In der Tabelle wird es brenzlig

0:4 - KSV Hessen findet keine Mittel gegen den VfB

Adrian Bravo Sanchez (links) und Maximilian Zunker.
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Ratlos: Adrian Bravo Sanchez (links) und Maximilian Zunker vom KSV Hessen Kassel nach dem 0:2 gegen den VfB Stuttgart II.

Spätestens nach 61 Minuten, so gegen 15.15 Uhr am Samstagnachmittag, ging allen Kasselern der Spaß an diesem Spiel endgültig verloren.

Kassel – Gerade hatte der 20 Jahre alte Marco Pasalic das 4:0 für die Reserve des VfB Stuttgart gegen den KSV Hessen erzielt. Es war gleichzeitig der Endstand dieser Begegnung in der Fußball-Regionalliga Südwest. Die höchste Heimniederlage der Saison für die Löwen und zudem die höchste insgesamt neben dem 1:5 in Offenbach war perfekt.

Aber: Hatte der KSV gegen die Kickers Mitte Dezember über weite Strecken enttäuscht, konnte der stark dezimierten Mannschaft dieses Mal kein großer Vorwurf gemacht werden. Die Schwaben waren auf dem Kunstrasenplatz am Auestadion einfach das bessere Team. Und das von Beginn an.

Die Defensive um Ex-Bundesligaprofi Holger Badstuber ließ kaum etwas zu. Klar, da machte sich das Fehlen von Spielern wie Sebastian Schmeer und Lukas Iksal – beide Torschützen beim Sieg im Hinspiel – ebenso bemerkbar wie das des schmerzlich vermissten Kapitäns Frederic Brill. Aber der VfB trat eben auch extrem variabel auf, presste mal minutenlang schon am Strafraum des KSV, zog sich dann wieder in die eigene Hälfte zurück. Und es gelang der Mannschaft von Trainer Frank Fahrenhorst, zwischen diesen Varianten permanent zu wechseln. Alle machten mit, ließen den Löwen kaum Luft zum Atmen. „Wir haben immer Druck bekommen. Alle haben nachgeschoben. Das hat es für uns schon sehr schwierig gemacht“, sagt KSV-Trainer Tobias Damm. Der 37-Jährige hätte diese Partie lieber im Auestadion ausgetragen – allerdings war nach einer Platzbegehung am Freitag klar: Geht nicht, die Partie findet auf dem Kunstrasen statt. Das kam den spielstarken Gästen natürlich zugute.

In Partien gegen Zweitvertretungen von Bundesligisten hatten die Löwen bislang richtig gut ausgesehen. Wiederkehrendes Mittel dabei: Sie bearbeiteten die gut ausgebildeten, technisch versierten und schnellen, aber eben auch sehr jungen Gegenspieler mit fairer Härte. Mit „Männerfußball“. „Aber dieses Mal habe ich in vielen Situationen gedacht, dass wir die U23-Mannschaft sind“, sagt Damm später. Stuttgart war in der Tat cleverer und vor allem effektiver. „Immer dann, wenn wir gerade etwas Druck ausgeübt und uns Chancen erspielt haben, gab es die Gegentore“, resümierte der Trainer.

Wurde nach dem 0:1 durch José-Enrique Rios Alonso nach Zuspiel von Marco Wolf noch über Abseits diskutiert (16.), war das 0:2 von Wolf selbst ein blitzsauberer Konter (38.). Bitter allerdings: Die Gastgeber besaßen unmittelbar vor diesem Treffer in einer ihrer stärkeren Phasen die Chance zum Ausgleich. Alban Mehas Schuss wurde da aber von Rios Alonso kurz vor der Torlinie abgewehrt.

Und als der KSV gut aus der Pause kam und sich mehrere Chancen erspielte, ein Foul an Mahir Saglik durchaus elfmeterwürdig schien, da reichte ein langer Ball, ein Befreiungsschlag, für die frühe Entscheidung. Mohamed Sankoh ließ Robin Urban mit einer einzigen Bewegung aussteigen, stand frei vor Maximilian Zunker und erzielte das 3:0 (50.). „Jeder Fehler wurde bestraft. Wir sind sehr, sehr enttäuscht, weil wir uns mehr ausgerechnet haben. Und weil wir eigentlich auch gut ins Spiel gefunden hatten“, sagt Damm. Urban verletzte sich später auch noch am Sprunggelenk, wird heute untersucht und könnte der nächste Ausfall im bereits prall gefüllten Lazarett des KSV sein.

Der Abstand auf den ersten Abstiegsplatz beträgt nun nur noch einen Zähler – und Mannschaften wie Koblenz und Pirmasens haben als direkter Verfolger ein Spiel weniger ausgetragen als der KSV. Im frostigen Winter wird die Situation für die Löwen langsam brenzlig. (Frank Ziemke und Maximilian Bülau)

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