Rückzug: KSV-Präsident Jens Rose schafft sich mehr Freiraum

Kassel. Jens Rose wird ab Juni kein Amt mehr beim KSV Hessen Kassel bekleiden. Das erklärte der 50-Jährige am Mittwoch gegenüber unserer Zeitung. Damit wird der Präsident des 1041 Mitglieder zählenden Vereins auch nicht – wie ursprünglich angekündigt – in den Aufsichtsrat wechseln.

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Auch seinen Rückzug kündigte Jens Rose auf seine Art an: beiläufig. Dass er nach der Mitgliederversammlung Ende Mai nicht mehr Vorstandsvorsitzender des KSV Hessen Kassel sein wollte, das hatte er schon häufiger deutlich gemacht.

Er sollte einen Platz im Aufsichtsrat einnehmen. Aber nein, auch den strebe er nicht mehr an, sagte er in einem Nebensatz. Damit steht fest: Jens Rose, der Anfang Februar 50 Jahre alt geworden ist, wird ab diesem Sommer keine offizielle Funktion mehr ausüben bei jenem Verein, der ihm ans Herz gewachsen ist, seit er als Dreijähriger Spiele im Auestadion verfolgt hat.

Mit ihm verlässt ein starkes Stück KSV die erste Reihe des Vereins: Rose prägte den Verein seit der Neugründung 1998 wie kaum ein Zweiter – erst als Mitglied des Aufsichtsrates, seit 2002 als Präsident. Unter seiner Führung schafften die Löwen die Rückkehr in die oberen Bereiche des Fußballs. Sollte der KSV tatsächlich in die dritte Liga aufsteigen, woran Rose nicht zweifelt, so ist das auch sein Werk – zumal die Rahmenbedingungen stimmen: das erneuerte Auestadion, der Kunstrasenplatz an der Damaschkestraße, das neue Vereinsheim.

Jens Rose

„Ich wüsste nicht, was wir noch bauen sollten“, sagt er. Nicht zuletzt deswegen hält er den Zeitpunkt für gekommen, das zu machen, was er schon länger vorhatte: sich zurückzuziehen. Schon einmal scheiterte das Vorhaben: 2008, als Mehmet Göker den Vorsitz übernehmen sollte, dann aber auf einer denkwürdigen Jahreshauptversammlung seinen Verzicht erklärte. Es stand wieder bereit: Jens Rose, obwohl er auch damals schon kaum mehr freie Zeit übrig hatte.

Rose hat schließlich noch ein Leben neben dem KSV. Er ist Geschäftsführer des Gleisbauunternehmens Martin Rose, das sein Großvater vor mehr als 60 Jahren gegründet hat. Er ist heute hier und morgen da – und das bezieht sich jetzt nicht auf Kassel, sondern auf die ganze Welt. Er lässt Gleise verlegen und Haltestellen bauen, er führt den Standort Kassel mit 50 Mitarbeitern und koordiniert die Arbeit aller Beteiligungsunternehmen mit 900 Beschäftigten. Als ihn im August 2010 die Stadt Kassel mit der Goldenen Ehrennadel auszeichnete, wurde er gefragt, welche Gemeinsamkeiten der Gleisbau und der Fußball hätten.

Er antwortete: „Es ist beides sehr anstrengend. Im Gleisbau gibt es keine Wochenenden und Feiertage.“ Im Fußball auch nicht. Auf 15 Stunden in der Woche hat er seinen zeitlichen Aufwand für den Verein beziffert. Da bleibt wenig Raum für die Familie und für andere Hobbys. Mit der Entscheidung gegen ein Amt bei den Löwen schafft sich Rose auch ein bisschen Freiheit.

Von Florian Hagemann

Das ist Gerhard Klapp

Bei seinem Einstieg als Sponsor beim KSV wurde für Gerhard Klapp (63) eine neue Funktion eingeführt: Der Kosmetikunternehmer aus Hessisch Lichtenau ist seit vergangenem Winter zuständig für den Amateurbereich. Er unterstützt – Gerüchten zufolge mit einem sechsstelligen Betrag – den Unterbau der Löwen. Gerüchte besagen auch, dass er nach Jens Roses Rückzug mächtiger wird. Klapp selbst sagt, er strebe kein Vorstandsamt an.

Das ist Giuseppe Lepore

Seinen ersten Arbeitstag beim KSV Hessen hatte er am 3. Januar: Giuseppe Lepore, Geschäftsführer des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen und designierter Nachfolger von Jens Rose. Der gebürtige Karlsruher mit italienischen Wurzeln ist beim KSV zuständig für die Entwicklung von Projekten – immer in Absprache mit dem Aufsichtsrat. Der 37-Jährige entscheidet, was finanziell für den Verein machbar ist. Außerdem gibt er die Marschrichtung im Marketing vor.

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