Pleite, Platzverweis, Tor des Monats

KSV Hessen: Derby-Frust und Merle-Lust

Tobias Damm (links) und Ingmar Merle.
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Der Trainer und sein Spieler: KSV-Coach Tobias Damm (links) und Ingmar Merle.

Es gab nicht nur schlechte Nachrichten für den KSV: Das Derby gegen Offenbach ging zwar deutlich mit 0:4 verloren, dafür ist Ingmar Merle erneut zum Torschützen des Monats in der ARD nominiert. 

Kassel – Nein, die Hessenderbys gegen Kickers Offenbach waren in dieser Saison nicht die Spiele der Löwen. Im ersten Vergleich unterlag das Team von Trainer Tobias Damm deutlich mit 1:5, und auch am Samstag im Auestadion war beim 0:4 aber mal so gar nichts zu holen. Besonders bitter: Adrian Bravo Sanchez handelte sich kurz vor der Pause noch eine Gelb-Rote Karte ein.

Damit aber genug der negativen Nachrichten. Denn zu feiern gab es auch etwas: Ingmar Merle ist nach seiner Wahl zum Tor des Monats März erneut von der ARD in die Auswahl aufgenommen worden. Vor gut einer Woche bedeutete sein Volleytreffer von der Strafraumgrenze zum 3:2 in Großaspach den Schlusspunkt einer erfolgreichen Aufholjagd. Nun also kann der 31-Jährige auch die Auszeichnung für den Monat April gewinnen. Mit in der Verlosung sind Lukas Görtler (FC St. Gallen), Sascha Mölders (1860 München), Julia Matuschewski (1. FC Saarbrücken) und Ondrej Duda (1. FC Köln).

Die Nominierung: „Inge“ und das Tor des Monats

Während der 90 Minuten gegen Offenbach hatte auch Ingmar Merle wenig Freude. Besser gesagt: Während der 68. Dann wechselte Trainer Tobias Damm seinen angeschlagenen Außenverteidiger aus, Alexander Mißbach kam ins Spiel. Doch für Merle gab es am Samstag dann doch noch etwas zu feiern: seine erneute Nominierung.

Merles Treffer zum 3:2 gegen Großaspach am Wochenende zuvor – eine wunderschöne Direktabnahme von der Kante des Sechzehnmeterraums, die am Ende auch den Sieg brachte – ist in der Auswahl zum Tor des Monats April der ARD-Sportschau. Merle sagte zu Spiel und Nominierung: „An solchen Tagen muss viel passen in der jetzigen Phase. Auch auf der physischen Seite. Wir müssen aus diesen Spielen lernen. Der Rest ist eine schöne Sache. Mal sehen, was dabei herauskommt.“

Es ist noch nicht allzu lange her, dass der 31-Jährige die Medaille für das Tor des Monats März bekam – inklusive Videodreh und T-Shirt-Aktion. Sollte es auch jetzt wieder für den besten Treffer des Monats reichen, dann wäre Merle in einer illustren Runde. Zweimal in Folge, das ist bislang nur acht Fußballern gelungen: Bernd Rupp (1973), Gerd Müller (1976), Allan Simonsen (1977), Stefan Kuntz (1993), Jürgen Klinsmann (1994), Arjen Robben (2010), Raul (2012) und Marcel Risse (2016).

Damit das klappt, braucht „Inge“ erneut Unterstützung aus der Region. Sein Tor hat die Nummer drei. Abstimmen ist möglich bis zum 15. Mai, 19 Uhr, auf der Webseite www.sportschau.de oder unter der Nummer 0 13 71 / 36 900. Wer für Merle stimmen möchte, muss zusätzlich die Endziffer „3“ wählen.

Das Derby: Schlecht angefangen, schlecht weitergemacht

„Von der ersten Minute an lief dieses Spiel gegen uns. Wir haben zu viele einfache Fehler gemacht, und die darfst du dir gegen diese brutale Qualität nicht erlauben. Der Gegner war heute ganz klar eine Nummer zu groß“, sagte Tobias Damm nach dem Schlusspfiff. Der Trainer war sicht- und hörbar angegriffen nach der 0:4-Klatsche im Derby gegen Offenbach. Kein Wunder, zusammenfassen ließ sich der Auftritt des KSV Hessen schließlich so: schlecht angefangen, ebenso schlecht weitergemacht.

Statt der Revanche für das 1:5 im Hinspiel kasssierten die enttäuschenden Gastgeber eine Niederlage, mit der sie angesichts der Vielzahl an Chancen für die Gäste sogar gut bedient waren. Offenbach spielte auch bärenstark. Ließ den Löwen etwas Platz im Mittelfeld, stand aber defensiv so sicher, dass der KSV in der ersten Hälfte nur bei einem Freistoß von Ingmar Merle den Ball auf das OFC-Tor brachte. In der zweiten Hälfte war dann der Kopfball von Nils Pichinot nach einem Freistoß von Mahir Saglik (66.) die einzige richtige Chance der Gastgeber.

Ansonsten spielte nur Offenbach. Und vor allem: Der Tabellenzweite nutzte gnadenlos und effektiv die Fehler, die die Kasseler machten. Und sie machten viele, den richtungsweisenden bereits in der Anfangsphase: Offenbach bekam im Mittelfeld einen Freistoß, führte blitzschnell aus. Der Ball kam zu Mathias Fetsch, der unbedrängt in den Strafraum gehen durfte. Auch Nicolas Gröteke kam zu zögerlich aus seinem Tor, wurde umspielt.

In der fünften Minute lagen die Löwen bereits hinten. Und irgendwie waren sie da auch schon geschlagen. „Offenbach war einfach zu gut und unglaublich effizient. Um gegen sie zu punkten, brauchst du einen überragenden Tag, aber den hatten wir nicht“, sagte Nael Najjar.

Zur Pause führten die Gäste bereits 3:0. Beide Treffer fielen wie der erste viel zu einfach. Sebastian Zieleniecki köpfte einen Freistoß ebenso problemlos ein (32.) wie Tunay Deniz die Flanke von der linken Seite (41.). Zu allem Überfluss sah Adrian Bravo Sanchez kurz vor der Pause noch Gelb-Rot (Artikel unten). So geriet der zweite Durchgang zum Schaulaufen, bei dem Denis Huseinbasic nach einem Konter den Endstand herstellte.

Der Platzverweis: Gelb, Gelb-Rot

Es sind Szenen, die selten sind. Wenn der Schiedsrichter in einer Situation erst die Gelbe, dann die Gelbe und die Rote Karte zückt. Gelb, Gelb-Rot – so geschehen in der ersten Minute der Nachspielzeit der ersten Hälfte. Vom Platz musste Adrian Bravo Sanchez. Der hatte vorher Offenbachs Keeper Stephan Flauder angerempelt, war anschließend zu Boden gegangen. Was war passiert?

„Der Torwart lässt sich Zeit, hat den Ball in der Hand. Natürlich war da beim Stand von 0:3 auch etwas Frust dabei. Aber er tritt nach, mir in die Wade“, sagt Bravo Sanchez und zeigt die langen Striemen am Bein, die Flauder hinterlassen hat. „Als ich dann gesehen habe, dass er nur Gelb bekommt, habe ich zum Schiri ‘Starke Aktion’ gesagt. Dafür hat er mir dann die zweite Gelbe gegeben“, erklärt der Mittelfeldspieler. „Das war dumm von mir. Mit 27 Jahren muss ich da ruhig sein. Aber der Schiedsrichter ist uns gegenüber ziemlich arrogant aufgetreten.“ (Frank Ziemke, Torsten Kohlhaase und Maximilian Bülau)

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