Der Mann mit vier Armen

Kassels Torhüter Kevin Rauhut überragt beim Pokalsieg in Offenbach

Überzeugte auch nach dem Spiel: Kevin Rauhut, der Torhüter des KSV Hessen Kassel, der den Sieg am Dienstagabend in Offenbach sicherstellte. Foto: Hedler

Offenbach. Letztendlich sind es mitunter doch die einfachen Dinge, die den Erfolg bringen. Im Fall des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel war es eine Idee in der Halbzeit. 

Sie sicherte nach dem frühen Tor durch Stefan Müller das 1:0 im Hessenpokal-Viertelfinale gegen Gastgeber Kickers Offenbach. „Wir haben Kevin Rauhut in der Kabine einfach noch zwei Arme drangeschraubt“, bestätigte Löwen-Trainer Matthias Mink auf Nachfrage. Insofern schienen sich die Gerüchte zu bewahrheiten, die nach Rauhuts sensationellen Paraden im zweiten Durchgang aufgekommen waren.

Allein ein Blick auf den KSV-Torhüter selbst unmittelbar nach diesem nervenaufreibenden, hektischen und hitzigen Hessenderby wollte nicht so recht zu all den Behauptungen und Vermutungen passen. Da stand ein junger Mann von 25 Jahren, der strahlte und munter drauflosredete, der aber – sehr menschlich, sehr menschlich – nur zwei Arme und zwei Beine vorweisen konnte.

Rauhut, der Retter 

Nach all den Wundertaten Rauhuts lässt sich das nur schwer glauben. Kurz nach der Pause hatte der Keeper das erste Mal prächtig pariert, als er nach Fabian Bäckers Schuss den Ball mit dem Bein noch zur Ecke lenkte. In der dramatischen Schlussphase, als die Löwen nach dem Platzverweis gegen Tobias Damm nur noch zu zehnt waren, erweckte Rauhut den Eindruck, er habe sich kurzfristig zu einem Kraken ausbilden lassen. Rauhut rettete hier, er rettete dort – und er rettete sogar gegen seinen Offenbacher Kollegen Dennis Endres, der beim Alles-oder-nichts-Spielchen des Regionalliga-Spitzenreiters mit nach vorn geeilt war.

KSV Hessen Kassel besiegt Kickers Offenbach mit 1:0

Rauhut schaffte es somit zum Mann des Tages, was schon eine Kunst war nach einer Partie, in der nahezu alle Löwen überzeugten. Die Fans aber forderten bei den losgelösten Feierlichkeiten nach dem Abpfiff Rauhut auf, das Kommando zu übernehmen. So wurde aus dem sicheren Rückhalt ein souveräner Vorturner, der im Mittelpunkt jener Bilder stand, die der KSV lange nicht mehr bot. Rauhut selbst zeigte sich nach dem Spiel vor allem erleichtert – über den Sieg, über die eigene Leistung: „Solch ein Spiel habe ich mal gebraucht“, sagte er. „Ich konnte endlich beweisen, dass ich der Mannschaft weiterhelfen kann.“ Er genoss es förmlich, einen Ball nach dem anderen zu entschärfen: „Es ist auch geil, wenn fast alle im Stadion gegen einen sind.“

Im Training stark

Trainer Matthias Mink freute sich mit seinem Keeper, der bisher nicht so wirklich auffiel: weder positiv noch negativ. „Er konnte sich in der jüngsten Vergangenheit einfach auch deshalb nicht so wirklich auszeichnen, weil wir wenige Torchancen zugelassen haben“, sagte Mink. So machte Rauhut mitunter fast einen unglücklichen Eindruck, weil die wenigen Bälle, die schließlich auf sein Tor kamen, häufig auch im Tor landeten. Aber: „Im Training zeigt er immer wieder solche Paraden wie heute im Spiel“, erzählte Mink. Und das Besondere an diesen Paraden ist: Rauhut stehen dabei tatsächlich nur zwei Hände zur Verfügung.

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- Kommentar zum KSV-Erfolg in Offenbach

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