve, die Frauen und die Jugend könnten weiter am Spielbetrieb teilnehmen. Möglich macht das eine Satzungsänderung. Bis vor drei Jahren hatte der Gang in die Insolvenz den sofortigen Zwangsabstieg zur Folge.

Auch auf die Erteilung der Zulassung hätte eine Insolvenz keinen Einfluss. Die Wirtschaftlichkeit eines Vereins wird erst ab der dritten Liga geprüft. Bei der Zulassungsprüfung geht es um Infrastruktur und um eine Barkaution in Höhe von 35.000 Euro. Die wurde vom KSV hinterlegt. 

Welche Konsequenzen haben diese Entwicklungen für den Verein?

Mit dem Gang zum Amtsgericht dürften Rücktritte des Vorstandes sowie einiger Aufsichtsratsmitglieder noch vor der Jahreshauptversammlung am 27. Juni einhergehen. Ein Problem: Vorschläge für den Aufsichtsrat müssen noch in dieser Woche eingereicht werden. Beim KSV wählt die Mitgliedervesammlung den Aufsichtsrat. Der wiederum beruft den Vorstand.

Ob Trainer Tobias Cramer den Löwen erhalten bliebe, das kann nicht als sicher gelten. Ihm sollen auch andere Angebote vorliegen. Sollte das Insolvenzverfahren eröffnet werden, würde der Insolvenzverwalter die Geschäfte übernehmen. Ein neuer Vorstand wäre so nur bedingt handlungsfähig. Bitter wäre vor allem der Verlust der vereinseigenen Immobilien. Das Vereinsheim und die Videowand sind die Aktiva in der Bilanz. Sie würden wahrscheinlich in die Konkursmasse einfließen.

Besteht trotzdem Hoffnung?

Die Einleitung eines Insolvenzverfahrens, so es denn vom Gericht genehmigt wird, muss nicht das Ende bedeuten. Insolvenzen dienen mittlerweile nicht mehr allein der Abwicklung, sondern möglichst dem Erhalt. Zuletzt haben die Kassel Huskies das 2014 erlebt. Nach der Insolvenzeröffnung im Februar gelang der Aufstieg in die DEL2.

Ob auch der KSV eine Zukunft hat, hängt aber auch davon ab, ob sich Personen finden, die jetzt noch ein Amt im Klub übernehmen. Eine Schlüsselrolle kommt hier offenbar dem zukünftigen Kasseler Oberbürgermeister Christian Geselle zu. Er könnte sowohl vermitteln als auch ein neues Team unterstützen. Fragt sich nur, ob Geselle sich das Risiko KSV antun will.

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