„Wir sind nicht die Bösen“

Jens Rose und Dr. Fritz Westhelle im Interview über KSV Hessen Kassel: „Das betrifft ja in Hessen die gesamte Landesebene"

+
Wird ein Gericht entscheiden? Der KSV Hessen Kassel erwägt rechtliche Schritte gegen die Regionalliga. (Symbolbild)

Fußball-Hessenligist KSV Hessen Kassel geht auf Konfrontationskurs. In einem Brief an den Geschäftsführer der Regionalliga Südwest drohen die Nordhessen offen damit, den Klageweg zu beschreiten. Grund ist der drohende Saisonabbruch. 

  • KSV Hessen Kassel droht mit Klage
  • Grund: Der Verein wird nach eigener Ansicht unfair behandelt
  • Hintergrund ist der drohende Abbruch der Fußballsaison 

Kassel - In einem Brief an den Geschäftsführer der Regionalliga Südwest, Sascha Döther, drohen die Nordhessen offen damit, den Klageweg zu beschreiten, sollte ihnen die Aufstiegs-Möglichkeit verwehrt bleiben. Wir sprachen mit Vorstand Jens Rose sowie Aufsichtsrat und Rechtsanwalt Dr. Fritz Westhelle über die Beweggründe.

Herr Rose, kann es sein, dass der KSV sich im hessischen Fußball und bei den Gesellschaftern der Regionalliga gerade etwas unbeliebt macht?

Rose: Da gehen wir fest von aus. Aber wir sind nun mal der Meinung, dass hier gegen geltendes Recht verstoßen wird.

KSV Hessen Kassel: Ungerecht behandelt 

Warum wird der KSV Ihrer Ansicht nach ungerecht behandelt?

Rose: Weil wir bei der jetzt angedachten Auf- und Abstiegsregelung komplett missachtet werden. Die Relegationsplätze einfach außen vor lassen, das geht nicht.

Westhelle: Weil Paragraf 46 der Spielordnung klar sagt, dass für die Ermittlung des Meisters alle Spiele durchgeführt werden müssen. Danach kann es also beim Saisonabbruch keinen Meister geben. Die Saison dürfte so nicht gewertet werden. Wir haben natürlich absolut nichts dagegen, dass man nun versucht, vernünftige Lösungen zu finden. Aber die müssen halt auch rechtlich zulässig sein. Im angedachten Vorschlag gilt: Die Ersten werden beschenkt, Absteiger werden beschenkt. Nur die Mannschaften auf den Relegationsplätzen gehen leer aus.

Herr Westhelle, Sie berufen sich in dem Schreiben auf den juristischen Grundsatz, dass es eine Gleichheit im Recht gibt, aber keine Gleichheit im Unrecht. Können Sie das für Laien erklären?

Westhelle: Nehmen Sie das Beispiel Falschparken. Wenn das Auto vor Ihnen auch falsch parkt, der Halter aber ungestraft davonfahren darf, weil er sich beschwert, dann erwächst für Sie nicht automatisch das Recht, auch ungestraft davonzukommen. Im Unrecht gibt es also keinen Anspruch auf Gleichheit. Im Recht dagegen schon.

Der KSV kämpft also für die Gleichheit im Recht?

Westhelle: So ist es. Das fordern wir ein. Der KSV hat als Zweiter zu einem Drittel das Aufstiegsrecht erworben.

Sie haben als Insolvenzverwalter der Huskies 2010 bereits sportliche Erfahrungen gemacht. Es ging um den Verbleib der Eishockeyspieler in der DEL. Am Ende blieb eine Niederlage. Sind die Fälle vergleichbar?

Westhelle: Damals mit den Huskies, da habe ich mich wahnsinnig geärgert. Wir hatten die DEL an der Wand. Da ging es dann um unlautere Tricks, die heute gar nicht mehr zulässig wären, und in deren Folge das Insolvenzverfahren der Huskies verzögert wurde. In dem Brief an die Regionalliga habe ich deshalb extra auf die Folgen von Verzögerungstaktiken hingewiesen. Wir würden in einem solchen Fall entstehende finanzielle Schäden einklagen.

KSV Hessen Kassel: Kommt die Klage?

Wie wäre denn im Fall, dass der KSV tatsächlich klagen müsste, die Vorgehensweise?

Westhelle: Im ersten Schritt werden wir versuchen, eine einstweilige Anordnung zu erwirken. So etwas kann sehr schnell entschieden werden. Ich sage Ihnen aber auch ehrlich: Ich bin kein Sportrechtler. Es kann gut sein, dass wir jemand anderen hinzuziehen werden.

Der KSV hatte auf eine Quotientenregelung auch in der Relegation gehofft. Aber ist die wirklich anlegbar?

Rose: Warum nicht? Einer der Zweitplatzierten hat nun mal das Aufstiegsrecht. Uns rufen mittlerweile Vereine in ähnliche Situationen an. Das betrifft ja in Hessen die gesamte Landesebene.

Westhelle: Es ist ja vieles paradox. Den Kreispokal wollen sie ausspielen, die Relegation nicht. In der Regionalliga steht Koblenz mit fünf Punkte schon vor Corona fast als Absteiger fest. Und die sollen jetzt drin bleiben? Wir aber haben sportlich ein Drittel Aufstiegsrecht erworben. Und sollen nicht aufsteigen dürfen.

KSV Hessen Kassel: "Nicht als gedacht"

Dass im Schreiben des KSV auch ein zweiter Antrag auf Nicht-Wertung der Saison erwähnt wird, ist so schon eine Drohgebärde, oder?

Rose: Nein, das ist nicht als Drohung gedacht.

Westhelle: Es ist nur eine Feststellung der Tatsachen. Wir sind nicht die Bösen. Wir hoffen aber, dass die, die dann betroffen wären, sich unserer Meinung anschließen.

Wie sähe für Sie das bestmögliche Szenario aus für die Wertung der Saison?

Westhelle: Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder steigt keiner auf oder alle Zweiten. Das würde dann eine lange, aber interessante Saison. Darauf hoffe ich.

Rose: Ganz einfach: Wir bekommen das, was uns sportlich zusteht, und wir steigen in die Regionalliga auf.

Zu den Personen: 

Jens Rose (59 ) wurde in Kassel geboren und war von 2002 bis 2013 mit einer Unterbrechung Vorsitzender des KSV Hessen Kassel. Zuvor gehörte er vier Jahre lang dem Aufsichtsrat des Vereins an. Mittlerweile ist Rose Vorstandsmitglied bei den Löwen. Der Unternehmer führt in dritter Generation den in Kassel ansässigen Familienbetrieb Martin Rose Gleisbau. Der 59-lebt in einer Beziehung und hat zwei Kinder. 

Dr. Fritz Westhelle (69) ist Mitglied des Aufsichtsrates beim KSV. Der Rechtsanwalt arbeitete als Insolvenzverwalter mit dem Schwerpunkt Insolvenz- und Sanierungsrecht. Mittlerweile ist er Seniorpartner der Kanzlei Leonhardt Westhelle & Partner. 2010 war er kurzzeitig Geschäftsführer der Kassel Huskies, deren Interessen er im Kampf um den DEL-Verbleib nach Insolvenz vertrat, letztlich aber verlor. Westhelle lebt in Kassel, ist verheiratet und hat drei Kinder.

Von Frank Ziemke und Maximilian Bülau 

Aufsteiger ja, Absteiger nein: Der KSV Hessen fordert nicht ganz uneigennützig denAbbruch der Fußballsaison 2019/20 und eine Serie 20/21 mit großen Ligen und vielen Spielen.

Aus Unverständnis wurde Hoffnung. Aus Hoffnung wieder Unverständnis. Es ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle für den Fußball-Hessenligisten KSV Hessen Kassel in diesen Tagen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.