Vorbereitung, Verkleidungsschränke und ein gutes Gefühl

Ein Cowboy nur im Karneval: Interview mit KSV-Trainer Matthias Mink

Kassel. Der Start in die Rest-Runde der Fußball-Regionalliga Südwest rückt näher für den KSV Hessen Kassel.

In knapp zwei Wochen, am 28. Februar, findet das erste Spiel statt - bei Wormatia Worms. Die Löwen machten in der fast abgeschlossenen Vorbereitungsphase einen sehr guten Eindruck. Wir sprachen mit ihrem in Köln wohnhaften Trainer Matthias Mink - an einem Rosenmontag!

Herr Mink, es ist Karneval. Sie sind nicht in Köln. Sie tragen nicht mal eine Pappnase. Was ist los?

Mink: Ganz einfach: Die Arbeit geht vor. Zwei Wochen vor dem Saisonstart nehmen wir unseren gewohnten Wochen-Rhythmus auf. Und da wird montags zweimal trainiert.

Sie und Ihre Familie leben schon lange in Köln, Sie stammen aber aus dem Schwarzwald. Haben Sie mit Karneval etwas am Hut?

Mink: Ich bin mit dem Karneval aufgewachsen, wenn auch mit der alemannischen Fassnacht. Ich mag das, wenn auch nicht in dem Umfang. Aber am Sonntag waren wir beim Stadtteilzug in Köln-Lövenich.

In welcher Verkleidung?

Mink: Ich bin da gelassen. Ich gehe kurz vorher an den Verkleidungsschrank. Diesmal habe ich Perücke und Cowboyhut herausgezogen.

Sie haben einen Verkleidungsschrank?

Mink: Natürlich. Meine Frau ist Kölnerin. Sie lebt den Karneval.

Ganz unverkleidet trainieren Sie derzeit eine Mannschaft in ausgezeichneter Frühform. Macht Ihnen das fast schon Angst?

Mink: Nein, das nicht. Aber es fehlt natürlich der Lohn, den das Tagesgeschäft für gute Leistungen bringt. Wie wir derzeit auftreten, das gibt mir und der Mannschaft aber einfach ein gutes Gefühl.

Für den KSV geht es ja weder gegen den Abstieg noch um den Aufstieg. Woher nehmen die Spieler die Motivation?

Mink: Aus neuen Dingen, die sie erlernen, etwa im taktischen Bereich. Und aus der Weiterentwicklung mit Blick auf die kommende Saison, in der wir wieder höhere Ziele stecken. Die Spieler müssen sich jetzt zeigen und empfehlen. Sie werden das auch tun, denn diese Mannschaft hat einen sehr guten Charakter.

Was sagen Sie den Fans, warum Sie ins Stadion kommen sollen?

Mink: Sie haben ja bereits in der Vorrunde gesehen, dass wir in der Lage sind, Highlights zu setzen. Wir haben jetzt einen weiteren Schritt gemacht, unser System verfeinert. Es wird interessant sein, was wir anbieten. Wir wollen attraktiv spielen, müssen aber natürlich auch Ergebnisse liefern. Also: Schauen Sie sich unseren Fußball an.

Sie stehen jetzt vor der Aufgabe, eine erste Elf zu wählen. Alle Spieler sind fit. Alle präsentieren sich hervorragend. Wie schwer wird das?

Mink: Die Mannschaft macht mir das wirklich nicht leicht. Es ist sehr eindrucksvoll, wie gesund wir durch die Vorbereitung gekommen sind. Es gab ja keinen Einzigen, der mehrere Tage gefehlt hat. So etwas habe ich noch nie erlebt. Wir hoffen, dass wir nun die besten Entscheidungen fair und gerecht treffen.

In der Nationalmannschaft gibt es den Leitsatz: Sind zwei gleichstark, nehme ich den Jüngeren. Wie ist das bei Ihnen?

Mink: Bei mir spielt der Bessere - abgestimmt auf Taktik, Gegner und Spielsystem. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Löw sich komplett von solchen Plattitüden leiten lässt.

Also kann auch ein Spieler wie Enrico Gaede hoffen, noch einmal eine gute Rolle zu spielen?

Mink: Enno macht derzeit einen sehr runden Eindruck. Er hat alle Möglichkeiten, sich für einen weiteren Vertrag zu empfehlen. Wir werden jetzt bald damit beginnen, die ersten Perspektivgespräche zu führen. Sein Problem ist einfach: Im Zentrum sind wir super besetzt. Der Konkurrenzkampf ist dort sehr groß.

Gab es Gewinner dieser Vorbereitung?

Mink: Nein, einzelne Gewinner nicht. Alle haben das sehr gut gemacht. Gewinner ist also die Leistungsdichte. Aber nehmen wir Marco Dawid. Er stand bisher nicht so im Vordergrund, musste sich über die zweite Mannschaft empfehlen. Er hat in der Vorbereitung für sich selbst Highlights gesetzt. Das hat ihn deutlich näher herangebracht.

Nochmal zurück zum Karneval. Müssen Sie beim KSV auch manchmal den Cowboy geben?

Mink: (lacht) Nein, das ist nicht nötig. Ich bin der Trainer. Das reicht aus.

Zur Person

Matthias Mink (47) geboren in Villingen/Schwarzwald, ist Trainer des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel. Er besitzt die Fußballlehrer-Lizenz, die er 2010 an der Hennes-Weisweiler-Akademie in Köln erwarb. Mink kam von Bayer Leverkusens U 23 nach Kassel, vorher trainierte er vier Jahre lang Fortuna Köln, wo er auch den Großteil seiner Spieler-Laufbahn absolvierte. Zwischen 1992 und ’99 bestritt er insgesamt 156 Zweitliga-Spiele als Verteidiger. Mink ist verheiratet, hat drei Kinder. Die Familie lebt in Köln, Mink hat eine Wohnung in Kassel und ist Pendler zwischen dem Rheinland und Nordhessen.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.