Interview zum 65.Geburtstag

Torjäger Helmut Hampl: "Ich wollte kein Vollprofi sein"

Knapp gescheitert: Helmut Hampl kommt gegen Hannovers Torwart Ralf Raps zu spät. Szene aus dem Zweitligaspiel zwischen dem KSV Hessen und Hannover 96, das 1985 2:2 endete. Nach einem 0:2 in Nürnberg hatte der KSV den Aufstieg knapp verpasst.

Kassel. Sieben Jahre (1978 bis 1985) hat er das Trikot des KSV Hessen getragen und in 228 Spielen 103 Tore erzielt. Helmut Hampl, der heute 65 wird, ist damit der drittbeste KSV-Schütze nach Thorsten Bauer (161) und Toni Hellwig (120).

Herr Hampl, als Sie noch ein bisschen jünger und Mittelstürmer waren und in aussichtsreicher Position an den Ball gekommen sind, war klar, dass ein Tor fallen würde. Verraten Sie uns Ihr Erfolgsgeheimnis? 

Helmut Hampl: Mein linker Fuß war mein starker, aber ich konnte auch mit rechts mit dem Ball umgehen. Das war sehr wichtig. Oft habe ich mir den Ball von links auf rechts gelegt. Damit habe ich die Gegenspieler meistens überrascht. Zudem bin ich nie nervös geworden, wenn ich eine Torchance hatte. Häufig ist es mir sogar gelungen, den Torwart zu beobachten.

Torjäger wurden auch damals in allen Ligen verzweifelt gesucht. Warum haben Sie nie in der Bundesliga gespielt? 

Hampl: Ich hatte schon als 18-Jähriger ein Angebot vom VfB Stuttgart. Später dann von Rot-Weiß Essen. Aber ich wollte kein Vollprofi sein, weil ich meinen Beruf als Technischer Zeichner so gern ausgeübt habe. In der Bundesliga aber war es nicht möglich, neben Fußballspielen eine weitere Tätigkeit auszuüben.

Als Sie 1978 nach Kassel gekommen sind, spielte der KSV Hessen in der Oberliga. Diese Liga war damals drittklassig. Viele KSV-Fans konnten gar nicht fassen, einen so begabten Spieler in der Mannschaft zu haben. Was war so reizvoll an der Aufgabe in Kassel? 

Hampl: Der Klub hat mir einen Arbeitsplatz als Technischer Zeichner in einer Lohfeldener Tiefbaufirma vermittelt. Zudem hatte ich das Gefühl, dass der KSV nicht mehr lange in der Oberliga spielen würde. Wir sind dann 1980 tatsächlich in die 2. Bundesliga aufgestiegen, und die Begeisterung der Fans war außergewöhnlich. Nie habe ich bereut, nach Kassel gekommen zu sein. Es war die schönste Zeit in meiner Karriere.

Wenn Sie an Ihre Kasseler Zeit denken: An was erinnern Sie sich besonders gern? 

Hampl: Da fällt mir zuerst der 20. August 1983 ein. Damals habe ich in Saarbrücken drei Tore innerhalb von vier Minuten erzielt.

Gibt es auch unschöne Erinnerungen? 

Hampl: Leider hat unser Trainer Jörg Berger in meiner letzten Saison beim KSV nicht mehr auf mich gesetzt. Berger wollte die Mannschaft verjüngen, und ich war damals 34. Aber ich war so fit wie mit 24 und sehr enttäuscht, dass unser Trainer mehr auf das Geburtsdatum als auf die Leistung geachtet hat.

Haben Sie noch Kontakte nach Kassel? 

Hampl: Nicht sehr viele. Zu den wenigen Ausnahmen zählt Erich Balders, der damals unser Manager war.

Sie waren neulich beim Pokalspiel gegen Hannover 96 im Auestadion. Was sagen Sie zur aktuellen Situation beim KSV Hessen? 

Hampl: Der KSV hat gegen Hannover sehr gut mitgehalten und hätte vermutlich gewonnen, wenn er in Führung gegangen wäre. Die Leistung gegen Hannover stimmt mich optimistisch. Ich glaube, dass der Aufstieg in die 3. Liga früher oder später drin ist.

Vor zehn Jahren haben Sie Nordhessen verlassen. Warum? 

Hampl: Damals ging es mir gesundheitlich nicht so besonders. Ich brauchte eine Veränderung, und es sollte ein gravierender Schritt werden. Seitdem lebe ich pro Jahr mehr als sechs Monate in Thailand. Die restliche Zeit verbringe ich bei einer meiner beiden Töchter in einem kleinen Ort in der Oberpfalz.

Warum Thailand? 

Hampl: Weil Thailand das schönste Land der Welt ist und weil es dort immer warm ist. Mein liebstes Hobby ist Motorradfahren. Darauf müsste ich in Deutschland im Herbst und im Winter verzichten, aber in Thailand kann ich immer Motorradfahren. Zudem kann ich von dort aus andere Länder in Südostasien bereisen. Ich bin auch gern in Laos, Kambodscha oder Malaysia.

Haben Sie Pläne? Wollen Sie für immer in Thailand bleiben oder irgendwann nach Deutschland zurückkehren? 

Hampl: Vorerst ist nichts anderes geplant, als in Thailand zu bleiben. Vermutlich werde ich dort sein, solange ich gesund bin.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.