Beruflich Richtung Düsseldorf

Abschiedsinterview von KSV-Mittelfeldspieler Brian Schwechel: „Ich gehe, wenn es am schönsten ist“

Brian Schwechel (links) und Nael Najjar,  rechts: Alexander Mißbach.
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So haben ihn die KSV-Fans wohl am liebsten gesehen: Brian Schwechel (links) jubelt mit Nael Najjar über einen Treffer. Rechts: Alexander Mißbach.

Brian Schwechel war schon länger klar, dass seine Zeit beim Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel bald zu Ende geht.

Kassel – Mit seinem Bachelor-Studium im Fach Wirtschaftswissenschaften war er fast fertig, noch einmal raus aus Kassel, das war sein Wunsch. Dass es dem 23 Jahre alte Mittelfeldspieler nun so schwerfällt, das hatte er im Sommer aber nicht geahnt. Warum? Das verrät Schwechel im Interview. Zudem erinnert er sich an die schönsten Momente seiner Löwen-Zeit, an drei Trainer und eine KSV-WG.

Haben Sie noch im Kopf, an was Sie am vergangenen Samstag in der Kabine gedacht haben?

Ich weiß, dass ich vorher den Gedanken hatte, dass ich dieses letzte Spiel für den KSV einfach genießen und alles aufsaugen wollte. Es hat sich aber nicht wie ein letztes Spiel angefühlt. Ich glaube, ich realisiere erst so richtig, dass es vorbei ist, wenn die anderen wieder anfangen zu trainieren.

Warum gehen Sie überhaupt? Es läuft hier doch gerade ganz gut.

(lacht) Das stimmt. Für mich beginnt ab dem 1. Februar aber ein Job in Düsseldorf. Ich habe mein Bachelor-Studium hier in Kassel beendet, hatte am Freitag vor dem FSV-Spiel mein Colloquium. Ab Oktober 2022 möchte ich dann den Master machen.

Nicht in Kassel?

Nein, mein Wunsch war es, noch einmal etwas anderes zu sehen. Ich wäre gern ins Ausland gegangen, das hat Corona verhindert. Es war klar, dass ich den Verein im Sommer oder eben nun im Winter verlassen werde. Das habe ich der Sportlichen Leitung auch mitgeteilt.

Das Colloquium war hoffentlich erfolgreich – auch wenn sich der eine oder andere vielleicht gewünscht hätte, dass Sie in Nordhessen noch einmal etwas nachholen müssen?

(lacht) Ich habe mit einer sehr guten Note bestanden.

Glückwunsch!

Danke.

Wenn sie auf Ihre KSV-Zeit zurückblicken: Was bleibt vor allem hängen?

Viele Dinge. Mein erstes Spiel für die erste Mannschaft im Auestadion. Tobi Cramer hat mich gegen Waldhof Mannheim eingewechselt, wir haben 2:1 gewonnen. Das Tor gegen Stuttgart in dieser Saison zum 3:2 in der Nachspielzeit. Aber auch die letzte Partie jetzt. Das war schon sehr emotional.

Sie durften zum Abschied die Kapitänsbinde tragen. Eine schöne Geste.

Klar! Ich habe die vorher nur einmal getragen. Jetzt waren noch mal einige Fans da. Die haben mir bei der Runde nach dem Spiel richtig schöne Worte mitgegeben. Dass Freddy (Frederic Brill, Anm. d. Red.) mir die Binde überlassen hat, war eine tolle Geste. Ich kenne ihn seit meiner ersten Saison für den KSV. Er ist ein super Typ, ein super Kapitän, ein super Freund. Ich habe von ihm sehr, sehr viel gelernt, was auf dem Platz aber auch neben dem Platz angeht. Er ist zurecht schon so lange Kapitän. Was für mich besonders war: Er hat mir die Binde nicht nur so zugeworfen. Man hat gemerkt, dass es ihn gefreut hat, sie mir zu überlassen.

Ist es vielleicht auch diese Geschlossenheit beim KSV, die Sie am meisten vermissen werden?

Die Mannschaft ist etwas Besonderes, und ich werde sie definitiv vermissen. So wie wir Auswärtssiege feiern, so feiert man glaube ich in dieser Liga woanders nicht. Diese Freude durch Erfolgserlebnisse erlebt man ohnehin nirgends im Privatleben so wie im Fußball. Das macht dieses Team aus. Wir machen selbst manchmal Späße: ‘Wir hatten nur 20 Prozent Ballbesitz, die anderen 80. Aber wir haben 3:1 gewonnen.’ Trotzdem muss man sagen, dass wir dieses Jahr einen großen Schritt gemacht haben.

Gibt es zwischen all den lieb gewonnen Kollegen auch Lieblingskollegen?

Mit Alexander Mißbach habe ich viel abseits des Fußballplatzes unternommen, weil wir viele gemeinsame Interessen teilen. Mit Luis Allmeroth habe ich drei Jahre in einer WG gewohnt und dieses Jahr ist Jascha Döringer dazugekommen, mit dem ich mich auch sehr gut verstehe. Mit vielen anderen, die ich jetzt nicht alle aufzählen kann, sind nach so vielen Jahren ebenfalls gute Freundschaften entstanden.

Und wie sieht es mit einem Lieblingstrainer aus?

Tobi Cramer bin ich sehr dankbar, weil er mich damals einfach reingeworfen hat. Er hat mir einen riesigen Vertrauensvorschuss gegeben. Dadurch habe ich viel gelernt, einen riesen Sprung gemacht. Dafür werde ich ihm ewig dankbar sein. Dietmar Hirsch war ja nicht so lange da. Aber er war ein fairer Trainer, das muss man sagen. Die Ergebnisse haben einfach nicht gestimmt. Zwischen Dammi (Tobias Damm, Anm. d. Red.) und mir hat es ein bisschen gedauert, was auch daran lag, dass Alban Meha da war und gespielt hat. Ihm bin ich vor allem extrem dankbar für das vergangene halbe Jahr. Deswegen konnte ich mich so verabschieden, wie man es möchte: mit guten Leistungen. Nicht vergessen darf man aber Alfons Noja und Claus Schäfer, die meine Jugendzeit beim KSV geprägt haben. Auch da war der Zusammenhalt sehr gut.

Tobias Damm hat zuletzt gesagt, wir haben in den vergangenen Wochen den besten Brian Schwechel seit Ihrem Debüt 2017 gesehen. Hat er recht?

Da kann ich ihm zustimmen. In den Spielen zuletzt hatte ich zwar meine Entscheidung im Kopf, dennoch konnte ich gute Leistungen abrufen und habe es auch ab und zu mal auf die Scorerliste geschafft. Ich konnte mit Selbstvertrauen und einer anderen Selbstverständlichkeit auftreten als in den Spielzeiten zuvor. In meiner ersten Saison habe ich auch gute Spiele gemacht. Aber da habe ich noch einfacher, unauffälliger agiert. Jetzt habe ich mir mehr zutrauen können, womit ich der Mannschaft mehr helfen konnte. Das macht den Schritt, zu gehen, noch schwerer. Ich gehe, wenn es am schönsten ist.

Auch in Düsseldorf kann man ja Fußball spielen.

Klar, ich möchte weiterhin so hoch spielen, wie es geht. Aber ich weiß noch nicht, ob es mit der Oberliga klappt, vielleicht noch eine Liga runter, da ich nun viel arbeiten muss, die Wechselfrist am 31. Januar endet, der Job aber erst am 1. Februar beginnt. Ich kann also nicht schauen, was nebenbei möglich ist. Ich habe mich tatsächlich noch nicht um einen neuen Verein gekümmert. Zuletzt hat Fußball das Leben bestimmt, jetzt kann ich mein Leben selbst bestimmen.

Zum Schluss: Ist es vielleicht nur ein Abschied auf Zeit vom KSV?

Erst mal nicht. Aber man soll niemals nie sagen. Sollte ich irgendwann wieder in Kassel landen, würde ich sehr gern wieder für den KSV spielen. (Maximilian Bülau)

Zur Person

Brian Schwechel (23) machte 2017 sein erstes Spiel für die erste Mannschaft des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel. Seitdem sind 119 weitere dazugekommen. Der zentrale Mittelfeldspieler erzielte in dieser Zeit sieben Tore. Schwechel ist in festen Händen. 

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