Fußball-Regionalliga: Offenbach am Sonntag (15 Uhr) zu Gast beim KSV Hessen Kassel

Kickers in Turbulenzen

Helmut Spahn

Offenbach. 42 Punkte aus 21 Spielen, Tabellenplatz zwei in der Fußball-Regionalliga Südwest. Eigentlich könnte Kickers Offenbach eine besinnliche Vorweihnachtszeit verbringen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Vor dem Jahresabschluss am Sonntag (15 Uhr) beim KSV Hessen Kassel produzierte der Traditionsverein reichlich Schlagzeilen.

Ursache für die Offenbacher Turbulenzen war eine Negativserie im Herbst, die erst den Traum von Pokaleinnahmen beendete und dann einen satten Vorsprung in der Regionalliga kostete. Nach dem 1:2 im Hessenpokal-Achtelfinale am 17. Oktober beim TSV Steinbach holte der OFC, der am 14. Spieltag noch mit 34 Punkten Tabellenführer war und 13 Zähler Vorsprung vor Erzrivale Waldhof Mannheim hatte, nur fünf Punkte aus fünf Spielen.

Sechs Spieltage später hatte nicht nur der 1. FC Saarbrücken die Kickers mit 2:1 bezwungen und abgehängt, auch der SV Waldhof war - motiviert durch einen 2:0-Sieg gegen den OFC - binnen weniger Wochen auf Platz zwei gestürmt.

Das rief Kickers-Sportdirektor Sead Mehic auf den Plan, der mit deutlichen Worten öffentlich aufrüttelte. „Nach sieben Spielen, von denen man nur eines gewinnt, muss man von einer Krise sprechen“, sagte er. Ausreden seien nicht mehr angebracht, stellte er klar: „Wer immer noch sagt: ‚Wir haben gut gespielt’, macht es sich zu einfach.“ Mehic forderte auch Trainer Oliver Reck auf, „Reize zu setzen“.

Der Ex-Nationalspieler, kein Freund öffentlicher Kritik an Spielern, reagierte gegen Ulm, veränderte Personal und Taktik moderat - und durfte nach einer emotionalen Partie einen 3:1-Sieg gegen Ulm und dank des Mannheimer 2:2 gegen Völklingen auch die Rückkehr auf Platz zwei festhalten. Wer nun dachte, dass die vorweihnachtliche Besinnlichkeit wieder hergestellt sei, täuschte sich.

Dafür sorgte Reck mit einer merkwürdigen Ohrgeste als Reaktion auf Pfiffe, vor allem aber die Mannschaft, die auf einen ausgiebigen Gang zu den Fans nach dem letzten Heimspiel des Jahres verzichtete und sich zudem zu einem Presseboykott entschloss. Das wiederum brachte OFC-Präsident Helmut Spahn auf die Palme. „Wer gelobt werden will, muss sich auch kritisieren lassen“, betonte er: „Wir reden uns die Dinge manchmal schön.“

Die Chance, in dieser Saison um den Aufstieg mitzuspielen, dürfe man nicht leichtfertig hergeben. Deshalb werde man in der Winterpause „offen und ehrlich miteinander reden“.

Auch OFC-Geschäftsführer Christopher Fiori missfielen die Aktionen, er bestellte Kapitän Daniel Endres zum Rapport. Ziemlich kleinlaut räumte der 32-Jährige, der seit 22 Jahren im OFC-Tor steht, danach ein: „Das war eine impulsive Reaktion, die wir in dieser Form sicher nicht noch einmal zeigen werden.“

Reck per SMS bedroht

Als wäre das alles noch nicht genug der Aufregung, wurde in dieser Woche auch noch eine ernstzunehmende Drohung per SMS an Trainer Oliver Reck bekannt. „Du stehst ganz oben auf der Liste. Bei Tag und Nacht. Pass gut auf dich auf“, zitierte die „Bild“ den Wortlaut der Nachricht, die der 52-Jährige bereits am 12. November, einen Tag nach dem 3:0 gegen den TSV Schott Mainz, erhalten hatte. Die Polizei ermittelt, besondere Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz des Trainers wurden vorerst nicht eingeleitet.

Von Jörg Moll

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