Interview mit KSV-Hessen-Neuzugang Szimayer

"In Kassel noch einmal Fußball spielen, Spaß haben - und kein Geld verdienen"

Hoffnungsvoller Neuzugang: Sebastian Szimayer (rechts) ist aus Trier zum KSV gekommen. Im Hintergrund: Dominik Rudolph von der SG Werratal. Foto:  Brandenstein

Kassel. Sein Transfer lässt hoffen: Trotz der schwierigen finanziellen Lage hat der Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel mit Sebastian Szimayer einen Stürmer verpflichtet, der die Erfahrung aus der dritten Liga mitbringt.

Im Interview vor dem ersten Saisonspiel am Samstag, 29. Juli, gegen Waldhof Mannheim im Auestadion (14 Uhr) spricht er über die Gründe für den Wechsel, seine erste Zeit in Kassel und die Saisonziele.

Herr Szimayer, Kassel ist in diesem Sommer finanziell sicherlich nicht die attraktivste Option gewesen. Warum haben Sie sich dennoch für den KSV entschieden?

Szimayer: Ich bin jetzt schon zehn Jahre im Geschäft und stand vor der Frage: Soll ich aufhören, Fußball zu spielen und mich auf die Arbeit konzentrieren? Das war keine leichte Entscheidung. Ich wollte nicht immer wieder umziehen müssen. Aber Basti hat mir die Entscheidung letztendlich leicht gemacht.

Sie meinen Sebastian Schmeer?

Szimayer: Genau. Ich kenne ihn aus meiner Zeit bei Wehen Wiesbaden. Da haben wir zusammen gespielt. Er hat gesagt: Komm’ nach Kassel. Hier ist alles super. Das Mannschaftsgefüge ist gut, der Coach macht einen guten Job. Hier ist alles entspannt, und es macht Spaß. Der Trainer hat dann noch einmal lange mit mir geredet. Es ist hier auch eine Chance für mich.

Und aus finanzieller Sicht?

Szimayer: Ich hatte noch ein Jahr Vertrag in Trier. Den hätte ich für wesentlich mehr Geld absitzen können. In Kassel möchte ich jetzt aber noch einmal Fußball spielen, Spaß haben - und kein Geld verdienen.

Jetzt sind Sie ein paar Wochen da. Wie ist der Eindruck?

Szimayer: Von der Stadt weiß ich noch nicht so viel. Klar, momentan ist documenta. Aber Kultur ist nicht so meins. Ich habe mich aber gut eingelebt. Mir gefällt es hier. Ich wohne ziemlich zentral. Alle Versprechungen vom Verein wurden bislang eingehalten. Das kommt selten vor.

Wir gehen jedes Mal nach dem Training noch mit zwölf oder 13 Spielern etwas essen. Auch das ist selten in diesem Geschäft. Dass trotz dieser Insolvenz viele geblieben sind, zeigt, dass es hier etwas Besonderes ist. So fühle ich mich auch. Ich fühle mich nach ein paar Wochen schon so, als wäre ich zwei Jahre hier.

Wie ist das Verhältnis zu Trainer Tobias Cramer?

Szimayer: Er gibt uns eine lange Leine, wenn wir es nicht ausnutzen. Das macht schon viel her.

Sie sind ja schon viel rumgekommen. Wie lange wollen Sie nun in Kassel bleiben?

Szimayer: So blöd, wie es klingt. In den vergangenen Jahren gab es immer Umstände, die mich zu einem Wechsel gezwungen haben. Bei Mannheim war damals zum Beispiel kein Geld mehr da, um einen neuen Vertrag zu bekommen. In Neckarelz habe ich 16 Tore gemacht und hatte noch einmal die Chance auf die dritte Liga. Dann kam ein neuer Trainer, und der hat gesagt, dass er mich doch nicht mehr braucht.

Im vergangenen Jahr bin ich mit Trier abgestiegen. Natürlich wünsche ich mir, mal ein bisschen länger zu bleiben. Aber man kann die Umstände nie vorhersagen. Ich bin jetzt aber in einem Alter, in dem ich sage, ich möchte nicht immer weg. Ich habe schon genug gesehen. Das reicht mir jetzt.

Welche persönlichen Ziele haben Sie, welche gibt es für die Mannschaft?

Szimayer: Sich in dieser Situation persönlich etwas vorzunehmen, ist nicht gut. Wir müssen gemeinsam die neun Minuspunkte wegbekommen. Das zählt. Wenn ich dazu beitragen kann, ist das gut. Und wenn ich Basti Schmeer 20 Dinger auflegen kann, wir stehen am Ende auf Platz neun, fliegen gemeinsam nach Mallorca und haben hier etwas gerissen, dann bin ich zufrieden. Besser als Torschützenkönig zu werden und abzusteigen.

Zur Person

Sebastian Szimayer (27) ist Stürmer und wurde in Heilbronn geboren. Er spielte in der Jugend für Hoffenheim und wechselte anschließend zu Wehen Wiesbaden, wo er in der dritten Liga zum Einsatz kam. Über die Stationen Großaspach, Mannheim, Neckarelz, Erfurt und Trier landete er nun in Kassel. Szimayer ist in festen Händen.

Am Samstag tritt der KSV Hessen Kassel ab 14 Uhr im heimischen Stadion gegen das Team von Waldhof Mannheim an. Alles rund um das Spiel gibt es auf Kassel Live.

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