KSV Hessen: Jetzt sind die Gremien entlastet

Wurden einstimmig entlastet: Die Ex-Vorstandsmitglieder Daniel Bettermann (links) und Alexandra Berge. Archivfoto: Hedler

Kassel. Das Wichtigste vorweg: Die ehemaligen Gremien des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel - Vorstand und Aufsichtsrat - sind entlastet.

Das entschieden 103 Mitglieder des Vereins gestern Abend in Eppos Klubhaus. Die Entscheidungen fielen teils einstimmig, teils aber auch nur mehrheitlich mit einigen Gegenstimmen.

Wirklich emotional wurde es bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung der Löwen nur einmal. Als der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Matthias Hartmann seinen Bericht ablegte, da tat er das mit feuchten Augen, bewegt, authentisch. Er dankte zum Schluss - wie schon vor drei Monaten im Rathaus - Spielern und Trainern. „Sie holen das letzte aus sich raus, um den KSV weiter mit Leben zu erfüllen.“ Der lauteste Applaus den Abends.

Dass Hartmann überhaupt noch einmal sprechen musste, das lag daran, dass die Entlastung der Gremien bei der ordentlichen Mitgliederversammlung Ende Juni im Rathaus vertagt wurde - auf Anraten des Kasseler Oberbürgermeisters Christian Geselle, der mittlerweile im Aufsichtsrat des KSV sitzt, diese Empfehlung aber noch als „normaler Löwe“ abgegeben hatte, wie er auch gestern betonte. Ihm hätte damals die Transparenz gefehlt, alles sei zu schnell gegangen.

Dieses Mal wurde sich Zeit genommen, um die Finanzen des Klubs aufzudröseln. Das übernahm Daniel Bettermann, der als einziges Mitglied des Ex-Vorstands vor Ort war. Dirk Lassen, der eigentlich für die Finanzen zuständig war, befände sich derzeit berufsbedingt im Ausland, teilte Tobias Zeller, der die Versammlung leitete, gleich zu Beginn mit. Neben ihm fehlten auch Wolfgang Linnenbrink und Alexandra Berge, die aus privaten Gründen verhindert war.

An den Zahlen hat sich auch seit Juni nichts verändert: Weiterhin liegt der Fehlbetrag des Geschäftsjahres 2016 bei rund 451 000 Euro, der Schuldenstand des Vereins ist im Lauf der Jahre auf über zwei Millionen Euro angestiegen. Bettermann lieferte aber Erklärungen, Ansätze, um diese Zahlen zu verstehen.

Dafür verglich er die Zahlen des vergangenen Geschäftsjahres mit denen seit 2010. Einfach ausgedrückt: Die Einnahmen sind stark gesunken. Das wurde zu einem großen Teil durch Darlehen kompensiert.

2010 erwirtschaftete der Verein einen Überschuss von rund 150 000 Euro. Seitdem gab es einen jährlichen Fehlbetrag von im Durchschnitt 200 000 Euro. Einen Ausreißer gab es im Jahr 2015 durch das DFB-Pokalspiel gegen Hannover. Die Zuschauerzahlen sind rückläufig, ebenso wie Geld aus der TV-Vermarktung und dem Sponsoring. Bettermann machte aber auch deutlich, dass vom Fehlbetrag - 451 000 Euro - rund 400 000 Euro aus der ersten Jahreshälfte und damit der Saison 2015/2016 resultieren.

Die Mitglieder, sie wollten Erklärungen. Und sie bekamen sie nun. So wurden am Ende Daniel Bettermann und Alexandra Berge einstimmig und Wolfgang Linnenbrink und Dirk Lassen mehrheitlich entlastet. Der Aufsichtsrat bekam die Entlastung ohne Gegenstimme.

Wie gesagt, emotional wurde es nur bei Hartmann. Der betonte auch: „Vorstand und Aufsichtsrat haben sich immer wieder finanziell eingesetzt, um Lücken zu überbrücken. Am Ende hat es nicht gereicht.“

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