1:3 gegen Walldorf

Müder Kopf und schwere Beine: Fünf Gründe für die Abwärtsspirale des KSV Hessen

Adrian Bravo Sanchez.
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Da war die Welt nicht mehr in Ordnung: Adrian Bravo Sanchez kniet auf dem Rasen des Auestadions und kann es nicht fassen.

Abpfiff. Die Köpfe gehen runter. Wobei: Eigentlich waren die Köpfe der Spieler des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel schon kurz nach dem Seitenwechsel nach unten gegangen. Als Sergej Evljuskin ein Eigentor zum 1:1 unterlief (58.).

Kassel - Und dann sanken sie im Lauf der zweiten Halbzeit dieses Heimspiels gegen Astoria Walldorf immer weiter. Kaum zu glauben eigentlich, waren die Löwen doch nach 29 Sekunden durch einen sehenswerten Lupfer von Mahir Saglik in Führung gegangen, hatten die Gäste im Griff, einige Chancen auf weitere Treffer. Doch nach diesem unglücklichen Ausgleich war alles weg. Ein 1:1, das sich für die Spieler wie ein Rückstand anfühlte. Dass diese Partie nach weiteren Treffern durch Tilmann Jahn (81.) und Giuseppe Burgio (90.+3) sogar noch verloren ging, es hätte wohl kein Zuschauer im Stadion für möglich gehalten – wenn denn welche hätten da sein dürfen. Diese Niederlage schmerzt. Weil sie vermeidbar war. Weil drei Punkte gegen einen schwachen Gegner recht einfach zu holen gewesen wären. Doch so ist der KSV seit mittlerweile sieben Spielen ohne Sieg. Fünf Gründe für diese Abwärtsspirale:

1. Kader und Verletzungen: Mit Frederic Brills Verletzung fing es an. Als der Kapitän sich einen Innenbandriss zuzog, da wurde schnell deutlich: Als Führungsspieler ist dieser Brill kaum zu ersetzen. In den letzten Partien mehrten sich die Ausfälle. Sebastian Schmeer, Alban Meha, Kevin Nennhuber, Mahir Saglik – immer wieder erwischte es einen anderen Spieler. Und es zeigt sich: So breit ist der Kader nicht, dass er mehrere Ausfälle gleichzeitig verkraften kann. Mit Innenverteidiger Alexander Mißbach erwischte es am Samstag einen weiteren Innenverteidiger. Besserung ist also nicht in Sicht.

2. Selbstvertrauen: Ist kaum noch vorhanden. „Was gibt es Geileres als ein frühes 1:0?“, fragte KSV-Trainer Tobias Damm nach dem Spiel. Und dieses 1:0 fiel ja quasi direkt nach dem Anpfiff. Damm sah dann aber: „Einigen Spielern fehlen die Erfolgserlebnisse. Und das hat man dann auch trotz der Führung gemerkt.“ Von der Euphorie nach zwei Siegen zum Auftakt ist wenig geblieben, eine stetige Verschlechterung erkennbar. Das muss aus den Köpfen raus, denn bereits am Dienstag geht es mit einem Auswärtsspiel in Aalen weiter.

3. Terminhatz und Kraft: Und damit gleich zum nächsten Problem. Seit dem Saisonbeginn am 5. September hatten die Löwen erst zweimal kein Wochenspiel. Ab dem 8. November und dem Derby gegen Kickers Offenbach entspannt sich der Terminplan etwas. Aber: Jetzt stehen für den KSV Partien gegen Aalen und Mainz II an – Gegner auf Augenhöhe. Eigentlich. Doch der Auftritt gegen Walldorf macht kaum Mut. Steckten die Löwen zu Saisonbeginn Rückstände ohne Probleme weg, bäumten sich auf, fehlt derzeit einfach die Kraft dafür. „In den letzten Minuten waren wir stehend k.o.“, sagt Damm. „Da wurde der Kopf müde und die Beine immer schwerer.“

4. Effektivität: Der Trainer des KSV sagt aber auch: „Wir hatten das Spiel über die komplette erste Halbzeit im Griff, haben einige Chancen auf das 2:0. Das ärgert mich am meisten.“ Gut vorstellbar, dass dieser lange pomadige und einfallslose Gegner aus Walldorf sich von einem 0:2 nicht mehr erholt hätte. Doch Adrian Bravo Sanchez, Alban Meha und Saglik ließen beste Möglichkeiten aus. Und ermöglichten den Gästen somit in gewisser Weise auch die unerwartete Auferstehung. Geht der KSV weiter so mit seinen Chancen um, wird es schwer. Denn andersrum sagt Damm: „Das ist der Unterschied zur Hessenliga. Deine Fehler werden bestraft.“

5. Geisterspiel : Der KSV hatte bisher ja paradiesische Zustände. Knapp 2000 Zuschauer, die dich unterstützen, sind ein echtes Pfund in schwierigen Zeiten. Anfeuerung macht die Beine im besten Fall noch einmal etwas leichter, wenn jeder Schritt schwerfällt. Am Samstag war das Auestadion leer, die Atmosphäre gespenstisch. Da wird dann noch deutlicher, wie wichtig die Fans für die Löwen sind. Ein echtes Pfund eben in dieser Regionalliga. (Frank Ziemke und Maximilian Bülau)

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