Was ist denn da los?

Keine Löwen für Katar: KSV Hessen Kassel boykottiert die Fußball-WM der Männer 2022

Serkan Durna.
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Einer für die deutsche Nationalmannschaft 2022? Serkan Durna in der Partie gegen die TSG Balingen.

Vor der Partie in Alzenau lässt der KSV Hessen mit einem symbolischen Boykott gegen die WM in Katar aufhorchen. Was steckt dahinter?

Kassel – Eigentlich sollte es heute eine Vorschau auf das Auswärtsspiel des KSV Hessen in der Regionalliga Südwest am Samstag bei Bayern Alzenau geben. Doch dann stießen wir gestern auf eine Nachricht, die der Klub über seine Webseite verbreitete. Der Titel: „KSV Hessen Kassel boykottiert die Fußball-WM der Männer 2022 in Katar.“ Heißt: Die Löwen werden für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr keine Spieler abstellen. Wir fragen: Was ist denn da los?

Ein Gespräch mit KSV-Trainer Tobias Damm zeigt, dass es dem KSV Hessen Kassel ernst ist. „Bravo (Adrian Bravo Sanchez, Anm. d. Red.) hätte bei Spanien sicher gute Karten gehabt. Bei Deutschland steht keiner von uns im Aufgebot für die EM, daher wäre es für die WM sicher schwierig geworden. Aber einer wie Serkan Durna hätte den Sprung schaffen können“, sagt er.

KSV Hessen Kassel will für die WM in Katar keine Spieler abbestellen

Okay, an dieser Stelle müssen wir mal einschreiten, bevor sich Leser noch fragen, ob Löwen und Berichterstatter komplett verrückt geworden sind: Natürlich ist dem KSV Hessen, Trainer Damm und auch uns bewusst, dass die Löwen keinen Spieler im Kader haben werden, der für die WM 2022 in Katar infrage kommt. Die Botschaft, die der Klub mit diesem Boykott senden möchte, ist aber dennoch eine ernste.

Der Verein will auf die unhaltbaren Zustände auf den WM-Baustellen sowie die allgemeine Menschenrechtssituation in Katar aufmerksam machen und diese kritisieren, heißt es. Werte des Sports und des Fußballs würden durch dieses Turnier mit Füßen getreten. Wer den KSV Hessen liebt, liebt den Fußball. Und wer den Fußball liebt, muss Katar 2022 boykottieren, ist auf der vereinseigenen Homepage zu lesen. Es soll ein Zeichen gesetzt werden. Gegen Korruption, Unterdrückung, Folter, Intoleranz, Sklaverei, Ausbeutung und Antisemitismus.

Kassel: KSV und der Blog 36 wollen mit dem Boykott aufrütteln

Die Löwen wollen gemeinsam mit den Ideengebern – dem Blog 36 und dem Fanprojekt Fullestadt – aufrütteln. Der Klub wird kein Public Viewing veranstalten und versuchen, andere vom Boykott des Turniers zu überzeugen und dabei zu unterstützen. Sie werden sich an regionalen Bündnissen und Initiativen beteiligen, die sich kritisch mit der Austragung der WM beschäftigen. Der Verein hofft auf Nachahmer – ob aus dem Profibereich oder der Kreisliga.

Ach so, das Spiel morgen in Alzenau wird Trainer Damm beim KSV Hessen Kassel mit nur einer Änderung zum 0:0 gegen Freiburg angehen. Frederic Brill fehlt gesperrt, dafür kehrt der zuletzt gesperrte Durna zurück. (Maximilian Bülau)

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