Verein sieht "keinen Nutzen"

KSV entscheidet sich gegen Spanien-Projekt

Kassel. Am Ende kam die Entscheidung zwar alles andere als überraschend, aber doch schneller als angekündigt: Montag Abend teilte der Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel mit, dass er in Zukunft nicht mit dem ehemaligen Bundesligaspieler Manfred Bender und einer spanischen Firma zusammenarbeiten werde.

Damit werden in der kommenden Saison auch keine von dieser Firma vermittelten Spanier im Trikot der Löwen auflaufen - und Bender erhält keine Funktion im Verein. In einer Pressemitteilung erklärt KSV-Aufsichtsrat Frank Greizer: „Es gab sowohl eine sportliche als auch eine wirtschaftliche Prüfung. Schon am sportlichen Teil haben wir keinen Nutzen für uns gesehen.“ Die Gremien hätten das einstimmig so gesehen.

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Montag Mittag hatte es noch geheißen, der Verein werde erst in den nächsten Tagen endgültig über das Projekt befinden. Dass es letztlich nicht zu dessen Umsetzung kommt, hatte sich da aber schon allemal angedeutet. Am Abend kam das Aus. Die Gründe, warum das Geschäft mit den Spaniern platzte:

1.Unruhe im Verein. Sie haben den Konsolidierungskurs ausgerufen beim KSV – und diesen bisher auch klar kommuniziert und verfolgt. Da hätte ein Geschäft, dessen Ausmaße nicht absehbar waren, nur für Unbehagen gesorgt, auch wenn damit Einnahmen hätten erzielt werden können.

KSV-Vorstand Claus Schäfer erklärt in der Pressemitteilung: „Auch wenn es für einige lukrativ erschien, ist es für den Verein der richtige Weg, sich dagegen zu entscheiden.“ Das sieht schließlich auch Schäfers Vorstandskollege Jens Rose so, der das Projekt angestoßen hatte, für eine ordentliche Prüfung warb - zuletzt aber auch immer skeptischer wurde.

2.Unruhe in der Mannschaft. Der KSV hat es geschafft, den Großteil des Kaders aus dem Vorjahr zu halten, will ihn nun sinnvoll ergänzen. Bereits am Freitag war im Training Argwohn bei den etablierten Akteuren sowie im Teamumfeld gegenüber dem Spanien-Deal zu spüren. Klar: Ein spanisches Quartett, platziert von einem Geldgeber, da sah mancher seinen Platz in Gefahr. Es drohte ein Team im Team.

3.Qualität der Spieler. „Sie haben mich bisher nicht überzeugt.“ Ungewöhnlich deutlich hatte sich Trainer Jörn Großkopf nach den ersten Eindrücken über das Quartett aus Spanien geäußert. Noel Alonso, Roberto Martinez, Raul Garcia und Manuel Sosa scheinen jedenfalls ein gehöriges Stück weg zu sein vom ursprünglich versprochenen Zweitliga-Niveau. Bei der ersten Trainingseinheit hatte vor allem eine gewisse Zweikampfschwäche ins Auge gestochen. Enttäuschend ebenfalls, dass das Quartett ohne Testspielgenehmigung angereist war. Professionalität geht anders. Auch beim Training am Montagnachmittag fiel keiner der spanischen Testspieler so positiv auf, dass er als Verstärkung hätte durchgehen können.

4.Die Personalie Bender. Der ehemalige Bundesligaprofi Manfred Bender tauchte als Manager bisher nur einmal auf – in Offenbach für noch nicht einmal ein halbes Jahr. Die Stimmen von dort klingen verhalten bis ablehnend. Wäre er in Kassel auf Geheiß der spanischen Firma zum Zug gekommen, hätte eine gefährliche Gemengelage in der Führungsetage entstehen können - zumal Erinnerungen an die Zeit mit Sportdirektor Rüdiger Abramczik wach geworden waren, der vor knapp eineinhalb Jahren keine Bindung zum übrigen Geschehen im Verein gefunden hatte. Bei Bender kam hinzu, dass er für sich mehr Befugnisse verlangt hatte, als sie ihm der Verein zugestehen wollte.

5.Die fehlende Transparenz. So richtig plausibel erklären konnte beim KSV niemand, wie das Geschäftsmodell der Spanier genau funktioniert. Keiner durfte sagen, wer konkret dahintersteckt. Selbst ein KSV-Funktionär hatte zwischenzeitlich gesagt, er wisse nicht, wie das alles geht. So kamen zwangsläufig Zweifel auf an der Seriosität des Geschäfts. Seit gestern Abend ist es für den KSV vom Tisch.

Von Frank Ziemke und Florian Hagemann

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