KSV Hessen Kassel: War das Spiel in Willingen jetzt die Wende?

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Auf diesem Rasen hat er schon selbst gespielt: Als Aktiver feierte KSV-Trainer Tobias Cramer mit dem SC Willingen im Hoppecketalstadion Erfolge. Nun siegte er mit den Löwen im Hessenpokal an der alten Wirkungsstätte.

Kassel. Willingen ist mittlerweile die Heimat von Tobias Cramer, dem Trainer des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel. Am Mittwoch siegten die Löwen dort, in Willingen, 4:1 im Viertelfinale des Hessenpokals.

Nach elf sieglosen Spielen in der Liga endlich mal wieder ein Erfolg. Die Wende in Cramers Heimat?

Der 43-Jährige war früher auch Skilehrer. Die Saison des KSV Hessen, sie gleicht einer schwarze Piste für Wintersportler. Auch die muss man erst einmal hochlaufen. Der Start in die Spielzeit für die Löwen. Doch seitdem geht es eben steil bergab. Im Schuss, wie Skifahrer sagen würden. Doch nicht nur der ehemalige Skilehrer Cramer weiß, dass jede Piste irgendwann ein Ende hat. Dann ist man im Tal angekommen. Weiter runter geht es nicht. Nur wieder rauf, wenn man denn möchte.

Dass diese Löwen noch wollen, ist trotz der Negativserie nicht zu übersehen. Und es würde ins Bild passen, wenn der Sieg in Willingen der erste Schritt raus dem Tal zurück nach oben gewesen ist. Und beim zweiten Mal, da ist diese schwarze Piste dann schon gar nicht mehr so schwierig.

Sicher, Willingen ist nicht der Maßstab für einen Viertligisten. Aber der dreifache Torschütze vom Mittwoch, Lucas Albrecht, sagte hinterher: „Endlich kann ich wieder einschlafen und daran denken, dass wir gewonnen haben. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so lange darauf warten musste.“ Die Mannschaft wisse nun wieder, wie siegen geht, fügte der Innenverteidiger noch an.

Für Cramer war die Partie in Willingen irgendwie auch eine Zeitreise. Dort, im Hoppecketalstadion, spielte er selbst sechs Jahre lang Fußball. Er stieg mit dem SC in die Oberliga auf. Er lernte dort seine Frau kennen. Mit ihr und den beiden Söhnen lebt er jetzt in Willingen. Und spätestens am Sonntag wird im Hoppecketalstadion das letzte Mal Fußball gespielt, sollte es das Wetter zulassen. Ab der Rückrunde im kommenden Jahr ist dann das neue Uplandstadion der Ort, an dem um Punkte gekämpft wird.

Und so konnte sich auch Cramer in seiner alten und aktuellen Heimat von dem Stadion verabschieden, in dem er fußballerisch einiges erlebt hat. Bald wird dort ein Skikarussell enden, das 1,5 Kilometer den Hang runterführt. Mitten auf dem Rasen, wo Nael Najjar am Mittwoch das 4:0 und Willingens Daniel Butterweck den Ehrentreffer erzielten. Vielleicht war dieses Tor das letzte eines Willingers im Hoppecketalstadion. Ein Stück Geschichte.

Für den Trainer war der Sieg wie für Albrecht ein gutes Signal für die kommenden Spiele. „Das müssen wir jetzt mitnehmen. Das war Balsam für die Seele“, sagt Cramer. Er selbst war nach Abpfiff auch noch einige Stunden am Platz, sprach mit alten Weggefährten. Besonders freute er sich, dass auch seine Eltern unter den Zuschauern waren. „Früher waren die immer dabei, wenn ich gespielt habe, waren so etwas wie eine Institution in diesem Stadion“, erinnert sich Cramer.

Der Abschied aus dem alten Stadion sei ein tolles Erlebnis gewesen. „Das war sehr emotional, eine tolle Atmosphäre. Früher war das Standard hier“, sagt der Trainer. Und vielleicht führt dieses tolle Erlebnis ja auch zum Ende der Talfahrt. Samstag geht’s nach Mannheim.

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