Interview: Klaus Zaczyk über Helmut Schön, Udo Lattek, Rudi Gutendorf, den HSV und den KSV

„Ich hätte Uwe fast gesiezt“

Flanke aus vollem Lauf: Klaus Zaczyk (links) im Trikot des Karlsruher SC gegen Rudi Assauer, der damals für Borussia Dortmund spielte. Fotos: privat

Kassel. Ein Länderspiel, 400 Bundesliga-Spiele, DFB-Pokalsieger, Europapokalsieger der Pokalsieger: Klaus Zaczyk, der von 1978 bis 1982 das Trikot des KSV Hessen trug, blickt auf eine grandiose Karriere als Fußball-Profi zurück. Vor seinem 70. Geburtstag, den er am Pfingstmontag feiert, haben wir mit Zaczyk gesprochen, der seit 20 Jahren wieder in Hamburg lebt.

Herr Zaczyk, am Anfang stehen zwei Quizfragen. Wie hieß beim Bundesligastart 1963 der jüngste Spieler, und wie alt war der?

Zaczyk: Der jüngste Spieler beim Bundesligastart hieß Klaus Zaczyk und war 18 Jahre und drei Monate alt.

Erzählen Sie uns bitte vom 21. Februar 1967.

Zaczyk: Da war das Länderspiel gegen Marokko in Karlsruhe. Ich wurde in der 46. Minute eingewechselt und erzielte sieben Minuten später per Kopf den 3:1-Zwischenstand. Dabei habe ich nur alle drei Jahre ein Kopfballtor gemacht. Unsere Mannschaft, in der auch Franz Beckenbauer, Wolfgang Overath und Jupp Heynckes spielten, gewann übrigens 5:1.

Warum ist es bei diesem einen Länderspiel geblieben?

Zaczyk: Die Antwort hat der damalige Bundestrainer Helmut Schön mit ins Grab genommen. Ich habe in Karlsruhe, Nürnberg und Hamburg fast immer gute Kritiken bekommen, und Schön hat mir auch immer wieder Hoffnungen gemacht, aber schließlich ist es zu keinem Länderspiel mehr gekommen. Schön hat mich sehr enttäuscht..

16. August 1969: Sie machen Ihr erstes Spiel für den HSV, und der Mann, der Ihnen beim Anstoß den Ball zuschiebt, ist das Idol Ihrer Jugend. War es schwer, sich bei soviel Emotionen auf das Spiel zu konzentrieren?

Zaczyk: Ich war drauf und dran, Uwe Seeler zu siezen. Das Idol meiner Jugend war plötzlich mein Nebenspieler. Darauf war ich sehr stolz.

1970 gehörten Sie zum vorläufigen 40-köpfigen Aufgebot für die WM in Mexiko. Unter den 22 Spielern, die für die WM nominiert wurden, waren Sie jedoch nicht. Was hat damals überwogen. Der Stolz, zu den 40 besten deutschen Fußballspielern zu zählen, oder die Enttäuschung darüber, eine große Chance verpasst zu haben?

Zaczyk: Die Enttäuschung war größer. Ich war ja der Meinung, dass ich es verdient hatte, zu den 22 Auserwählten zu gehören. Wie gesagt, Herr Schön hat nicht mit mir gesprochen.

In der Saison 1977/78 waren Sie Stammkraft beim HSV. Dennoch sind Sie zum KSV Hessen in die 3. Liga gegangen. Warum?

Zaczyk: In Kassel wurde mir eine Versicherungsagentur angeboten. Ich war damals 33 und musste an meine berufliche Zukunft außerhalb des Fußballs denken. Allerdings wäre ich nicht gekommen, wenn ich vorausgesehen hätte, dass die Sache schiefgehen würde.

Was ist denn schiefgegangen?

Zaczyk: Der KSV hatte mir seine Unterstützung zugesagt, aber die ist ausgeblieben.

Dann sind Sie zum CSC 03 gegangen.

Zaczyk: Das hatte wieder mit beruflichen Perspektiven zu tun. Dadurch konnte ich eine Tennishalle pachten. Aber irgendwann war der Boris-Becker-Boom vorbei, niemand wollte mehr Tennis spielen, und ich bin nach Hamburg zurückgegangen.

Sie blicken auf eine glanzvolle Karriere als Fußballprofi mit ungezählten Höhepunkten zurück. Gibt es dennoch einen Moment, der herausragt?

Zaczyk: Das Länderspiel gegen Marokko mit meinem Kopfballtor war das Größte.

Welcher Trainer war der beste, den Sie hatten?

Zaczyk: Ich würde gern zwei nennen. Dettmar Cramer und Udo Lattek. Beide hatte ich leider nie im Verein, sondern nur beim DFB, als ich Jugend-Nationalspieler war.

Und welcher Trainer hatte gar keine Ahnung?

Zaczyk: Rudi Gutendorf. Den hatte ich beim HSV. Es war chaotisch.

Nach Ihrer Profikarriere waren Sie Vorstandsfahrer bei der Vereins- und Westbank in Hamburg. Waren Sie schlecht im Geldanlegen?

Zaczyk: Welches Geld sollte ich anlegen? Damals haben wir nicht soviel verdient, dass wir davon auch nach der Karriere noch hätten leben können.

Vermutlich kommt es im Sommer noch zum Freundschaftsspiel zwischen dem KSV und dem HSV. Interessieren Sie sich noch für Ihre Ex-Klubs?

Zaczyk: Für den HSV sehr. Ich bin fast bei jedem Spiel im Stadion.

Es droht der erste Abstieg aus der 1. Liga. Was lief schief?

Zaczyk: Der HSV hatte in den letzten Jahren die falschen Trainer. Der Tiefpunkt war, als einige Spieler von der 3. Mannschaft des FC Chelsea im Kader standen. Es war fürchterlich.

Und der KSV?

Zaczyk: Ich bin selten in Kassel. Manchmal treffe ich mich mit Bernd Lichte, Manfred Grawunder und Winni Döring. Dann sprechen wir auch über den KSV. Trotzdem kann ich über die aktuelle Situation nicht viel sagen. Aber früher war der KSV dafür bekannt, dass die Vorstandsmitglieder keine Ahnung hatten. Ein Beispiel von 1985: Nach dem knapp verpassten Aufstieg in die 1. Liga hat der beste Spieler, Helmut Hampl, keinen neuen Vertrag bekommen. Das Alter war wichtiger als die Leistung.

Von Gerd Brehm

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