Fragen und Antworten zur Lage

Wie steht es finanziell wirklich um den KSV Hessen Kassel?

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Die KSV-Fahne in Unruhe: Während die Löwen in der Regionalliga eine richtig gute Saison spielen, scheinen finanziell die Zeichen des Klubs auf Sturm zu stehen.

Kassel. Sportlich läuft es: Der KSV Hessen Kassel spielt in der Fußball-Regionalliga eine gute Rolle, hat sein neues Konzept erfolgreich und sympathisch vorangetrieben. Finanziell aber scheinen die Zeichen auf Sturm zu stehen.

Der Verein will sich in dieser Woche äußern – wohl auch zu den Gerüchten über einen anstehenden Gang in die Insolvenz. Der Überblick:

Wieso ist die Finanzmisere des Vereins jetzt zum Thema geworden? 

Alles begann mit dem Appell der Vereinsführung vor dem Koblenzspiel am Ostermontag. Wieder einmal wurde die Region aufgefordert, ein Zeichen zu setzen für den Regionalliga-Fußball. Es folgte eine intensive Diskussion im Internetforum des Vereins sowie in einem Fanblog. Themen: Einleitung einer Planinsolvenz. Rückzug in die Hessenliga. Mittlerweile verdichten sich die Anzeichen, dass der Klub sich intensiv mit einem Insolvenzantrag befasst.

Wie stellt sich die Lage bei den Löwen derzeit da? 

Sportlich ist alles im Lot. Der KSV ist weit weg von den Abstiegsplätzen. Ansonsten aber sieht es wenig rosig aus. Die Zuschauerzahl ist mit einem Schnitt von rund 1800 nicht schlecht, aber es gelingt eben nicht mehr, das Auestadion zu füllen. Von 7000 Zuschauern wie am Sonntag beim Derby in Offenbach kann der KSV nur träumen.

Ähnlich sieht es bei der Suche nach einem Hauptsponsor aus. Die Hoffnungen, dass Volkswagen den Löwen doch treu bleibt, sollen sich endgültig zerschlagen haben. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Trikotsponsor Eisenbach will sein Engagement offenbar nicht erweitern. Einer der Gründe, warum die Sponsorensuche so schwer ist: Angesichts des Schuldenberges von rund zwei Millionen Euro besteht die Sorge, in ein Finanzloch statt in den Sport zu investieren.

Was bedeutet eigentlich der Begriff Planinsolvenz? 

Die Möglichkeit einer Planinsolvenz sieht die Insolvenzverordnung seit 1999 vor. Der Antrag auf Insolvenz wird beim zuständigen Amtsgericht direkt mit dem erstellten Insolvenzplan eingereicht. Dieser „Pre-Packed-Plan“ enthält Vorschläge, wie das Unternehmen saniert werden kann, die der Insolvenzverwalter dann unter gerichtlicher Aufsicht umsetzt. Statt einer Zerschlagung bringt dieser Insolvenzplan häufig den Erhalt des Betriebes mit sich. Über die Annahme entscheidet die Gläubigerversammlung. Wird dies verfehlt, droht ein Regelinsolvenzverfahren mit der Liquidierung des Unternehmensvermögens. Wird dafür gestimmt, kann die alte Geschäftsführung bleiben, und der Insolvenzverwalter übt nur noch eine beaufsichtigende und beratende Funktion aus.

Welche Konsequenzen hätte eine Planinsolvenz auf die sportliche Situation des KSV in der Regionalliga Südwest? 

„Das aktuelle Beispiel von Kickers Offenbach kann hier gut herangezogen werden. Entscheidend für den in der Spielordnung festgelegten Abzug von neun Punkten im Insolvenz-Fall ist der Zeitpunkt der Antragsstellung“, sagt Felix Wiedemann, stellvertretender Geschäftsführer der Regionalliga Südwest. Und weiter: „Der Antrag auf Insolvenz muss bis drei Tage nach dem letzten Saisonspiel eingegangen sein, damit der Punktabzug noch in der aktuellen Spielzeit in Kraft tritt.“ Heißt: Am 20. Mai spielt der KSV in Saarbrücken, spätestens am 23. Mai müsste die Insolvenz angemeldet sein.

Wäre der freiwillige Rückzug in die Hessenliga ein sinnvoller Schritt? 

Zunächst einmal: Gezwungen wird der KSV dazu im Zuge einer Planinsolvenz nicht. „Kassel könnte weiter Regionalliga spielen, da wir kein wirtschaftliches Bewerbungsverfahren wie in der Dritten Liga haben. In der Regionalliga muss ausschließlich eine Bankgarantie in Höhe von 35.000 Euro geleistet werden“, sagt Wiedemann. Sinnvoll erscheint ein freiwilliger Rückzug nicht. Die Regionalliga bietet das attraktivere Umfeld für eine Sanierung. Und: Der eingeschlagene sportliche Weg würde abrupt gestoppt.

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